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Erlösung durch ewige Weltsehnsucht: Schlingensiefs "Parsifal"


Der deutsche Regisseur hat sich verstärkt der Figuren angenommen - Begeisterung wie Entrüstung bei der Wiederaufnahme


Der Standard vom 01.08.2005. Von Ljubisa Tosic.
Wiederaufnahme von Christoph Schlingensiefs Version des "Parsifal" bei den Bayreuther Festspielen: Der deutsche Regisseur hat sich verstärkt der Figuren angenommen. Er erntete Begeisterung wie Entrüstung.

Einmal ist natürlich nicht keinmal in Bayreuth. Aber dass Christoph Schlingensief an den Ort seiner Operndefloration zurückkehren würde, um sich abermals mit Wagners Parsifal ins Grüne Hügelbett zu legen, gehörte zu jenen Aussichten, die in Bayreuth nicht nur spannungsaufladend wirken. Vielmehr bedeuten sie auch Fairness dem inszenierenden Akteur gegenüber, indem man ihm die Möglichkeit gibt, in womöglich entspannterer Atmosphäre an etwas weiterzufeilen, was ohnedies nie wirklich abgeschlossen scheint.

Sieht man die vor Bildideen überbordende Bühne, die als Labyrinth der Assoziationen und Symbole erscheint und auch noch zum Objekt der filmischen Übermalung wird, kann man sich vorstellen, dass Schlingensief gerne wiederkam - vor allem, um die Materialien seiner ins Opernkorsett gepressten Fantasie zu verdichten. Denn noch mehr Neuheiten würde das sich unentwegt drehende, detailvolle Bühnenbild mit Zaun, Stacheldraht, angedeutetem Palast, den vielen Treppen, kleinen Häuschen und dem Friedhof der Künste (mit Mona Lisa und Warhols Suppendose) nicht vertragen.

Paradoxerweise ist es allerdings zu einer Vermehrung, diesmal der Figuren, gekommen, welche die Klarheit erhöht. Zu dem älteren und dem jüngeren Pärchen, die sich als Leitmotiv durch den Abend ziehen, zu der afrikanischen "Urmama" kamen nun die Verdopplungen von Kundry und Parsifal.

Man nimmt es als Zeichen dafür, dass sich Schlingensief verstärkt mit den Figuren auseinander gesetzt hat. Besonders im zweiten Akt verdichtet sich die Beziehung zwischen Kundry (solide: Michelle de Young) und Parsifal (etwas unausgewogen: Alfons Eberz), wird in einer Art Sigmund-Freud-Zimmer eine Therapiesitzung mit anschließender Kundry-Beichte abgehalten, bevor Klingsor (passabel: John Wegner) gleichsam mit einem Raumschiff irgendwohin befördert wird. Auch Amfortas (unscheinbar: Alexander Marco-Buhrmester), dessen Wunde Parsifal - nun Brillen tragend - nachfühlt, ist im zweiten Akt zugegen.

Man müsste zehn Augen haben, um alles mitzubekommen. Aber an den zentralen Stellen herrscht Transparenz. Die Gralsgesellschaft ist eine Art globaler Ökumene, auch ein Club der Krieger dieser Welt. Der Erlösungsgedanke ist hier Welteigentum, eine Sehnsucht, die sich schon in uralten Fruchtbarkeitsritualen widerspiegelt.

Ein solches ist im ersten Akt zu sehen, wenn sich Amfortas unter Qualen auf eine Statue legt, in deren Unterleib sich die Ritter blutige Hände holen und mit diesen auf dem weißen Gewand des reinen Toren ihre Handabdrücke hinterlassen. Das ist insofern ein starker Moment, als Parsifal hier ganz nahe an jenem Ziel ist, das er erst im dritten Akt erreichen soll. Umso stärker wirkt die Enttäuschung von Gurnemanz (Robert Holl mit kultiviert geführter Stimme).

Doch es wird hier keine Erlösung geben. Und wenn doch, dann nur im Tod. Nachdem ein Hase filmisch in Zeitraffer verwest ist und alle zu Boden gefallen sind, geht Parsifal mit dem Hirtenstab seinen Weg ins Licht - alles andere als ein neuer König, der seines Amtes walten will.

Dass dies alles schnell durchgezogen wird, liegt an den spannungsstarken Ereignissen im Orchestergraben. Pierre Boulez konzentriert die musikalische Struktur. Sie verfügt über Innenspannung, wird in ihrer kontrapunktischen Vielfalt erfasst und entfaltet sich klangauratisch.

Boulez ist das souveräne Kraftzentrum dieser Inszenierung, das sehr wohl eine Verschmelzung zwischen Szene und Musik bewirkt und in den filmischen Augenblicken nicht zulässt, dass der magische Klang zum reinen Soundtrack schrumpft.

Nach dem Parsifal ist vor dem Parsifal. Es heißt, Wolfgang Wagner habe Schlingensief nach der Generalprobe umarmt und ihm einen Vertrag für das kommende Jahr angeboten. Er wird jedenfalls wiederkommen, allerdings ohne Boulez. Als Nachfolger wird Daniele Gatti kolportiert.



Pressestimmen und Kritiken zur Parsifal Inszenierung 2005

- "Den Mythos weitererzählen" - Frankfurter Rundschau vom 04.08.2005
- "Schönste Gelassenheit auf der Gerümpelbühne" - FAZ vom 01.08.2005
- "Fortdauernde Bewegung macht den Raum zur Zeit" - Stuttg. Nachr. 01.08.05
- "Viel Verstörung im Publikum" - Süddeutsche Zeitung vom 01.08.2005
- "Erlösung durch ewige Weltsehnsucht" - Der Standard vom 31.07.2005
- "Mythisches Netzhautflackern" - Der Tagesspiegel vom 31.07.2005
- "Weltabschiedswerk in heiterer Zartheit" - Fränkischer Tag vom 01.08.2005
- "Schlingensiefs Parsifal spaltet das Publikum" - dpa vom 30.07.2005
- "Lautstärke bei Schlingensiefs Show" - Die Presse vom 01.08.2005
- "An der Seele reißen" - Die WELT vom 01.08.2005
- "Punk-Poetin trifft Theater-Rebell" - Nordbayerischer Kurier vom 01.08.2005
- "Erlösungsutopie aus Kulturpessimismus" - Landshuter Zeitung




Materialübersicht zu Schlingensiefs Parsifal Inszenierung

- Parsifal Bildergalerie 2007 - Fotos der vierten und letzten Spielzeit 2007
- Parsifal Pressespiegel 2007 - Pressestimmen zur vierten und letzten Spielzeit
- Parsifal Pressespiegel 2007 (PDF) - Gesammelte Rezensionen als PDF-Datei
- "Schlingensief ist für mich der reale Tannhäuser" - Interview Philippe Arlaud
- Schlingensief träumt vom "Tristan" in Bayreuth - Schlingensief im Gespräch
-  "Meistersinger" 2007 - Radiokritik zu Katharina Wagners Debut in Bayreuth
- Probengalerie Parsifal 2007 - Fotos der Vorbereitungen zum Parsifal 2007
- Parsifal Bildergalerie 2006 - Fotos der dritten Parsifal Spielzeit 2006
- "Du hast mich inspiriert" - Interview K. Wagner / C. Schlingensief (23.07.07)
- "Opera Review" - A Personal Experience at Bayreuth by David W. Kline
- "Der erweiterte Wir-Begriff" - Boris Groys und Carl Hegemann zum Parsifal
- "Werkstatt Bayreuth" - Carl Hegemann zur Non-Rekralisierung
- "Begegnungen der vierten Art" - Schlingensiefs Zeitreisen, von Jörg v.d. Horst
- "Das Licht kommt von innen" - Jean-Marie Thiers zur Parsifalinszenierung
-  Boulez in Deutschlandradio - Pierre Boulez zur neuen Parsifalinszenierung
- Parsifal Bildergalerie 2005 - Fotos der zweiten Parsifal Spielzeit 2005
- "Alles schreit" - Notizen zur Parsifal-Inszenierung von Carl Hegemann
- "Der erweiterte Hasenbegriff" - Drei Essays zum Parsifal, div. Autoren
- "Wege zu Parsifal" - Kaum noch Illusionen über die Illusion. Von P. Boulez
- "Zum Raum wird hier die Zeit" - Ein Beitrag des Schriftstellers Peter Nadas
- "Der Todestag" - Christoph Schlingensief im Interview mit der FR (2004)
- "Weehee, Weheee" - Schlingensief im Interview mit dem Tagesspiegel (2004)
- "Ein metaphysisch obdachloser Metaphysiker" - Interview mit der SZ (2004)
- Parsifal Pressespiegel 2004 - Pressestimmen zur ersten Spielzeit 2004
- Parsifal Bildergalerie 2004 - Fotos der ersten Parsifal Spielzeit 2004
- Bayreuther Festspiele - Offizielle Homepage der Bayreuther Festspiele
- Parsifal Libretto - Libretto zu Richard Wagners Parsifal als Onlineversion

Bayreuth Dossier

- Parsifal Übersicht

- Parsifal Rezensionen
   2007 als PDF


- Philippe Arlaud über
   Schlingensiefs Parsifal

- Schlingensief träumt
   vom "Tristan" in
   Bayreuth

-  Deutschlandradio zu
   K. Wagners Debut

- Gespräch K. Wagner /
   C. Schlingensief (FR)

- Parsifal Review
   by David W. Kline

- Groys / Hegemann:
   Der erweiterte
   "Wir"-Begriff

- Carl Hegemann:
   Werkstatt Bayreuth

- Jörg van der Horst:
   Begegnungen der
   vierten Art

- Wagnerverband
   Frankreich: Das Licht
   kommt von innen

-  Pierre Boulez
   zum Parsifal 2005


- Carl Hegemann:
   Alles schreit

- Der erweiterte
   Hasenbegriff

- Peter Nadas: Zum
   Raum wird hier die Zeit

- Pierre Boulez:
   Wege zu Parsifal


- FR Interview mit
   Schlingensief (2004)

- Der Tagesspiegel
   Interview mit
   Schlingensief (2004)

- SZ Interview mit
   Schlingensief (2004)



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Pressespiegel

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- Presse Spielzeit 2007
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Externe Links

- Bayreuther Festspiele
- Parsifal Libretto





Parsifal
Inszeniert von Christoph Schlingensief
Bayreuther Festspiele
2004 − 2007

Dirigent: Pierre Boulez

Inszenierung:
Christoph Schlingensief

Chorleitung:
Eberhard Friedrich

Bühnenbild:
Daniel Angermayr, Thomas Goerge

Kostüme: Tabea Braun,
Aino Laberenz

Video:
Meika Dresenkamp, Monika Böttcher

Lichtdesign:
Voxi Bärenklau

Künstlerische Mitarbeit: Carl Hegemann

Darsteller:
Amfortas: Alexander Marco-Buhrmester; Titurel: Kwangchul Youn; Gurnemanz: Robert Holl; Parsifal: Alfons Eberz; Klingsor: John Wegner; Kundry: Michelle de Young; 1. Gralsritter: Clemens Bieber; 2. Gralsritter: Samuel Youn; 1. Knappe: Julia Borchert; 2. Knappe: Atala Schöck; 3. Knappe: Norbert Ernst; 4. Knappe: Miljenko Turk; Klingsors Zaubermädchen: Julia Borchert, Martina Rüping, Carola Guber, Anna Korondi, Jutta Maria Böhnert, Atala Schöck; Altsolo: Simone Schröder

Webredaktion:
Jörg van der Horst, Patrick Hilss