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Foto: Aino Laberenz
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Fickcollection, A. Hipler: Bilderstürmer


Die vietnamesische Kunststudentin Lulai Miluleng hat sich an beiden Kampnagel-Abenden der "Fickcollection" ganz auf ihr großes Vor-
bild, den Künstler Jonathan Meese, konzentriert und ein "Täterprofil" erstellt über einen der hoffnungsvollsten Kulturverbieger und -verbrecher, der der Bühne das Leben schenkt, auch wenn die Kunst dafür büßen muß.


Sie hat es verdient...

Lesen Sie den 1:1-Bericht über "Fickcollection" Hamburg, Hagen von Tronje, den Jesus Christus der Kunst und eine Performance, die sich inmitten von Performances blitzartig entlud. Ein persönliches Walhalla.

Im Zardoz-Film kommt Gott im Jahr 2293 auf die Erde nieder und erteilt den Menschen den Schießbefehl: "Die Waffe ist gut. Der Penis ist schlecht." Daß Gott ihnen als riesenhafte steinerne Maske mit dem Antlitz Karl Marx´ erscheint, verwundert nicht weiter. Die Menschen der Zukunft haben sich längst aller Referenzsysteme erledigt.


Fickcollection Tag 5 auf dem Hamburger Kampnagel (Foto: Aino Laberenz)


Nicht so Jonathan Meese. Der Künstler läßt die Referenten seiner kulturellen Sozialisation immer wieder gegeneinander antreten. Am Donnerstag/Freitag hatte seine neue Performance "Mutter Parzival" eine Art Cameo-Auftritt in der "Fickcollection" von Kurator Christoph Schlingensief. Nur ein Bild im Bild - und doch viel mehr… Zwei- bis dreihundert Mal will Meese John Boormans Sci-Fi-Sozio-Trash gesehen haben. Nicht nur gesehen, sondern einverleibt, verdaut und wieder ausgeschieden. Der fliegende Steinkopf Zardoz ist im Bühnenbild der "Fickcollection" eingeschlagen wie ein Meteorit, ist Holzkreuz, ist Farbpinsel, ist Backofen und Putenkeule, die die Züge Richard Wagners trägt. Wagner ist einer der wichtigeren Säulenheiligen in Meeses persönlicher Walhalla.

Seit der Absolvent der Hamburger Kunsthochschule Ende der Neunziger mit einer legendären Rauminstallation in der Galerie Contemporary Fine Arts aufschlug, entwickelt er immer wieder neue Einblicke in seinen Kosmos. Das Personal, die Symbole und Schauplätze bleiben konstant. Echnaton, Kinski, Stalin. Caligula und Grassmann. Dzingirai, Hagen von Tronje und die eigene Mutter. Von Hagens und eisernes Kreuz, Flick und Schwert. Zwischen all den erstürmten und zerstörten Bildern der "Fickcollection" begibt er sich auf die Suche nach dem Gral. Nebenan in der Kampnagelhalle interpretieren senegalesische Tänzer formvollendet Schwanensee, in der eigenen Halle fahndet Meese zwischen Schlingensief und Elfenforschern nach der sehenden Pute, Orakel von Delphi, und begibt sich zwischen Ausstellungskatalogen und Videofilmen auf Wagners Reise in die totale Kunst, die seelische Läuterung. Alle anderen faucht und säuft er unter die Tische. Es gibt kein Halten auf dem Weg in die Erlösung.


Fickcollection Tag 5 auf dem Hamburger Kampnagel (Foto: Aino Laberenz)


Auf der Bühne agiert Meese nicht allein, doch ist er Lichtjahre von allen anderen entfernt. Er schlüpft in viele Rollen, in der ihm eigenen, pathetisch aufgeladenen Sprache. Er ist Parzival, Richard Wahnkind, der Exorzist, Ehrenbürger von Hagen… Die Performance beginnt verhalten. Meese liebkost eine mehrfach erigierte Bronzestatue. Er fuchtelt mit dem Kreuz, präsentiert Aktionskunst und kleckst mit schwarzer Farbe "Hagen Sagen Beatles" auf ein weißes Spannbettlaken. Er grüßt militärisch und nach Art der Nazis. Seine notorische adidas-Trainingsjacke hat er gegen einen Armeemantel getauscht. Er führt ihn zugleich an den Rand eines vitalen Grufties, der die Lebenden verachtet und den Tod nicht fürchtet. Keine künstliche Beatmung, alles für die Kunst, der noch die Schlammspuren vergangener Schlachten anhaften. Das wallende Haar bedeckt er mal mit dem mittelalterlichen Kübelhelm der Turnierritter, mal mit einem Bauarbeiterhelm, der ihn als Kunst-Gott etikettiert. Ein seinem Thron zur Seite gestelltes Skelett erweckt die Aufmerksamkeit Horst von Hagens. Meese umarmt das Skelett erst, um ihm kurz darauf die Knochen zu verdrehen. Von Hagens schreit auf, Meese stiehlt im das Metier, so wie neue Kunst sich immer an der alten bedient. Als Gurnemanz, von Schlingensief eingespielt, die Zeilen "Ohnmächtig, in sich selbst die Sünde zu ertöten, an sich legt er die Frevlerhand" singt, kommt langsam Fahrt in die Aufführung Meeses. Sie springt auf die anderen Kunstkünstler und Lebenskünstler auf der Bühne, in den Ledersesseln über. Befeuert vom Rotweingenuß entledigt er sich der guten Umgangsformen, schmeißt Flaschen, bespuckt die Gralspute, tritt gegen die Backofentüre und simuliert mit seiner eunuchengleichen Stimme einen weiblichen Orgasmus. Er beginnt einen Vortrag über den "Fluch der Kunst", der in ein Wort-, besser Schreigefecht mit der Meese-Verachterin Kerstin Grassmann ausufert, während Horst von Hagens ein im Kaukasus entnommenes Hirn unter seinen Beuys-Hut schiebt und Museumsgutscheine verteilt.


Fickcollection Tag 5 auf dem Hamburger Kampnagel (Foto: Aino Laberenz)


Das Publikum war offenbar gut vorbereitet und ließ sich von der folgenden Tirade mehr einseifen als provozieren. Provokation hatte Kurator Schlingensief schon im Vorfeld der "Fickcollection" ausgeschlossen. Wahrscheinlich haben sich alle darauf verlassen, daß die Performance eine hermetische Inszenierung ist und keine Interaktion mit den Zuschauern anstrebt, doch sie brach alle Dämme.

Meese wendet sich an das gut besuchte Auditorium und fordert mehr Demut und Liebe. Auch gegenüber Richard Wagner, der mit seiner Musik keinesfalls quälen wolle, auch gegenüber Hagen, mit dem er eine in künstlerischen Maßstäben homoerotische Beziehung pflegt. "Laßt die Musik von Wagner sich selbst lieben." Meese redet sich zunehmend in Rage. Schreit, gestikuliert, grimassiert. Wieder fährt er Grassmann ins Wort, die noch als einzige dagegenhält. Elfenforscherin und Co-Repetitor, ja sogar Schlingensief zieht sich zurück. Mit Schaum vorm Mund, hinter gelben Brillengläsern und dem talibanen Bart performt Meese sich in Trance, jedenfalls wirkt der Veitstanz zunehmend authentischer. Sein Auftritt oszilliert zwischen Wahn und Weisung. Der Radikalität seiner Heroen stellt er die Passivität des Publikums gegenüber. Mit dessen "Befindlichkeitsterrorismus" mag Meese nichts zu tun haben. Seine Forderung "Wir müssen aufrüsten und selber an die Kunstfront, denn da stirbt gerade das Leben" stimmt nachdenklich. Nach Ende der Fickcollection (Bild) und Meeses Performance (Bild im Bild) saß man selbst ) - ausgestattet mit Sitzkissen und Wolldecke - mit der "Fratze der Harmlosigkeit" im Zuschauerraum.

Da gab Meese draußen schon ein Interview.


Fickcollection Tag 5 auf dem Hamburger Kampnagel (Foto: Aino Laberenz)



Bildeindrücke der Fickcollection; Hamburg, 17.03.2005




Weiterführende Artikel zur Fickcollection, A. Hipler

- "Pute als Lebenskunst" - Bericht vom Auftakt in der Schorndorfer Manufaktur
- "Colonia Dignidad" - Ein heißer Fickcollection-Abend im Schauspielhaus Köln
- "Verwandlungsszenen" - Die Fickcollection in der Münchner Muffathalle
- "Koordinaten" - Vierter Tagesbericht - zu Gast im Schauspielfrankfurt
- "Bilderstürmer" - Bericht zum fünften Abend der Fickcollection in Hamburg
- "Putenrollbraten aus dem Römertopf" - Schlingensiefs Originalrezept
- Tag 1 Bilderstrecke - Eindrücke des Auftakts in der Schorndorfer Manufaktur
- Tag 2 Bilderstrecke - Der Fickcollection Abends im Kölner Schauspielhaus
- Tag 3 Bilderstrecke - Schlingensief intim zu Gast in der Münchner Muffathalle
- Tag 4 Bilderstrecke - Bildeindrücke des Schlingensief intim Abends in Frankfurt
- Tag 5 Bilderstrecke - Fotos der Fickcollection auf Kampnagel in Hamburg
- Tag 6 Bilderstrecke - Eindrücke des zweiten Hamburger Fickcollection Abends
- Fickcollection Übersicht - Übersicht aller Fickcollection Berichte und Fotos



Fickcollection, A. Hipler - Pressespiegel

- "Sperrt ihn weg, bevor etwas passiert!" - von Cornelia Sollfrank, 22.03.05
- "Darunter steckt immer ein kluger Kopf" - Kritik aus der WELT, 19.03.05
- "Nicht die Nerven verlieren!" - Kritik aus d. Hamburger Morgenpost, 19.03.05
- "42" - Frankfurter Rundschau vom 18.03.05, von Sylvia Staude
- "Auf Plateausohlen" - Kritik aus der Wormser Zeitung, 18.3.05
- "Wenn das Chaos keine Theorie bleibt" - Kritik aus der FAZ vom 17.03.05
- "Von Wolfgang Wagner bis Pute" - Pforzheimer Zeitung vom 17.03.05
- "Augentropfen für den Märtyrer" - Kölner Stadtanzeiger vom 16.03.05
- "Parsifal mit Pute" - Kritik aus SPIEGEL ONLINE vom 16.03.05
- "Die Kunst, das sind wir" - Eine Kritik aus der FAZ vom 18.03.2005
- "Schlingensief live & intim" - Kritik aus Intro.de vom 15.03.2005
- "Kraut, Rüben und Schönberg" - Kritik, Stuttgarter Nachrichten, 15.03.05
- "Schräger Vogel an Tabascosauce" - Kritik, Stuttgarter Zeitung, 15.03.2005
- "Von Wagner bis Pute" - Kritik aus der Wiesbadener Zeitung, 15.03.2005

Weitere Artikel

- Tagesbericht 1
   Pute als Lebenskunst


- Tagesbericht 2
   Colonia Dignidad


- Tagesbericht 3
   Verwandlungsszenen


- Tagesbericht 4
   Koordinaten


- Tagesbericht 5/6
   Bilderstürmer


- Stabliste

- FAZ-Kritik, 18.03.

- Fickcollection Index

- Pute im Römertopf -
   von C. Schlingensief


   Pute im Römertopf


Bilderstrecken

- Bilderstrecke 1
   Schorndorf, 13.03.


- Bilderstrecke 2
   Köln, 14.03.


- Bilderstrecke 3
   München, 15.03.


- Bilderstrecke 4
   Frankfurt, 16.03.


- Bilderstrecke 5
   Hamburg, 17.03.


- Bilderstrecke 6
   Hamburg, 18.03.






Tourtermine

13.03.2005
Schorndorf / Manufaktur

14.03.2005
Köln / Schauspiel

15.03.2005
München / Muffathalle

16.03.2005
Frankfurt / Schauspiel

17.03.2005
Hamburg / Kampnagel

18.03.2005
Hamburg / Kampnagel