Fatal error: Uncaught Error: Call to undefined function eregi() in /var/www/web97/html/schlingensief/includes/footer_content.html:75 Stack trace: #0 /var/www/web97/html/schlingensief/arbeiten/t051/tag2.php(313): include() #1 /var/www/web97/html/schlingensief/projekt.php(13): include('/var/www/web97/...') #2 {main} thrown in /var/www/web97/html/schlingensief/includes/footer_content.html on line 75


English Deutsch Argentina
Brasil Chinese Latvijas
Foto: Aino Laberenz
Operndorf Afrika (Remdoogo)
Oper
Installation
Theater
Film
Aktion
Hörspiel
Fernsehen
Kolumnen
Atta-Kunst
Fickcollection, A. Hipler: Colonia Dignidad


Mit der Präsentation im Schauspielhaus Köln hat die "Fickcollection" am Montagabend ihre Reifeprüfung bestanden. Kurator Christoph Schlingensief und seine Diskutanten boten eine prallgefüllte Wundertüte voller Kunst und Hochkultur und reduzierten die auf den ersten Blick hin nicht greifbaren Querverstrebungen zwischen neudeutscher Aktionskunst, Totenkopftherapie, Tabasco und Wohnmobilen mit poröser Ölwanne auf ein faßbares Maß.


Prallgefüllt auch das erstmals seit Kriegsende ausverkaufte Schauspielhaus, so daß Intendant Marc Günther den Ausstellungsbeginn um eine halbe Stunde verschieben und die abgemagerten Freigänger der Colonia Dignidad von der Bühne aus auf ihre Plätze delegieren mußte. Zugunsten zusätzlicher Sitzreihen versank die Vorderbühne im Orchestergraben, ganz so wie Wagner es orakelt hatte. Ein unbestreitbarer Teilsieg der "Fickcollection", an diesem Abend exklusiv mit dem (Lebens-)Künstler Jonathan Meese.


Jonathan Meese zu Gast am zweiten Abend der Fickcollection (Foto: A.L.)


Mit Ende der staatsmännischen Selbstinszenierung Günthers betrat Schlingensief die Bühne, in unregelmäßigen Intervallen gefolgt von seinen Gästen. Sie alle ließen sich vom komprimierten Raumangebot nicht schrecken, "denn auch die Kunst muß Einbußen hinnehmen", referierte Schlingensief einleitend, "um sich schließlich frei entfalten zu können". Weit über Adornos These einer progressiven Ästhetik hinaus, begnügten sich alle Beteiligten nicht mit einer bloßen Wiederholung der Schorndorfer Premiere, sondern knüpften nahtlos an die am Vorabend geäußerten Thesen und Antithesen an. Die Synthese aller kulturellen Dissonanzen schob Schlingensief nach kurzer Vorbereitung in Putenform in einen am Bühnenrand plazierten Backofen, der ansonsten in der menschenleeren und lebensfernen Kölner Neuinszenierung von "Biedermann und die Brandstifter" als kaltgestelltes Requisit zum Einsatz kommt, wenn George Bush (Biedermann) Bin Laden, Saddam und Sabine Christiansen (Brandtstifter) kurzerhand von hinten vernascht.


Maria Baton, langjährige Mitarbeiterin von Catherine David; Performance: Amore, Performa - Picabia - leere Stadt (Foto: Aino Laberenz)


Es ist die Wut über genau diese ungenutzten Energiereserven der Kunst, die Jonathan Meese unaufhörlich antreiben. Meese berichtete von aktuellen Tagträumen über Wagnerheld Hagen von Tronje und ging fließend über (mit schwarzer Farbe) zu seiner jüngst konzipierten Aktion "Mutter Parsifal". Maria Baton, ehemals persönliche Assistentin der documenta-Ikone Catherine David, demonstrierte an einer auf den Rücken von Co-Repetitor Reami Rosignoli gespannten Cellosaite, wie der Mensch selbst zum Instrument der Kunsterzeugung mutieren kann, wenn er nur will. Bewußtmachung ungeahnter Kräfte, das war dann auch das beherrschende Thema der ersten Stunde, die Meese mit einem ad hoc in den Saal gefauchten Fluch beendete: "Betet nicht Richtung Mekka, betet Richtung Hagen! Sonst wird er Euch alle töten!"


Aktion: "Mutter Parsifal", Adolf Wagner - Bewegung Beatles. (Foto: A.L.)


Die beschwingte Atmosphäre wurde anschließend von Kerstin Grassmann, jahrelang Opfer des Colonia-Gründers Paul Schäfer, endgültig gebrochen. Grassmann, nicht aus ästhetischen, sondern aus Sicherheitsgründen mit großflächiger Sonnenbrille ausgestattet, hatte erst die enorme Resonanz ihres Schorndorfer Referats über "Nekrophile Kunst auf Basis eigener Todesahnung" zu dem Entschluß geführt, auch in Köln wieder die Öffentlichkeit zu suchen. Das hohe Risiko, daß sie dabei einging, wurde vom Publikum mit lautstarkem Applaus gewürdigt - und trat doch Stunden nach der Vorstellung wieder ganz real in ihr Leben. Eine nächtliche SMS von Paul Schäfer ließ sie unmißverständlich wissen: "noch so ein auftritt und dein leben ist keinen pesos mehr wert! gruß aus der hölle. paul"

Gleichsam feindselig machte ein Redakteur des "Kölner Stadtanzeigers" nach Ausstellungsende Stimmung gegen die von Schlingensief und Gästen auf Normalmaß zurechtgestutzte Deutschlandkultur. Im Foyer attackierte er Pute essende Besucher als "Zeitgeistapostel" und "Konterrevolutionäre", die der Bannstrahl des erwachten Kulturdeutschlands in absehbarer Zeit erwischen werde. Er beruhigte sich erst wieder, als Intendant Günther ihm vor Fotografen zwei Freikarten für den "Biedermann" überreichte. Ihr beider Lächeln wirkte nicht gestellt!


Ausverkauftes Haus auch am zweiten Abend in Köln (Foto: Aino Laberenz)


Morgen macht die "Fickcollection" Station in München. Kerstin Grassmann auch. In der Muffathalle wird sie über "Die Kunst zu Überleben - Überlebensstrategien" referieren. In der dezenten Seidenbluse, die sie selbst in Hausarbeit herstellt, steckt dann bereits der Duft von zwei knusprig gebratenen Römertopfputen.


Bildeindrücke der Fickcollection; Köln, 14.03.2005




Weiterführende Artikel zur Fickcollection, A. Hipler

- "Pute als Lebenskunst" - Bericht vom Auftakt in der Schorndorfer Manufaktur
- "Colonia Dignidad" - Ein heißer Fickcollection-Abend im Schauspielhaus Köln
- "Verwandlungsszenen" - Die Fickcollection in der Münchner Muffathalle
- "Koordinaten" - Vierter Tagesbericht - zu Gast im Schauspielfrankfurt
- "Bilderstürmer" - Bericht zum fünften Abend der Fickcollection in Hamburg
- "Putenrollbraten aus dem Römertopf" - Schlingensiefs Originalrezept
- Tag 1 Bilderstrecke - Eindrücke des Auftakts in der Schorndorfer Manufaktur
- Tag 2 Bilderstrecke - Der Fickcollection Abends im Kölner Schauspielhaus
- Tag 3 Bilderstrecke - Schlingensief intim zu Gast in der Münchner Muffathalle
- Tag 4 Bilderstrecke - Bildeindrücke des Schlingensief intim Abends in Frankfurt
- Tag 5 Bilderstrecke - Fotos der Fickcollection auf Kampnagel in Hamburg
- Tag 6 Bilderstrecke - Eindrücke des zweiten Hamburger Fickcollection Abends
- Fickcollection Übersicht - Übersicht aller Fickcollection Berichte und Fotos



Fickcollection, A. Hipler - Pressespiegel

- "Sperrt ihn weg, bevor etwas passiert!" - von Cornelia Sollfrank, 22.03.05
- "Darunter steckt immer ein kluger Kopf" - Kritik aus der WELT, 19.03.05
- "Nicht die Nerven verlieren!" - Kritik aus d. Hamburger Morgenpost, 19.03.05
- "42" - Frankfurter Rundschau vom 18.03.05, von Sylvia Staude
- "Auf Plateausohlen" - Kritik aus der Wormser Zeitung, 18.3.05
- "Wenn das Chaos keine Theorie bleibt" - Kritik aus der FAZ vom 17.03.05
- "Von Wolfgang Wagner bis Pute" - Pforzheimer Zeitung vom 17.03.05
- "Augentropfen für den Märtyrer" - Kölner Stadtanzeiger vom 16.03.05
- "Parsifal mit Pute" - Kritik aus SPIEGEL ONLINE vom 16.03.05
- "Die Kunst, das sind wir" - Eine Kritik aus der FAZ vom 18.03.2005
- "Schlingensief live & intim" - Kritik aus Intro.de vom 15.03.2005
- "Kraut, Rüben und Schönberg" - Kritik, Stuttgarter Nachrichten, 15.03.05
- "Schräger Vogel an Tabascosauce" - Kritik, Stuttgarter Zeitung, 15.03.2005
- "Von Wagner bis Pute" - Kritik aus der Wiesbadener Zeitung, 15.03.2005

Weitere Artikel

- Tagesbericht 1
   Pute als Lebenskunst


- Tagesbericht 2
   Colonia Dignidad


- Tagesbericht 3
   Verwandlungsszenen


- Tagesbericht 4
   Koordinaten


- Tagesbericht 5/6
   Bilderstürmer


- Stabliste

- FAZ-Kritik, 18.03.

- Fickcollection Index

- Pute im Römertopf -
   von C. Schlingensief


   Pute im Römertopf


Bilderstrecken

- Bilderstrecke 1
   Schorndorf, 13.03.


- Bilderstrecke 2
   Köln, 14.03.


- Bilderstrecke 3
   München, 15.03.


- Bilderstrecke 4
   Frankfurt, 16.03.


- Bilderstrecke 5
   Hamburg, 17.03.


- Bilderstrecke 6
   Hamburg, 18.03.






Tourtermine

13.03.2005
Schorndorf / Manufaktur

14.03.2005
Köln / Schauspiel

15.03.2005
München / Muffathalle

16.03.2005
Frankfurt / Schauspiel

17.03.2005
Hamburg / Kampnagel

18.03.2005
Hamburg / Kampnagel