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Foto: Gudrun F. Widlok
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Mein Filz, mein Fett, mein Hase - 48 Stunden überleben für Deutschland


Berliner Zeitung: Freiheit für Christoph


Bei der Theateraktion "Mein Filz, mein Fett, mein Hase, 48 Stunden Überleben für Deutschland" auf der Kasseler documenta sind gestern der Regisseur Christoph Schlingensief und der Schauspieler Bernhard Schütz am Ort der Performance von der Polizei abgeführt worden. Grund war ein vor der Orangerie angebrachtes Plakat, das für die Mittagszeit eine Aktion mit dem Titel "Tötet Helmut Kohl" ankündigte. Von Passanten aufmerksam gemacht, wollten zunächst drei Polizisten das Plakat beschlagnahmen. Schlingensief riß es ihnen jedoch aus der Hand, woraufhin sie Verstärkung anforderten. Um 13.30 schließlich rückten zirka ein Dutzend Polizisten mit einem Schäferhund an und drangen in den vollbesetzen Kunstraum "Hybrid WorkSpace" ein. Die Polizisten holten Schlingensief und Schütz, die wie das gesamt Ensemble militärische Kleidung trugen, aus der Menge heraus. Sie mußten sich gegen die Wand stellen, wurden gefilzt und schließlich in Handschellen zur Polizeistation gebracht. Bei dieser Aktion biß der Schäferhund, der keinen Maulkorb trug, die japanische Sängerin Hanajo, die bei der Performance als Yoko Ono auftrat. Nachdem Schlingensief und Schütz zur Polizeistation gebracht waren, formierte sich ein Demonstrationszug von ungefähr 50 Personen, der "Freiheit für Christoph und Freiheit für Bernhard" skandierend zur Polizeistation marschierte. Dort waren Schlingensief und Schütz gerade wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Schlingensief bedankte sich bei den Demonstranten "für die unglaubliche Solidarität und euren Druck, die uns hier herausgeholt haben". Er habe keinen Widerstand geleistet.

Die Performance wurde fortgesetzt, indem bis zum Abend pausenlos ein Video von der Verhaftung vorgeführt wurde.



Szenenfoto der Documenta-Aktion "Mein Filz, mein Fett, mein Hase"



Der diensthabende Beamte begründete die, wie er sagte, "Mitnahme zur Dienststelle zur Personalienfeststellung" damit, daß ein Aufruf zu einer Straftat vorgelegen habe. Es sei eine "Verunglimpfung unseres Bundeskanzlers" erfolgt. Beim Entreißen des Plakates habe ein Beamter eine Schürfwunde davongetragen. Es sollten Strafanzeigen wegen Aufrufs zu einer Straftat und Widerstands gegen die Staatsgewalt gestellt werden. Schlingensief war schon einmal verhaftet worden, vor drei Jahren bei Filmarbeiten in Simbabwe.

Die Sprecherin der documenta, Hortensia Völkers, sagte: "Es ist uns peinlich, daß so etwas in der documenta passiert. Karl Hegemann, Dramaturg und Mitspieler der Aktion, verstand die Welt nicht mehr. Er sagte, eigentlich sollte ja nur demonstriert werden, daß Kunst keine Bedeutung hat.



Szenenfoto der Documenta-Aktion "Mein Filz, mein Fett, mein Hase"



Szenenfoto der Documenta-Aktion "Mein Filz, mein Fett, mein Hase"



Szenenfoto der Documenta-Aktion "Mein Filz, mein Fett, mein Hase"



Zusätzliches Material zur Documenta X Aktion

- Bilderstrecke zu Mein Filz, mein Fett, mein Hase - Eindrücke der Aktion

Mein Filz, mein Fett, mein Hase
48 Stunden überleben für Deutschland
am 30. / 31. August 1997 auf der documenta X in Kassel

Koproduktion: Hybrid Work Space / Neue Volksfilm / Volksbühne am Rosa-Luxemburg Platz

Ausstattung: Nina Wetzel / Nico Scharr

von und mit: Werner Brecht, Hendrik Drescher, Kerstin Grassmann, Hanayo, Carl Hegemann, Zoe Hermann, Swantje Henke, Roland Koberg, Henning Nass, Achim von Paczensky, Jonny Pfeifer, Christoph Schlingensief, Bernhard Schütz, Sven Vieweg, Hans Jörg Berchtold





Zusatzmaterial

- Bilderstrecke


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