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Foto: Aino Laberenz
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Atta-Kunst
Animatograph
Island Edition - "HOUSE OF OBSESSION"
Reykjavik, Mai 2005


"METAPHYSISCHE POESIE"

ZWEITE ANIMATOGRAPHISCHE VERKÜNDUNG


Hier an der Bühnenachse, umweht von Leinen, mit Bildern beworfen, gedenken wir der Menschen in ihren unterirdischen Wohnstätten. Von Kind auf sind sie in der Höhle festgebannt. Sie sehen nur geradeaus vor sich hin.
Aber von oben und hinten her, aus einiger Entfernung, brennt ihnen ein Feuer. Zwischen seinem Schein und den Gebannten läuft ein Weg hin, längs dessen eine niedrige Mauer errichtet ist. Längs dieser Mauer tragen Menschen verschiedene Gerätschaften vorbei (Kelche, Steine, Fische...).

Können solche Gefangenen sowohl sich selbst als auch gegenseitig einander gesehen haben als Bildschatten, die durch das scheinende Feuer auf die ihnen gegenüberliegende Wand der Höhle geworfen werden? Würden die Gefangenen also nichts anderes für wahr gelten lassen, als die Schatten der künstlichen Gegenstände?
Wenn nur einer von ihnen entfesselt und genötigt würde, plötzlich aufzustehen, den Hals umzuwenden, nach dem Lichte emporzublicken...


Dreh zu Schlingensiefs Animatograph - Island Edition, Reykjavik, 2005


Und wenn man ihn nun zwänge, sein Licht auf das Licht selbst zu richten, so würden seine Augen schmerzen. Und wenn man ihn nun aber von da gewaltsam durch den Aufgang aufwärts schleppte und nicht eher ruhte, als bis man ihn an das Licht der Sonne gebracht hätte, würde er diese Gewalt nicht schmerzlich empfinden und sich dagegen sträuben? Zuletzt würde er die Sonne, nicht etwa bloß Abspiegelungen derselben im Wasser in voller Wirklichkeit sehen und ihre Beschaffenheit zu betrachten imstande sein. Das Auge der Götter, es wäre das seine.

Wenn also ein solcher wieder hinabstiege in die Höhle und dort wieder seinen alten Platz einnähme, würden seine Augen förmlich eingetaucht in Finsternis. Wenn er nun wieder wetteifern müßte in der Deutung der Schattenbilder, würde er sich lächerlich machen. Nein, er hat Bilder gesehen, die ihm gehören, auch und eben dort, wo es dunkel ist. Es wird heißen, sein Aufstieg nach oben, sein Wunsch nach neuen Bildern sei schuld und schon der bloße Versuch, nach oben zu gelangen, sei verwerflich. Doch Dunkelheit, die das Licht nicht kennen will, ist keine Dunkelheit. So wie Licht nur Licht ist, wenn man die Finsternis kennt.
Jede Belichtung benötigt das Dunkel und der Animatograph ist die dunkle Seite der Belichtung.


Proben zu Schlingensiefs Animatograph - Island Edition, Reykjavik, 2005


Es ist also:

Wohnstätte der Gefesselten in der Höhle = durch das Gesicht uns erschein-
ende Raumwelt

Lichtschein des Feuers = Kraft der Sonne

Aufstieg nach oben und Betrachtung der oberen Welt = Erhebung der Seele in das Reich des nur Denkbaren

Dies ist ein Modell im Bereich des nur Denkbaren, in dem die Ideen das Wirkliche der Welt sind und die uns erscheinende Raumwelt nur Schattenbilder dieser Ideen darstellen. Unser Leben spielt sich im Allgemeinen doch nur in Höhlen ab. Das menschliche Dasein ist so beschaffen, daß die meisten Menschen die Höhle niemals verlassen werden. Die meisten Menschen merken nicht, daß sie im Reich der Schatten leben. Und daß sie immer tiefer hinein-
geraten, rührt daher, daß sie die Gesetze der Geschichte nicht kennen.


Dreh zu Schlingensiefs Animatograph - Island Edition, Reykjavik, 2005


Ist das Dasein nicht ein schlechtes Stück, in dem wir die meiste Zeit keine Rolle spielen, es sei denn die des Zuschauers? Verharren wir angesichts eines Schattenspiels meist nicht in kindischer Tatenlosigkeit? Ob es sich nun um "Fiktionen" oder um "Nachrichten" handelt, wir sind weniger den je in der Lage, uns den Bildern zu entziehen, die vor unseren Augen vorüberziehen. Im übrigen übertrifft die Realität häufig bei weitem die Fiktion. Das Bilderangebot ist so groß, das Bild aber, in das wir gehen wollen, ist so klein. Wir müssen in die Bilder gehen.



Materialübersicht zu Schlingensiefs Animatographen

- A new theatre of the world - Artikel von Andres Hispano aus Art & Co 2/08
- "The whole is the untrue" - Vierte animatographische Verkündung
- Animatograph in Rotation - Fotos der Ausstellungseröffnung (14. Mai 2005)
- "The dark side of the movement" - Dritte animatographische Verkündung
- "Metaphysische Poesie" - Zweite animatographische Verkündung
- "This is the world announcement!" - Erste animatographische Verkündung
- Animatograph Einleitung - Eine Einleitung zu Schlingensiefs Animatograph
- Animatograph Theorie - Eine "Lebensmaschine" von Christoph Schlingensief
- Island Bilderstrecke 1 - Erste Eindrücke vom Dreh auf Island (7. Mai 2005)
- Island Bilderstrecke 2 - Weitere Bilder vom Dreh auf Island (8. Mai 2005)
- Klone eines Anstifters - Der Standard vom 20.05.2005
- Die Kunst ist eine wilde Party - Die Presse vom 17.05.2005
- Am Anfang war Ginnungagap - Frankfurter Rundschau vom 19.05.2005
- Nordmänner im Musenreich - Rheinischer Merkur vom 09.06.2005
- T-B A21 - Homepage der Thyssen-Bornemisza Art Contemporary
- Hauser & Wirth - Homepage der Galerie Hauser & Wirth, Zürich
- National Theatre of Iceland - Homepage des Isländischen Nationaltheaters

Der Animatograph

- 1. Übersicht
- 2. Einleitung
- A new theatre of the
   world
(Art & Co 2/08)

- 3. Theorie

- ANIMATOGRAPH IV
- ANIMATOGRAPH III
- ANIMATOGRAPH II
- ANIMATOGRAPH I


Bilderstrecken

- Animatograph-Galerie
- Island-Dreh-Galerie II
- Island-Dreh-Galerie I


Flugblätter

- Außerparl. Obsession
- Icelandic Party
- Icelandic Army
- Gene Database


Verwandte Projekte

- Der Animatograph
   Deutschland Edition

- Der Animatograph
   Afrika Edition



Externe Links

- T-B A21
- Hauser & Wirth
- Isländisches
   Nationaltheater
   Reykjavik






ANIMATOGRAPH ICELAND EDITION
"House of Obsession"
by Christoph Schlingensief
Klink & Bank, Reykjavik
13.-15.5.2005

Commissioned by Thyssen-Bornemisza Art Contemporary

Idee / Regie:
Christoph Schlingensief

Darsteller: Karin Witt, Klaus Beyer, Christoph Schlingensief, Jörg van der Horst, Arnar Jonsson, Björn Thors, Eigill Heidar, Anton Palsson, Gudrun Gisladottir, Lilja Gudrun Porvaldsdottir, Nina Dögg Filipusdottir, Olafur Eigilsson, Solveig Arnarsdottir, Unnur Stefansdottir

Extra-Darsteller "Preisverleihung in Pingvellir": Gudmundur Oddur Magnusson, Daniel Björnsson, Snorri Asmundsson, Sirra Sigurdardottir, Erling Klingenberg, Sigridur Björg Sigurdardottir, Omar Stefansson, Nina Magnusdottir, Unnar Audarson

Bühnenkonstruktion: Thekla von Mülheim, Tobias Buser

Bühnenaufbau:
Tobias Buser, Daniel Björsson, Pall Banine, Pall Einarsson

Ausstattung:
Harry Johansson

Sound: David Por Jonsson, Helgi Svavar Helgason

Einrichtungsassistenz: Lars Skjalbriea, Finnur Ragnarsson, Petur Hauksson, Gudmundur Hauksson

Licht:
Björn Gudmundsson

Kostüm: Aino Laberenz

Kamera u. Schnitt: Kathrin Krottenthaler

Schnittassistenz: Kristian Zalinsky

Dramaturgie u. Internetredaktion: Jörg van der Horst

Beratung vor Ort: Henning Naß

Webdesign: Patrick Hilss

Produktionsleitung Deutschland: Anna Schulz, Holger Schulz

Produktionsleitg. Island: Nina Magnusdottir

Fotos: Aino Laberenz, Christoph Schlingensief, Jörg van der Horst

Besonderer Dank an: Tinna Gunnlaugsson, Lydur Sigurdsson, Margret Sigurdardottir, Askell Gunnlaugsson, Bjarni Ingolfsson, Asgeir Fridgeirsson, Claudia Kaloff, Hedi Pottag, Nathalia Stachon, Arno Waschk und Phillip Kummel

Mit freundlicher Unterstützung durch:
Galerie Hauser & Wirth, Zürich, Isländisches Nationaltheater, Reykjavik, Isländische Landesbank.