SCHLINGENSIEF TOTAL – ALLE FILME

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Am 21. August 2010 ist Christoph Schlingensief gestorben und hat eine Lücke hinterlassen, die niemand füllen kann. Am 6. November öffnet die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz die Türen, um gemeinsam mit Freunden und Weggefährten Christoph Schlingensief zu gedenken und ihn zu feiern. Um 23 Uhr startet mit “Die 120 Tage von Bottrop – der letzte neue deutsche Film” im BABYLON die erste vollständige „Christoph – Schlingensief -Retrospektive“.

Schlingensief Retrospektive im Kino Babylon Berlin

So gefeiert Christoph Schlingensief als Theaterregisseur und Künstler war, seine Filmkarriere war von großen Widerständen geprägt, nur die wenigsten Filme waren außerhalb von Festivals im Kino zu sehen. Trotzdem hat er von 1983 bis 1996 fast jedes Jahr einen langen Film gedreht und oft auch selbst veröffentlicht. Christoph Schlingensief hatte bekanntlich keine Angst zu Scheitern, aufgegeben Filme zu machen, hat er nie. Bis zuletzt hat er immer wieder betont, dass er in erster Linie Filmemacher sei, hat Filme für seine Theaterarbeiten gedreht und weiter Spielfilmstoffe entwickelt.

Christoph Schlingensief wurde für seine Filme als Provokateur abgestempelt, als Trashfilmer, als Dilettant, als nicht sendefähig und auch nicht Goethe-Institut-exportfähig. Warum ist das Kino so wenig offen für neue oder andere Formen? Warum ist am Theater, wo Christoph Schlingensief sein mediales Spektrum ausbauen konnte, experimentierfreudiger und offener? Sind die Produzenten/Intendanten oder ist es das Publikum?

Zum Tod von Werner Schroeter im April 2010 schrieb Christoph Schlingensief in seinem Blog: „sein tod ist nicht nur fuer mich ein grosser verweis auf die vergaenglichkeit unseres lebens, aber vor allem auch ein verweis auf die wenige achtung, die man einem wirklichen genie in deutschland kaum entgegenbringen kann. nun ist er tot und fast haette ich gesagt: es ist zu spaet, aber eines ist klar: schroeters filme sind ein vermaechtnis, das an jede filmhochschule und auch in die deutschen kinos oder die richtigen tv-anstalten gehoert! ein vermaechtnis dieses leben genauer zu betrachten und seine melodie zu erforschen! das hat er sein leben lang getan! dafuer nicht nur dank sondern tiefste innere liebe!“

Zu Christoph Schlingensiefs Tod sind nun viele TV-Anstalten bereit seine Filme zu zeigen und wie bei Werner Schroeter, wird ihm eine Verehrung von Leuten zuteil, die ihn noch wenige Monate vorher hätten abblitzen lassen. Warum pflegen wir das Außergewöhnliche nicht zu Lebzeiten? Die ersten Filme von Werner Schroeter und Christoph Schlingensief waren durch kulturelle Filmförderung und mutige Redakteure beim öffentlich rechtlichen Fernsehen möglich. Beides ist heute verschwunden oder steht unter hohem Markt- oder Quotendruck. Im Sinne von Werner und Christoph fordere ich deshalb eine mutigere kulturelle Filmförderung und mehr Sendeplätze für ungewöhnliche Filme!

Die Anfänge seines produktiven Lebens kann man ab dem 6. November täglich im Kino entdecken. Christoph Schlingensiefs Wunsch auf die Leinwand zurück zu kehren wird ihm erfüllt, alle Filme werden in den Originalformaten 16 und 35mm, zum großen Teil mit seinen Original-Festivalkopien zu sehen sein.

Neben den angekündigten Hauptfilmen, wird das Programm spontan um kurze Filme und unveröffentlichtes Filmmaterial ergänzt werden. Schauspieler, Kollegen, Mitarbeiter und Kritiker, die seine Filme, ihn und seine Arbeit begleitet haben, werden die Filme vorstellen.

Frieder Schlaich / Filmgalerie 451

www.babylonberlin.de

BABYLON
Rosa-Luxemburg-Str. 30, 10178 Berlin, Deutschland
U-Bahn: Rosa-Luxemburg-Platz
S-Bahn: Alexanderplatz
Bus: 100, 200, 340, 348 Stop: Alexanderplatz
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