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Regensburg auf der Zielgrade

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Seit die Stadt Regensburg den Regisseur Christoph Schlingensief im Dezember für die Unterstützung der Bewerbung Kulturhauptstadt Europas 2010 gewinnen konnte, hat sich viel getan. Schlingensief und Hosea Dzingirai schicken "Kunst & Gemüse" in einer transformierten Form am Donnerstag, 10. Februar unter dem Titel: "KEINE CHANCE REGENSBURG, Kunst und Gemüse-Gala 2010" auf die Bretter der Volksbühne:


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Kerstin Grassmann ist auf Regensburg nicht besonders gut zu sprechen. Die Hauptdarstellerin aus Christoph Schlingensiefs aktueller Produktion »Kunst und Gemüse, A. Hipler« hat für die einmalige Uminszenierung zugunsten der Kulturhauptstadtbewerbung Regensburgs am 10. Februar mehr Text zu lernen, als für das mittlerweile international besprochene Stück selbst. »Der Aufwand, den wir hier betreiben, steht in keinem Verhältnis zur Einzigartigkeit der Aufführung«, sagt Kerstin Grassmann einigermaßen ungehalten in einer kurzen Zigarettenpause. »Als Schauspielerin mit einigen Jahren Berufser-
fahrung fällt es mir leichter, mich mit Mutter Courage oder Castorfs Schnee-
königin zu identifizieren als mit Regensburg. Da war ich doch noch nie!« Auch Reami Rosignoli, Tenor aus Schlingensiefs eigentlicher Heimatstadt Ober-
hausen, muß sich »in Regensburg erst reinsingen«, ist aber davon überzeugt, daß alle Mitarbeiter und Honoratioren der Stadt im Anschluß an die Vorstellung von einem »in jeder Hinsicht einmaligen Abend« schwärmen werden.


Domäpfeltanz mit Scheidleder (Probenfoto zu Keine Chance Regensburg)


Die geringsten Probleme, sich in die Regensburger Mentalität einzufinden, hat ausgerechnet Regisseur Hosea Dzingirai aus Simbabwe, der an der dortigen Universität fünf Semester Medizin studierte und mit besonderer Motivation an die Aufgabe geht, Regensburg zu repräsentieren: »In Keine Chance Regens-
burg steckt jede Menge Herzblut. An die Stadt sind unzählige Erinnerungen geknüpft, die ich am Abend weitergeben will. Das zieht die Aufführung viel-
leicht etwas in die Länge, die eigentlich Leidtragenden sind aber die Schau-
spieler, die ich wirklich bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit treibe.« Dzingirai freut sich vor allem auf ein Wiedersehen mit seinen ehemaligen Kommilitonen vom Stammtisch »Bayrische Schwarzafrikaner«, die sich auf lokaler Ebene für Regensburg als Kulturhauptstadt eingesetzt haben. Sie werden am Donnerstag live in, vielleicht sogar auf der Volksbühne dabei sein.

Andere, unter ihnen viele Prominente, haben diese Möglichkeit nicht. Die Vorstellung, so ließ die Volksbühne bereits am 17. Januar verlautbaren, ist ausverkauft, was darauf zurückzuführen ist, das ein Gros an Karten lokalen Polit- und Wirtschaftsgrößen zu Verfügung gestellt werden mußte. An den Wänden im Gang zur großen Probenbühne im dritten Stock haben die Regie-
assistenten Grußbotschaften aufgehängt, die sich in den vergangenen sechs Wochen nach und nach angesammelt haben. Da spucken u.a. der bayrische Innenminister Kurt Beckstein, Franz Beckenbauer, Stefan Mross und Uschi Glas dem Ensemble schriftlich über die Schulter und wünschen »TOI, TOI, TOI«. Beinahe prophetisch mutet inzwischen ein Glückwunschfax des Modezaren Rudolf Moshammer vom 5. Januar an, der »aus persönlichen Gründen leider nicht am wunderbaren Bayern- und Regensburgvolksfest teilnehmen« könne. Gerüchte ranken sich weiter um den Aufführungsbesuch des bayrischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, der zu Wochenbeginn mit seinem Vergleich zwischen NPD und SPD in die Kritik geraten war. »Davon haben wir hier gar nichts mitbekommen«, sagt schmunzelnd eine entspannte Karin Witt, »Herr Dzingirai probt wie ein Wilder. Bis zum Donnerstag gibt es für uns keine Welt außerhalb von Regensburg.«


Das Organisationsteam Regensburg 2010 bei den Proben in der Volksbühne


Am lautesten gelacht aber haben beinahe alle Mitwirkenden über eine Gruß-
karte des großen Volkssängers Jopi Heesters, der zwischen den Jahren offenbar auch noch vergessen hatte, daß er selbst an der Regensburggala teilnimmt.

Intendant Frank Castorf, der die ungewöhnliche Zweitverwertung seines Theaters zuerst »suspekt und konterrevolutionär« fand, steht nach mehreren Probenbesuchen voll und ganz hinter dem Abend. »Wenn schon meine eigenen Stücke inzwischen aus den Metropolen heraus in die Provinz führen, dann ist ein Berliner Abend für Regensburg eine völlig logische Konsequenz. Was ich in den Proben gesehen habe, hat eine totale Indifferenz, die heut-
zutage aber die einzige Klarheit ist, die uns noch bleibt«.

»Das Team leistet ganze Arbeit«, sagt ein müder, aber zufriedener Christoph Schlingensief, der gegen 22.30 Uhr zu einer halbstündigen Probenpause in die Kellerkantine der Volksbühne kommt. »Regensburg darf sich freuen. Und ich ganz persönlich auch, denn die Arbeit mit Hosea ist um einiges leichter als noch bei Kunst und Gemüse. Hier weiß er genau, was er will.«


Die "Keine Chance Regensburg" Darsteller während einer Probenpause


Das werden Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) und Karlheinz Schmid, Leiter des Projektteams Regensburg 2010, mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen, hatten sich die offiziellen Vertreter der Stadt doch zu anderen Bewerbungszeitpunkten nicht eben mit Ruhm bekleckert.

»Keine Chance Regensburg«, ist sich Schlingensief sicher, »wird so manchen gekreuzigten Frosch und Domspatzenboykott vergessen machen«. Es ist 23.04 Uhr, Schlingensief wird über Kantinenlautsprecher zur Probe beordert.



- Keine Chance Regensburg Bilderstrecke - Eindrücke der Gala vom 10.02.2005
- Verlautbarung Johannes Heesters - zur Regensburgdistanzierung, 11.02.2005
- Bewerbungsrückzieher - Pressemitteilung der Stadt Regensburg, 11.02.2005
- Keine Chance Regensburg Stabliste - Das Team der Regensburg 2010 Gala
- www.regensburg2010.de - Regensburg als Kulturhauptstadt Europas 2010
- Kunst & Gemüse, A. Hipler - Infos und Hintergrundinformationen zum Stück
- Kunst & Gemüse Bilderstrecke - Exklusive Eindrücke in Proben und Premiere
- Schlingensief Pressespiegel - Weitere Pressemeldung der letzten Wochen

Regensburg 2010 Homepage

Weitere Meldungen

- Heesters zur Regens-
   burgdistanzierung,
   11.02.2005

- Pressemitteilung der
   Stadt Regensburg,
   11.02.2005

- Regensburg 2010
   Gala Bilderstrecke

- Stabliste


Externe Links

- Regensburg 2010


Verwandte Projekte

- Kunst & Gemüse



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