DIE STILLE NACH DEM STUSS (B.Z.)

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B.Z.-Gespräch mit Christoph Schlingensief über seine Talk-Shows “DIE PILOTEN” in der Akademie der Künste

Von Ulrike Ruppel

Talkmaster Christoph Schlingensief (46) ist wieder da! Zehn Jahre nach seiner Show “Talk 2000” meldet er sich mit “Die Piloten” aus der Akademie der Künste (Pariser Platz) zurück. In der sechsteiligen Staffel sind u.a. Katja Riemann, Corinna Harfouch, Lea Rosh, Rolf Hochhuth, Sido und Helmut Berger zu Gast.

Was sagen Sie zur Absage von Günther Jauch als Christiansen-Nachfolger an die ARD?
Ich kann mit dieser Absage gut leben. Ich gehe insgeheim davon aus, dass er sich für die Nachfolge von Edmund Stoiber bereithält.

Ist unsere TV-Diskussionskultur noch zeitgemäß?
Diskussionen finden zunehmend im Internet statt. Dort fragen die Leute in speziellen Foren auch offen um Rat und lassen sich von anderen helfen. Politiker und Fernsehredakteure kommen aber nicht damit zurecht, dass sich mal ganz andere Leute mit ihren Erfahrungen einbringen wollen. Da heißt es ganz schnell: “Das versteht das Publikum nicht.” Aber der Mensch ist nicht so dumm, wie er gehalten wird.

Was wollen Sie anders machen?
Ich habe Freude an Leuten, die auch mal in ihrer Andersartigkeit und in ihrer Hilflosigkeit sagen, dass sie im Moment nicht weiterwissen. Dann spüre ich eine Wärme, die ich auch akzeptiert sehen möchte. Dafür arbeite ich. Ich will Dinge zulassen, die es in anderen Talkshows nicht gibt. Hilflosigkeit und Stille etwa.

Das Fernsehen ist laut und grell. An Lärm sind wir ja gewöhnt…
Weil wir das Leben wie einen Tinnitus empfinden: Es ist eine Belästigung, dass wir hier sein müssen, es ist anstrengend, mühsam, wir sind nicht reich genug, dies und jenes fehlt und dann tut auch noch der Nacken weh. Deshalb muss es um uns herum immer lauter und greller werden, damit wir das nicht hören. Das Fernsehen ist nur noch eine Wohnzimmertapete, die dödelt. Wenn es lauter wird, gucken wir hin. Und dann ist wieder nichts passiert.

Was halten Sie von Kerner und Konsorten?
Bauchpinsel-Einheiten. Kerner kann ich nicht mehr sehen. Beckmann ist besser, der verschwindet wenigstens mal. Die Maischberger mag ich, weil sie intelligent ist, aber am meisten mag ich die Illner. Das ist eine mit Schnauze, die rüberkommt wie eine Eins. Die sollte mehr machen!

16.1.07