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Christoph Schlingensief startet in Schorndorf eine kleine Performancetournee durch Deutschland

Stuttgarter Nachrichten, 15.3.05. Von Jan Ulrich Welke.


Genau so stellt man sich den Beginn eines Abends mit Christoph Schlingensief vor. Er zersägt in aller Seelenruhe eine Pute in zwei Hälften, es erklingt Arnold Schönbergs "Verklärte Nacht", und Schlingensief erzählt dazu feixend: "Nicht dass jemand denkt, das wäre jetzt wieder so eine Aktion von mir." Und damit hallo und herzlich willkommen in der seltsamen Welt des seltsamen Performancekünstlers, Filmemachers, Theaterdramaturgen, Stückeschreibers und neuerdings Opernregisseurs Christoph Schlingensief, der am Sonntagabend in der Schorndorfer Manufaktur zum Auftakt einer neuen Vortragsreise antrat, die sich auf schick und Trick und Moby Dick reimt und zuvörderst an Mick Flick erinnern soll, dessen Kollektion für Schlingensiefs Zwecke nur der kleine Buchstabe "l" gestohlen wurde.

So also der Titel, der aber keinesfalls Programm ist. Denn sich in seiner Generalabrechnung mit den Verhältnissen in Deutschland und der Welt, zu der dieser Abend unter anderem auch werden wird, nur auf einen einzigen Aspekt zu beschränken ist die Sache des Schaustellers und Sichselbstzurschaustellers Schlingensief nicht. Optische, sprachliche und gedankliche Opulenz heißen die Zutaten seiner jederzeit unterhaltsamen Performance, bei der man sich zwar oftmals fragen darf, warum Schlingensief eigentlich das tut, was er gerade tut - die aber gerade daraus ihren Reiz bezieht. Zunächst einmal geht es etwa der Pute an den Kragen. Schlingensief postiert das zersägte Federvieh in einem Römertopf, gießt ordentlich Whisky und Tabasco rüber, schnippelt Gemüse rein und verfrachtet alles in einen am Bühnenrand postierten Ofen. Dabei brabbelt er über dies und das, springt frei assoziierend von einem Punkt zum anderen, nicht nur gedanklich, sondern in nicht zu bremsender Vitalität auch über die Bühne.

Diese ist in gediegener Wohnzimmeratmosphäre gestaltet und erinnert mit ihrem im Halbkreis postierten Sitzmobiliar an Johannes B. Kerners abendliches Plauderründchen. Die Fauteuils füllen sich im Verlauf des Abends mit diversen Gästen. Zunächst mit einem seiner Spezis aus Bayreuth, Ramiro Sossignoli, der später - warum auch immer - noch "Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt" zum Besten geben wird. Dann mit einer sehr esoterischen Dame namens Christiane Ignasdottir, die Schlingensief jüngst bei einem Trip nach Island aufgelesen hat. Später mit einer französischen Diseuse, die zu gar nichts da ist, sowie einem gewissen Hosea Che aus Simbabwe, der groteske Verschwörungstheorien verbreitet. Und schließlich mit einer Bewohnerin der Colonía Dignidad, die auf Schlingensiefs Frage: "Du kommst aus Chile, wie verhält es sich mit Egon Schiele?" in breitestem Berlinerisch antworten darf.

Das klingt alles mal wieder sehr dadaistisch, und das ist es streckenweise natürlich auch. Zudem nährt Christoph Schlingensief phasenweise die ihm häufig zugedachten Vorurteile bezüglich seiner Geisteskraft, etwa wenn er Jörg Immendorff und dessen chinesische Fötentherapie mit "Ich finde das gut, vielleicht sollte sich jeder was in den Kopf operieren lassen" kommentiert.

Doch Schlingensief findet auch viele ernsthafte Worte: über die Flick-Kollektion, das deutsche Theater und vor allem natürlich das wagnersche Bayreuth. Immer wieder zitiert er Briefe von und an die Wagners, frei erfunden selbstredend, wie Schlingensief treuherzig versichert. In ihnen erzählt er herrlich gestelzt die dramatischen Irrungen und Wirrungen rund um seine "Parsifal"-Inszenierung vom vergangenen Jahr nach. Einen bitterbösen, fabelhaften Reiz entfacht Schlingensief mit diesem Kunstgriff, mit dem er die ganze Pein verarbeitet, die ihm das Bayreuth-Abenteuer offenbar zugefügt hat. "Gudrun und Wolfgang Wagner", zitiert Schlingensief abschließend Jürgen Flimm, "sind wie Siegfried und Roy - mit dem Unterschied, dass sie keinen Sex mehr haben." Und da muss nicht nur er lachen.

"Oh, ich glaube, wir müssen mal nach der Pute gucken", sagt Schlingensief sodann, der Wein nachgießt und hernach noch viel Zeit für allerlei weitere Gedankensprünge findet, für ein schlingensiefsches Kaleidoskop aus Tiefgründigkeit, Klamauk und - wie man"s von ihm gewohnt ist - Kakofonie. Denn natürlich werden wieder allerlei Videos eingespielt, und natürlich bricht sich bisweilen immer wieder infernalischer Lärm Bahn. Was allerdings nicht den Eindruck schmälert, dass sich hier ein Christoph Schlingensief in bester Form präsentiert. Der würde mit seiner Situationskomik mühelos jeden Klamaukbruder auf Deutschlands Kabarettbühnen nass machen und führt eine aberwitzig bunte Welt vor, in der sich genialische Momente mit Dilettantismus komischerweise so verblüffend paaren, dass häufig Erhellendes herauskommt.

Nach zweieinhalb kurzweiligen Stunden ist nicht nur Schlingensief, sondern auch die Pute fertig. "Wir kommen jetzt zur Enthüllung des Grals", sagt Schlingensief, öffnet zu "Parsifal"-Klängen den Römertopf, zerlegt das Tier so, wie er zuvor die Weltläufte sezierte, wirft es dem Publikum zum Fraße vor und rauscht ab. Neue Bilderwelten suchen.

Weitere Auftritte von Schlingensief sind für München (heute), Frankfurt am Main (16.) und Hamburg (17./18. März) angekündigt.



Weiterführende Artikel zur Fickcollection, A. Hipler

- "Pute als Lebenskunst" - Bericht vom Auftakt in der Schorndorfer Manufaktur
- "Colonia Dignidad" - Ein heißer Fickcollection-Abend im Schauspielhaus Köln
- "Verwandlungsszenen" - Die Fickcollection in der Münchner Muffathalle
- "Koordinaten" - Vierter Tagesbericht - zu Gast im Schauspielfrankfurt
- "Bilderstürmer" - Bericht zum fünften Abend der Fickcollection in Hamburg
- "Putenrollbraten aus dem Römertopf" - Schlingensiefs Originalrezept
- Tag 1 Bilderstrecke - Eindrücke des Auftakts in der Schorndorfer Manufaktur
- Tag 2 Bilderstrecke - Der Fickcollection Abends im Kölner Schauspielhaus
- Tag 3 Bilderstrecke - Schlingensief intim zu Gast in der Münchner Muffathalle
- Tag 4 Bilderstrecke - Bildeindrücke des Schlingensief intim Abends in Frankfurt
- Tag 5 Bilderstrecke - Fotos der Fickcollection auf Kampnagel in Hamburg
- Tag 6 Bilderstrecke - Eindrücke des zweiten Hamburger Fickcollection Abends
- Fickcollection Übersicht - Übersicht aller Fickcollection Berichte und Fotos



Fickcollection, A. Hipler - Pressespiegel

- "Sperrt ihn weg, bevor etwas passiert!" - von Cornelia Sollfrank, 22.03.05
- "Darunter steckt immer ein kluger Kopf" - Kritik aus der WELT, 19.03.05
- "Nicht die Nerven verlieren!" - Kritik aus d. Hamburger Morgenpost, 19.03.05
- "42" - Frankfurter Rundschau vom 18.03.05, von Sylvia Staude
- "Auf Plateausohlen" - Kritik aus der Wormser Zeitung, 18.3.05
- "Wenn das Chaos keine Theorie bleibt" - Kritik aus der FAZ vom 17.03.05
- "Von Wolfgang Wagner bis Pute" - Pforzheimer Zeitung vom 17.03.05
- "Augentropfen für den Märtyrer" - Kölner Stadtanzeiger vom 16.03.05
- "Parsifal mit Pute" - Kritik aus SPIEGEL ONLINE vom 16.03.05
- "Die Kunst, das sind wir" - Eine Kritik aus der FAZ vom 18.03.2005
- "Schlingensief live & intim" - Kritik aus Intro.de vom 15.03.2005
- "Kraut, Rüben und Schönberg" - Kritik, Stuttgarter Nachrichten, 15.03.05
- "Schräger Vogel an Tabascosauce" - Kritik, Stuttgarter Zeitung, 15.03.2005
- "Von Wagner bis Pute" - Kritik aus der Wiesbadener Zeitung, 15.03.2005

Weitere Artikel

- Tagesbericht 1
   Pute als Lebenskunst


- Tagesbericht 2
   Colonia Dignidad


- Tagesbericht 3
   Verwandlungsszenen


- Tagesbericht 4
   Koordinaten


- Tagesbericht 5/6
   Bilderstürmer


- Stabliste

- FAZ-Kritik, 18.03.

- Fickcollection Index

- Pute im Römertopf -
   von C. Schlingensief


   Pute im Römertopf


Bilderstrecken

- Bilderstrecke 1
   Schorndorf, 13.03.


- Bilderstrecke 2
   Köln, 14.03.


- Bilderstrecke 3
   München, 15.03.


- Bilderstrecke 4
   Frankfurt, 16.03.


- Bilderstrecke 5
   Hamburg, 17.03.


- Bilderstrecke 6
   Hamburg, 18.03.






Tourtermine

13.03.2005
Schorndorf / Manufaktur

14.03.2005
Köln / Schauspiel

15.03.2005
München / Muffathalle

16.03.2005
Frankfurt / Schauspiel

17.03.2005
Hamburg / Kampnagel

18.03.2005
Hamburg / Kampnagel