{"id":9,"date":"2005-09-19T01:02:53","date_gmt":"2005-09-18T23:02:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=9"},"modified":"2005-09-19T01:02:53","modified_gmt":"2005-09-18T23:02:53","slug":"eine-chance-fur-merkel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=9","title":{"rendered":"Eine Chance f\u00fcr Merkel&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8222;Koalition der F\u00e4higen&#8220; bilden<br \/>\nK\u00fcnstler: Machtspielchen lassen<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>In dem unklaren Ausgang der Bundestagswahl liegt nach Auffassung prominenter K\u00fcnstler die Chance zu einer innovativen Sicht und produktiven L\u00f6sung. &#8222;Die Programme liegen n\u00e4her beieinander als die Personen, also m\u00fcssen sich die Personen danach richten&#8220;, sagte der Schriftsteller Martin Walser (78) am Montag in \u00dcberlingen am Bodensee der dpa. Der K\u00fcnstler G\u00fcnther Uecker schlug einen Notkonsens und eine &#8222;Koalition der F\u00e4higen&#8220; vor. Der Maler Johannes Heisig betrachtet die Verwirrung auch &#8222;als einen produktiven Zustand&#8220;. Nach Worten des Theaterprovokateurs Christoph Schlingensief sind Regierung und Opposition verurteilt worden, &#8222;sich endlich zusammen zu tun und die ganzen Machtspielchen zu unterlassen&#8220;.<\/p>\n<p>Nach Vorschlag von Uecker sollte eine &#8222;Koalition der F\u00e4higen&#8220; sich nicht an Parteigrenzen orientieren, sondern der wirtschaftliche und sozialpolitische Sachverstand m\u00fcsste den Ausschlag geben. &#8222;W\u00e4hlt eure besten Leute f\u00fcr einen Notkonsens&#8220;, sagte der D\u00fcsseldorfer Bildhauer und Objektk\u00fcnstler in einem dpa-Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Nach Auffassung von Schlingensief haben sich die gro\u00dfen Volksparteien jetzt &#8222;gef\u00e4lligst einmal einer Opposition zu stellen, die Gott sei Dank aus den Gr\u00fcnen, aus den Linken und aus der FDP besteht, drei sich untereinander auch nicht gerade m\u00f6genden Gruppen, die f\u00fcr eine Versch\u00e4rfung des Tons sorgen werden&#8220;. Eine gro\u00dfe Koalition sei bitter, aber jetzt &#8222;ein richtig guter Zustand f\u00fcr eine produktive Auseinandersetzung in diesem fest gefahrenen, sich selbst bemitleidenswerten, nur auf Pfr\u00fcnde aufgebauten Staat&#8220;, sagte Schlingensief der dpa. Er forderte zugleich eine &#8222;faire Chance f\u00fcr Angela Merkel&#8220;. &#8222;Ihr unsicherer Zustand ist doch direkt sympathisch.&#8220; Kanzler Gerhard Schr\u00f6der habe leider gleich wieder &#8222;sein King-Kong-Gehabe mit Generalston&#8220; an den Tag gelegt. Gewinner sei er \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p>Der K\u00f6lner Aktionsk\u00fcnstler HA Schult \u00e4u\u00dferte sich entt\u00e4uscht \u00fcber das schlechte Wahlergebnis von Merkel. Im Kanzler erkennt Schult zwar gleichsam einen Kollegen: &#8222;Schr\u00f6der ist ein Aktionsk\u00fcnstler, wie er am Zaun des Kanzleramts ger\u00fcttelt hat, weil er rein wollte und sp\u00e4ter wieder raus wollte. Aber mein Herz schl\u00e4gt f\u00fcr Frau Merkel, weil wir nicht Aktionen machen m\u00fcssen, sondern Taten brauchen&#8220;, sagte Schult, der f\u00fcr sie geworben hatte. Schult riet Merkel, \u00fcber ihren Schatten zu springen und mit den Gr\u00fcnen unter Joschka Fischer zu koalieren. &#8222;Wenn sie Joschka f\u00fcr sich gewinnt, dann sehe ich eine reelle Chance f\u00fcr Bewegung.&#8220;<\/p>\n<p>Literatur-Nobelpreistr\u00e4ger G\u00fcnter Grass, der die SPD im Wahlkampf unterst\u00fctzt hatte, w\u00fcnscht sich eine Ampel-Koalition unter Schr\u00f6der. Nach Meinung von Grass wird sich die Frage stellen, &#8222;inwieweit die FDP bereit ist, sich auf ihre liberale Substanz zu besinnen. Denn wenn sie das t\u00e4te, dann w\u00e4re sie ein Koalitionspartner in einer so genannten Ampel-Koalition. Das ist mein Wunsch&#8220;, sagte Grass am Sonntagabend im Nordwestradio, einem Programm von Radio Bremen und dem NDR.<\/p>\n<p>Heisig betonte, jetzt seien Zweifel und Selbstreflexion erw\u00fcnscht. Diese traue er noch am ehesten der SPD und dann den Gr\u00fcnen zu, sagte der Grafiker im Deutschlandradio Kultur. \u00dcber den Regierungsanspruch Schr\u00f6ders sei er jedoch verwundert. Die Situation biete dem Kanzler jetzt eher eine &#8222;Chance des Innehaltens&#8220;.<\/p>\n<p>Der langj\u00e4hrige Verleger des Wagenbach Verlags, Klaus Wagenbach, sieht eine &#8222;deutliche, ordentliche linke Mehrheit&#8220; in Deutschland. Wenn man diese Mehrheit haben will, wie sie offenbar von den Menschen gew\u00fcnscht werde, &#8222;dann m\u00fcssen zwei Leute abtreten: Herr Lafontaine und Herr Schr\u00f6der&#8220;. Sie seien ganz offensichtlich der Hinderungsgrund f\u00fcr eine praktikable linke Regierungsmehrheit, sagte er der dpa.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dem unklaren Ausgang der Bundestagswahl liegt nach Auffassung prominenter K\u00fcnstler die Chance zu einer innovativen Sicht und produktiven L\u00f6sung. 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