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Foto: David Baltzer
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"Im Auge des Theatersturms"

Angela Jansen über ihre Sicht auf "Kunst & Gemüse, A. Hipler


Ausgehend davon, dass ich seit meiner Beatmung vor 6 Jahren das Haus nicht mehr verlassen habe, außer zu Krankenhausaufenthalten, ist es logisch, dass sich durch die Bewegungsunfähigkeit und die mangelnde Kommunikation andere Sinne schärfen. Ich habe bemerkt, dass sich seitdem meine Beobachtungsgabe erheblich entwickelt hat. Was nicht heißt, dass mir keine Fehler in der Beurteilung von Menschen unterlaufen – aber die Sinne des Hörens und Sehens erfahren eine fast unheimliche Entwicklung. Was nicht bedeutet, dass sich die Dioptrien-Zahl bei meiner Sehhilfe verbessert hätte.

Das Erlebnis in der Volksbühne mitten zwischen dem Publikum zu sein ist für mich ein sehr bedeutender Eindruck. Ich wurde von den Akteuren mit einer Herzlichkeit und Normalität aufgenommen, die mich nicht nur berührte, sondern es war/ist für mich ungewohnt, von Fremden so ´normal´ behandelt zu werden. Und exakt das genieße ich in vollen Zügen. Selbstverständlich haben der eine oder andere anfängliche Berührungsängste oder ich bemerke, dass mein Gegenüber von der Bewegungslosigkeit meiner Muskeln auf die Bewegungslosigkeit meines Gehirns schließt. Die meisten jedoch bemerken nach kurzer Zeit, dass ich tatsächlich nicht krank bin, sondern mich nur nicht bewegen kann...


"Kunst & Gemüse" Initiatorin Angela Jansen (Foto: David Baltzer)


Zumeist bekomme ich vor einer Vorstellung entsetzliches Lampenfieber. Jeder der Akteure bereitet sich anders vor. Es wird sich eingesungen, herumgealbert oder ganz abgerückt in einer Ecke gesessen. Wenn dann das Publikum eingelassen wird, hat sich die Konzentration bei allen zu einem fast schneidbaren Glibber verdichtet. Zu Jörg Immendorffs Stimme betritt das Publikum den Zuschauerraum. Ich merke die betretene Überraschung, die sich in Neugier verwandelt. Als erwachsener Mensch ist es natürlich verpönt, so sorglos wie ein Kind zu mir ans Bett zu treten, zu schauen und zu fragen. So setzt sich jeder halt betreten auf seinen Platz und bemüht sich, nicht von meinem Blick erhascht zu werden.

Ungeachtet dessen, was jeder von dem Stück mit nach Hause nimmt – unberührt ist bisher keiner gewesen. Viele wagen danach einen direkten Blick zu mir. In allen Gesichtern jedoch sehe ich Fragen. Einige wenige kommen zu mir und stellen die brennendsten davon. Auch gibt es Verschiedene, die so sprachlos sind, dass sie kein Wort mehr sagen können.

Ich danke euch allen für die bewundernden vorsichtigen Blicke und Worte. Aber ich bin wirklich nicht besonders. Trotzdem: danke! Danke euch allen für die Rückkehr ins Brausen des Lebens!

ANGELA JANSEN



Artikel- und Materialübersicht zu Kunst & Gemüse, A. Hipler

- "Deutsches Theater in Pariser Vorstädten" - Deutschlandradio vom 6.2.2006
- "Une pièce génialement bordélique de Schlingensief" - Libération, Paris
- "Découvrir Schlingensief" - Nouvelle Observateur, Paris
- "Ich ALS Ich" - Gespräch der "theatertreffen"-Zeitung mit Angela Jansen
- Unpolitisches Regietheater... - Der Donaukurier vom 21.05.2005
- Die Würde der Bewegungslosigkeit - Der Standard vom 27.12.2004
- "Mir geht es gut. Ich kann mich nur nicht bewegen." - Angela Jansen in BILD
- Im Auge des Theatersturms - Ein Augenzeugenbericht von Angela Jansen
- Kunst & Gemüse Bilderstrecke - Exklusive Eindrücke von Proben und Premiere
- "Der Feind im eigenen Körper" - ALS-Beitrag von Gerald Traufetter (SPIEGEL)
- "Ich bin noch lange nicht da, wo es nicht weiter geht" - STERN-Beitrag zur ALS
- "Darstellung ohne Schaustellung" - Begleitwort von Dr. Thomas Meyer, Charité
- "Kunst & Gemüse" Pressespiegel - Das schreibt die Presse zur Premiere
- Angela Jansen über "Kunst & Gemüse" - Exklusiv-Interview m. Angela Jansen
- "Ich bin nicht krank, ich kann mich nur nicht bewegen" - Biografie A. Jansen
- "Theater ALS Krankheit" - 6. Tagesbericht: die Krankheit des Theaters selbst
- "Mein lieber A.," - Ein Brief von Regisseur Hosea Dzingirai an A. Hipler
- Schlingensief und Jörg Immendorff gegen tödliche Nervenkrankheit ALS
- "Wir müssen den WIR-Begriff erweitern!" - Fünfter Probenbericht vom 12.11.
- "Alles Theater rund um die Wirklichkeit" - Vierter Probenbericht vom 11.11.
- "Theater hinterläßt – nichts" - Jean-Luc Godard über "Kunst und Gemüse"
- "Nachschublinien" - Dritter Tagesbericht v.d. Endproben zu "Kunst & Gemüse"
- "Reproduktion des Unproduzierten" - Martin Kippenberger im Gespräch
- "Agonie des Realen" - Zweiter Probenbericht aus dem Innern der Volksbühne
- Tonal, atonal, total - Erste Expressionen der "Kunst & Gemüse"-Endproben
- "Alles in Großaufnahme" - Kerstin Grassmann zur Arbeit mit Hosea Dzingirai
- "Er ist die Musik" - Christoph Schlingensief im Gespräch m. Peter Laudenbach
- Biografie Hosea Dzingirai - Profil des aus Simbabwe stammenden Regisseurs
- "Kunst der Geistestätigkeit" - Interview mit dem Regisseur Hosea Dzingirai
- "Eine Art von Selbstbefreiung" - Marcel Duchamp über seine Ready-Mades
- Biografie Marcel Duchamp - Ein Kurzportrait des Hipler-Mitwirkenden
- Was ist die ALS? I - Informationen zur Amyotrophen Lateral Sklerose (ALS)
- www.immendorff-stipendium.de - Forschungsarbeit zur ALS Krankheit
- www.schlingensief-als.de - Projektseite der Charité Berlin und C. Schlingensief
- www.als-charite.de - Grundlegende Informationen zu ALS (Charité Berlin)

Kunst & Gemüse

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- Gastspiel 2006 in Paris


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KUNST UND GEMÜSE,
A. HIPLER


Präsentiert von der Volksbühne Am Rosa-Luxemburg-Platz

Regie: Hosea Dzingirai, Co-Regie: Park Yung Min, Buch: Angela Jansen

Darsteller: Karin Witt, Maria Baton, Kerstin Grassmann, Katharina Schlothauer, Christiane Tsoureas, Ulrike Bindert, Anna Warnecke, Andrea Erdin, Reami Rosignoli, Peter Müller, Horst Gelonneck, Maximilian von Mayenburg, Christian Roethrich, Arno Waschk und das Schöneberger Schönberg-Orchester e.V. , Mario, Babba, Winnie, Simon und King David

Eine Christoph-Schlingensief-
Produktion

Bühne: Thekla von Mülheim, Marc Bausback, Tobias Buser; Kostüm: Aino Laberenz; Video: Monika Böttcher; Videoassistenz: Heike Schnepf; zusätzliche Videos: Meika Dresenkamp, Robert Kummer; Musikalische Leitung: Uwe Altmann; Dramaturgie: Carl Hegemann; Dramaturgische Beratung: Henning Naß; Künstlerische Mitarbeit u. Internetredaktion: Jörg van der Horst; Licht: Torsten König; Ton: Wolfgang Urzendowsky; Regieassistenz: Sophia Simitzis; Kostümassistenz: Anne-Luise Vierling; Webdesign: Patrick Hilss; Inspizienz: Karin Bayer; Regiehospitanz: Sarah Bräuer, Hedi Pottag, Kai Krösche; Betreuung: Nathalie Noell

Mit besonderem Dank an: Dr. Thomas Meyer (Charité Berlin) und Jörg Immendorff


Premiere am 17.11.2004 im Großen Haus der Volksbühne Berlin





Externe Links

- Charité ALS-Seite

- Immendorf-Stipend.

- Schlingensief-ALS

- Volksbühne Berlin


Nachlass Christoph Schlingensief, Fehrbelliner Str. 56, 10119 Berlin Newsletter Kontakt Impressum Datenschutz