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Schnitzler's Brain - Freiheit für alles


Being Arthur Schnitzler. Schlingensief und andere tummelten sich im Hirn des Dichters

Mit einem Schnitzler-Abend verabschiedete sich nach zehn Jahren der Schauspieldirektor Marc Günter von Graz. Er hat Kollegen eingeladen, sich unter dem Titel Schnitzler's Brain im Kopf des Dichters umzusehen. Was Johann Kresnik, Martin Kuseij und Christoph Schlingensief dabei gefunden haben, mag da geschlummert haben, wohin nicht einmal Sigmund Freud, von Schnitzler wegen seiner Hunde-Träume zur Hilfe gerufen, vorgedrungen war.

Umwerfend komisch hat das Grazer Publikum immer schon Christoph Schlingensief gefunden und ließ sich auch von dessen erster Grazer Produktion Hurra, Jesus - ein Hochkampf nicht skandalisieren. Friedfertig bereitete das Enfant-Terrible seinen Fans eine Fotsetzung seiner Inter- nationalen Kameradschaftsabende. Der zweite heißt "Freiheit für alles", Freiheit jedenfalls für Christoph Schlingensief, sich an das Motto des Abends nicht halten müssen. Zehn Mitwirkende fernöstlicher Herkunft skandieren aufstampfend, mit gehobener Faust, mehr oder minder militärisch gedrillt, "Tötet Wolfgang Schüssel".

Die Volksseele spricht durch den Mund einer prototypischen Hausmeisterin, als Pappkameraden sind Luc Bondy und Michel Piccoli an der Reihe. Beide haben an der ersten großen Protestdemonstration gegen Schwarzblau teilgenommen. Bondy hat zwar als Festwochenleiter Schlingensief eingeladen, an den Fest- wochen mit einem Projekt gegen Fremdenfeindlichkeit mitzuwirken, doch das erspart ihm den Spott nicht. Den Jubel und die Akklamation für den scheidenden Hausherrn orchestriert am Ende Johann Kresnik.

Draußen, auf dem "Freiheitsplatz" vor dem Theater, stehen für alle Fälle drei Einsatzwägen der Polizei bereit, doch sie bekommen nichts zu tun. So lammfromm war Schlingensief schon lange nicht, und auch pünktlich - seinen Zeitrahmen, eine halbe Stunde, hat er diesmal eingehalten, vielleicht aus Dankbarkeit dafür, dass er in Graz geliebt wird.

Aus: Frankfurter Rundschau Nr. 113, 16. Mai 2000



Schnitzler's Brain beschäftigt das Österreichische Parlament

766/J XXI.GP
ANFRAGE

der Abgeordneten Dr. Partik - Pablé, Dr. Krüger, Dr. Povysil
und Kollegen
an den Bundesminister für Justiz
betreffend Theaterstück "Schnitzler‘s brain"

Im Grazer Schauspielhaus wird derzeit das Theaterstück "Schnitzler‘s brain" aufgeführt, in welchem wiederholt der Satz "Tötet Wolfgang Schüssel" vorkommt. Während das Grazer Schauspielhaus die Vorwürfe mit der Begründung, daß es sich bei diesem Beitrag um einen "künstlerischen Akt", bzw. um einen "szenischen Gag" handle, zurückweist, laufen gegen den verantwortlichen Regisseur Christoph Schlingensief bereits polizeiliche Erhebungen. In diesem Zusammenhang richten die unterfertigten Abgeordneten an den Herrn Bundesminister für Justiz nachstehende Anfrage:

1) Ist Ihnen der oben dargestellte Sachverhalt bekannt? Wie beurteilen Sie diesen?
2) Sind Sie der Ansicht, daß solche eindeutigen Tötungsaufforderungen noch unter den Schutz der künstlerischen Freiheit fallen?
3) Wird die Staatsanwaltschaft bei Gericht Vorerhebungen bzw. Voruntersuchungen beantragen?
4) Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß sich der Direktor des Grazer Schauspielhauses weigerte, das Drehbuch des Stückes den ermittelnden Behörden auszufolgen?


Schnitzler's Brain
Schauspielhaus Graz

Regie: Christoph Schlingensief, Marc Günther, Thomas Bischoff, Johann Kresnik, Stephan Kimmig, Martin Kusej

Premiere: 8.5.2000





Nachlass Christoph Schlingensief, Fehrbelliner Str. 56, 10119 Berlin Newsletter Kontakt Impressum Datenschutz