»CHEMO BABE«

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Autopoiesis: Arbeiten von Eileen Wunderlich, Carolin Löbberts und Barbara Breitenfellner, 28. Januar – 07. März 2009, Bongout Showroom, Berlin

Vernissage am Mittwoch, den 28. Januar 2009 um 19 Uhr.

Wir gehen Verbindungen ein, mit Artgenossen, mit anderen Lebewesen. Wir bilden Systeme, werden Teil von Systemen, brechen mit ihnen, um uns Neuen anzuschließen. In einem engen Kreis aus Zeit inmitten des zeitlosen Chaos kreieren wir unsere Wirklichkeit. Immer bemüht, die Realität nach eigenem Gutdünken zu formen, immer die Kontrolle zu behalten. Doch manchmal werden wir erfasst, einer Fliege gleich, die vom süßen Duft der Venusfliegenfalle angelockt, ihrem Verderben entgegenfliegt. Dann schlägt uns die Wirklichkeit hart ins Gesicht, erwischt uns mit ihrer eiskalten Hand.

In Barbara Breitenfellners Installation wird die harte Fliegen-Wirklichkeit neben Spuren der inszenierten Wirklichkeit des Films gesetzt. Im Gewächshaus verspeisen fleischfressende Pflanzen so manches Insekt, dazwischen fliegen die Utensilien eines Filmschneidelabors herum. Ein Gleichnis für die Vergänglichkeit und Suggestivität der Bilder, die uns alltäglich begegnen. Die Künstlerin legt mit ihrer Arbeit die Schattenseiten und Anomalien einer vermeintlich vertrauten und bekannten Welt bloß, deren erlebte Wirklichkeit auf mediale Bilder aufbaut.

Eileen Wunderlich

„Chemo Babe”. Seit Jahren fotografiert Eileen Wunderlich tote Tiere. Bevor ein Bild entsteht, bandagiert, näht und drapiert die Künstlerin. Jedes Tier erhält einen neuen Charakter.

Dieses Jahr schlüpfte Eileen Wunderlich selbst in unterschiedliche Rollen, um für kurze Zeit der Realität ihrer Krankheit zu entkommen. Sie persiflierte ihre eigene Wirklichkeit und gleichzeitig die Welt dort draußen.

Auf Carolin Löbberts onirischen Bildern tummeln sich bunte Vögel. Sie sitzen auf dicken Ästen und singen. Doch nach dem ersten Eindruck von harmonischer Natur entdeckt man den Tod im Gebüsch und seine maskierte Gefolgschaft lauert im Tümpel. Dicke Tropfen durchziehen die Bilder. Die Vögel singen nicht nur. Sie schlagen Alarm. Sie bluten, scheißen und sterben in der unwirtlichen Welt um sie herum.

All diese Arbeiten haben zugleich etwas Düsteres und Heiteres durch die alles durchdringende, spürbare Kraft des Lebens.

Bongout Gallery / Showroom
Torstrasse 110
10119 Berlin – Germany
Opening hours: tue – sat : 12 – 7 pm
+49 (0)30 280 93 758
info@bongout.org
www.bongout.org