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Atta-Kunst
"Ich bin gar nicht krank, ich kann mich nur nicht bewegen" - Exklusiv-Interview mit Angela Jansen

Am Vortag der Premiere von „Kunst & Gemüse“ an der Berliner Volksbühne findet Angela Jansen (Buch und Spielleitung) Zeit für ein kurzes Gespräch via EyeGaze über Kunst, Krankheit und warum beides eng miteinander verbunden ist.


Frau Jansen, wann sind Sie an ALS erkrankt?

Angela Jansen: 1994, nach einer Bronchitis. Es beginnt mit einem Kribbeln in den Gliedern und schleicht sich dann voran.

Eine heimtückische Krankheit. Aber auch wenn Sie aufgrund Ihrer Erkrankung beinahe vollständig gelähmt sind, scheinen Sie alle Fäden in der Hand zu halten. Wie schwierig ist es für Sie, sich verständlich zu machen.

Angela Jansen: Nicht schwieriger, als Ihnen gegenüber. Es beginnt in der Regel damit, daß ich etwas Grundlegendes klarstellen muß: Ich bin gar nicht krank, ich kann mich nur nicht bewegen. Ich weiß von vielen, bei denen es genau umgekehrt ist. Von denen und ihrer Kolonisierung in der Kultur handelt dieses Stück.

Sie haben das Buch zu "Kunst & Gemüse" geschrieben und leiten das Arrangement von Ihrem Bett aus. War die Zusammenarbeit mit Ihrem langjährigen Freund Hosea Dzingirai problematisch?

Angela Jansen: Gar nicht, man hat eine gemeinsame Sprache gefunden, auch über das Englische hinaus. Hosea leitet die Bühne, manche Dinge bedürfen der Korrektur auch noch während der Aufführung...


Die ALS-Patientin und Initiatorin von "Kunst & Gemüse, A. Hipler" - Angela Jansen - bei der gestrigen Endprobe an der Volksbühne (Foto: Schnepf)


Und Sie selbst haben Ihren Platz im Zuschauerraum.

Angela Jansen: Richtig, ich mische mich unter das Volk. Sie werden mich anschauen und denken: "Mein Gott, wie furchtbar. Diese Frau kann sich nicht bewegen." Aber ich weiß es besser und werde es den Zuschauern mitteilen.

Wie groß ist der Einfluß, den Produzent Christoph Schlingensief auf die Probenarbeit genommen hat?

Angela Jansen: Nach Schlingensiefs Bayreuth-Erfahrungen gab es schon die Befürchtung, daß er jetzt seinerseits den Wolfgang Wagner gibt. Aber diese Sorgen hat er selbst schnell zerstreut. Es gab laute Momente zwischen Hosea und Schlingensief, wenn ihm das Budget zu kollabieren zu drohte.

Wegen der Opernszenen?

Angela Jansen: Nein, nein… Produzenten haben immer Angst. Aber Schlingensief hat das sehr gut gemacht.

Gibt es weitere Pläne für eine Zusammenarbeit des Dreigestirns Dzingirai – Jansen – Schlingensief?

Angela Jansen: Darüber spricht man nicht, bevor hier der letzte Vorhang gefallen ist.

Wie tiefgründig ist Ihre Beziehung zu Schönberg?

Angela Jansen: Meine Vorliebe für Schönberg beruht auf seiner Atonalität. In meiner Position werde ich ja ebenfalls als atonales Wesen wahrgenommen. Da gibt es eine Seelenverwandtschaft über Kunst, Krankheit und Gemüse hinaus. Musik ist als Therapieform für die ALS noch nicht anerkannt. Aber ALS ist keine Zauberei, Sie können es am Abend selbst erleben.

Können Sie ALS in wenigen Worten umschreiben?

Angela Jansen: ALS ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das erste und das zweite Motoneuron erkrankt sind. Es kommt zu einem wortwörtlichen „Untergang“ motorischer Nervenzellen. Den spielt Ihnen kein Bruno Ganz, dafür müssen Menschen auf die Bühne, die sich mit Leben und Krankheit auskennen. Einstudiert mit der Hand zu wackeln, in der Garderobe Austern zu fressen und dann den Bambi abzuholen, das alles reicht für die Ansprüche von "Kunst und Gemüse" nicht aus.

Wo kann man sich genauer informieren?

Angela Jansen: In Zusammenarbeit mit der ALS-Forschungsstation der Berliner Charité unter Leitung von Dr. Thomas Meyer, wird rechtzeitig zum Premierentag eine eigene Internetseite gestartet, die zeigen wird, wie sehr die Krankheit im Leben steht und wie krank das Theater seinerseits ist. Einsicht ist auch hier der erste Weg zur Besserung.

Wie lautet die Web-Adresse?

Angela Jansen: www.schlingensief-als.de. Des weiteren verdient die Seite der Charité, www.als-charite.de, Ihre Aufmerksamkeit, weil Sie für jeden verständlich über Grundlagen, Symptome und Verlauf der ALS informiert.

Wird Jörg Immendorff, der auch an ALS leidet, zur Premiere kommen?

Angela Jansen: Tonal ist er ja bereits da.

Sie grüßen ihn im Stück.

Angela Jansen: Richtig. Ich würde mich freuen, wenn er die Zeit fände, ob zur Premiere oder an einem anderen Abend. Wir treffen uns nächste Woche in Düsseldorf, ich kann ihm also auf jeden Fall aus erster Hand von der Premiere berichten. Sehen Sie, dafür ist meine Hand eben auch noch gut!



Artikel- und Materialübersicht zu Kunst & Gemüse, A. Hipler

- "Deutsches Theater in Pariser Vorstädten" - Deutschlandradio vom 6.2.2006
- "Une pièce génialement bordélique de Schlingensief" - Libération, Paris
- "Découvrir Schlingensief" - Nouvelle Observateur, Paris
- "Ich ALS Ich" - Gespräch der "theatertreffen"-Zeitung mit Angela Jansen
- Unpolitisches Regietheater... - Der Donaukurier vom 21.05.2005
- Die Würde der Bewegungslosigkeit - Der Standard vom 27.12.2004
- "Mir geht es gut. Ich kann mich nur nicht bewegen." - Angela Jansen in BILD
- Im Auge des Theatersturms - Ein Augenzeugenbericht von Angela Jansen
- Kunst & Gemüse Bilderstrecke - Exklusive Eindrücke von Proben und Premiere
- "Der Feind im eigenen Körper" - ALS-Beitrag von Gerald Traufetter (SPIEGEL)
- "Ich bin noch lange nicht da, wo es nicht weiter geht" - STERN-Beitrag zur ALS
- "Darstellung ohne Schaustellung" - Begleitwort von Dr. Thomas Meyer, Charité
- "Kunst & Gemüse" Pressespiegel - Das schreibt die Presse zur Premiere
- Angela Jansen über "Kunst & Gemüse" - Exklusiv-Interview m. Angela Jansen
- "Ich bin nicht krank, ich kann mich nur nicht bewegen" - Biografie A. Jansen
- "Theater ALS Krankheit" - 6. Tagesbericht: die Krankheit des Theaters selbst
- "Mein lieber A.," - Ein Brief von Regisseur Hosea Dzingirai an A. Hipler
- Schlingensief und Jörg Immendorff gegen tödliche Nervenkrankheit ALS
- "Wir müssen den WIR-Begriff erweitern!" - Fünfter Probenbericht vom 12.11.
- "Alles Theater rund um die Wirklichkeit" - Vierter Probenbericht vom 11.11.
- "Theater hinterläßt – nichts" - Jean-Luc Godard über "Kunst und Gemüse"
- "Nachschublinien" - Dritter Tagesbericht v.d. Endproben zu "Kunst & Gemüse"
- "Reproduktion des Unproduzierten" - Martin Kippenberger im Gespräch
- "Agonie des Realen" - Zweiter Probenbericht aus dem Innern der Volksbühne
- Tonal, atonal, total - Erste Expressionen der "Kunst & Gemüse"-Endproben
- "Alles in Großaufnahme" - Kerstin Grassmann zur Arbeit mit Hosea Dzingirai
- "Er ist die Musik" - Christoph Schlingensief im Gespräch m. Peter Laudenbach
- Biografie Hosea Dzingirai - Profil des aus Simbabwe stammenden Regisseurs
- "Kunst der Geistestätigkeit" - Interview mit dem Regisseur Hosea Dzingirai
- "Eine Art von Selbstbefreiung" - Marcel Duchamp über seine Ready-Mades
- Biografie Marcel Duchamp - Ein Kurzportrait des Hipler-Mitwirkenden
- Was ist die ALS? I - Informationen zur Amyotrophen Lateral Sklerose (ALS)
- www.immendorff-stipendium.de - Forschungsarbeit zur ALS Krankheit
- www.schlingensief-als.de - Projektseite der Charité Berlin und C. Schlingensief
- www.als-charite.de - Grundlegende Informationen zu ALS (Charité Berlin)

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KUNST UND GEMÜSE,
A. HIPLER


Präsentiert von der Volksbühne Am Rosa-Luxemburg-Platz

Regie: Hosea Dzingirai, Co-Regie: Park Yung Min, Buch: Angela Jansen

Darsteller: Karin Witt, Maria Baton, Kerstin Grassmann, Katharina Schlothauer, Christiane Tsoureas, Ulrike Bindert, Anna Warnecke, Andrea Erdin, Reami Rosignoli, Peter Müller, Horst Gelonneck, Maximilian von Mayenburg, Christian Roethrich, Arno Waschk und das Schöneberger Schönberg-Orchester e.V. , Mario, Babba, Winnie, Simon und King David

Eine Christoph-Schlingensief-
Produktion

Bühne: Thekla von Mülheim, Marc Bausback, Tobias Buser; Kostüm: Aino Laberenz; Video: Monika Böttcher; Videoassistenz: Heike Schnepf; zusätzliche Videos: Meika Dresenkamp, Robert Kummer; Musikalische Leitung: Uwe Altmann; Dramaturgie: Carl Hegemann; Dramaturgische Beratung: Henning Naß; Künstlerische Mitarbeit u. Internetredaktion: Jörg van der Horst; Licht: Torsten König; Ton: Wolfgang Urzendowsky; Regieassistenz: Sophia Simitzis; Kostümassistenz: Anne-Luise Vierling; Webdesign: Patrick Hilss; Inspizienz: Karin Bayer; Regiehospitanz: Sarah Bräuer, Hedi Pottag, Kai Krösche; Betreuung: Nathalie Noell

Mit besonderem Dank an: Dr. Thomas Meyer (Charité Berlin) und Jörg Immendorff


Premiere am 17.11.2004 im Großen Haus der Volksbühne Berlin





Externe Links

- Charité ALS-Seite

- Immendorf-Stipend.

- Schlingensief-ALS

- Volksbühne Berlin


Nachlass Christoph Schlingensief, Fehrbelliner Str. 56, 10119 Berlin Newsletter Kontakt Impressum Datenschutz