{"id":812,"date":"2014-04-26T10:15:15","date_gmt":"2014-04-26T08:15:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=812"},"modified":"2014-04-26T10:15:15","modified_gmt":"2014-04-26T08:15:15","slug":"schlingensiefs-traum-wird-realitat-sudkurier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=812","title":{"rendered":"SCHLINGENSIEFS TRAUM WIRD REALIT\u00c4T (S\u00dcDKURIER)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das \u201eOperndorf\u201c in Burkina Faso w\u00e4chst. Es wurde von dem inzwischen verstorbenen Regisseur geplant.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/8580391_3_TU5FGH4S_C__c__Rainer_Kotz.jpg\" width=\"450\" height=\"279\" alt=\"Foto: Rainer Kotz\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<p>Man ist froh, die staub- und abgasgeschw\u00e4ngerte Luft der 1,9 Millionen Metropole Ouagadougou hinter sich gelassen zu haben. Hier fragt keiner nach Mensch- und Umweltbelastung durch Smog, Staub und ungefilterte Abgase. Tausende Mofas, Autos, die in Europa schon l\u00e4ngst verschrottet w\u00e4ren, und \u00fcberladene Klein- und Gro\u00dftransporter schieben sich in die und aus der Stadt. Die \u00dcberschreitung der Feinstaubwerte, wie in Paris oder Peking, sind hier kein Thema. Aber immer mehr Menschen m\u00fcssen Mund- und Nasenschutzmasken tragen, um sich zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Wir, f\u00fcnf Vertreter der christlichen Hilfsorganisation \u201ePro Burkinab\u00e9\u201c, sind Richtung Nigeria nach Osten Burkina Fasos unterwegs. Nach ca. 40 km haben wir die Abzweigung zum Skulpturenpark Laongo erreicht. Diese sehenswerten \u201eSculptures de Laongo\u201c, zwischen den Orten Zinar\u00e9 und Boudtenga gelegen, sind nahe unserem Besuchsobjekt, welches wir vor zwei Jahren besichtigen konnten und dessen Entwicklung nicht nur wir mit Interesse von Deutschland aus verfolgen. Ein kleines Schild mit dem schneckenf\u00f6rmigen Signet des Opernhauses weist uns den Weg \u00fcber die rot gef\u00e4rbte staubige Sandpiste. Hier soll Christoph Schlingensiefs Traum von einem Operndorf in einer Savanne des zu den \u00e4rmsten L\u00e4ndern der Welt z\u00e4hlenden Binnenstaates Wirklichkeit werden.<\/p>\n<p>2012 wurden wir Zeuge der Inbetriebnahme des ersten Klassenzimmers f\u00fcr eine Grundschule, die der gesamten d\u00f6rflichen Region zur Verf\u00fcgung stehen soll. 50 junge Burkinab\u00e9 wurden damals eingeschult. Auf den ersten Blick hat sich nicht viel ge\u00e4ndert. Unver\u00e4ndert die klimatechnisch optimierten R\u00e4ume der Schulgeb\u00e4ude mit den eleganten Doppeld\u00e4chern und die Gruppe der Administrationsh\u00e4user. In der von der Savanne aufgenommenen dunkelroten Farbe und einer einzigartigen Architektur des Freundes Schlingensiefs, des preisgekr\u00f6nten Architekten, Francis K\u00e9r\u00e9, der als Einheimischer urspr\u00fcnglich dem Projekt sehr kritisch gegen\u00fcberstand. Man sieht aber jetzt, wie sich K\u00e9r\u00e9 in das Projekt reingegeben hat und die Vorstellungen Schlingensiefs mit seinem Wissen als Afrikaner umsetzt. Christophs Idee war ja nicht, ein klassisches Opernhaus zu bauen. Er dachte weiter. Und so wird es umgesetzt: als Entwicklungshilfeprojekt f\u00fcr Land und Leute und als k\u00fcnftige Wirkungssst\u00e4tte f\u00fcr Companies und Theaterensembles. Zuvorderst ausgerichtet auf das, was die Menschen dort besonders brauchen.<\/p>\n<p>Wie begeistert waren wir, eine vierk\u00f6pfige deutsche Studentengruppe vorzufinden, die Theaterszenen und Lieder mit den Grundschulkindern ein\u00fcbten. Und von einer Fotoklasse zu h\u00f6ren. Und zu erfahren, dass jetzt in drei Schulklassen unterrichtet wird und drei weitere Klassen geplant sind. Keine privilegierten Kinder; nein, Kinder, die aus den f\u00fcnf umliegenden D\u00f6rfern kommen, in denen Armut und Bescheidenheit herrschen. Die Kinder begeistert und freudig zu erleben, mit der M\u00f6glichkeit, sich eigenst\u00e4ndig k\u00fcnstlerisch auszudr\u00fccken. Festzustellen, wie die nat\u00fcrliche Spielfreude der jungen Burkinab\u00e9 gef\u00f6rdert wird.<\/p>\n<p>Vor zwei Jahren erfuhren wir von der weitergehenden Planung, eine Krankenstation und ein Hotel zu errichten. Wie \u00fcberrascht waren wir bei unserem Rundgang, ein von au\u00dfen fertiges Hospital mit vielen kleinen Fenstern in ganz interessanter moderner Architektur vorzufinden. Es war zum Staunen. Wie wichtig sind in diesem Land Kranken- und Entbindungsstationen, wo auf 25 000 Einwohner ein Arzt t\u00e4tig ist! Bevor das \u00fcberdachte Opernhaus entsteht, wird als N\u00e4chstes das G\u00e4stehaus mit Restaurationsbetrieb gebaut. Das eigentliche schneckenf\u00f6rmig angelegte k\u00fcnftige Theater ist nur anhand der Absteckungen zu erkennen. Es wird das Zentrum der Anlage darstellen.<\/p>\n<p>So ist nun auf den von der Regierung zur Verf\u00fcgung gestellten 14 Hektar Land ein kleines Dorf entstanden. Schule und Werkst\u00e4tten, Wohn-, Administrations- und G\u00e4steh\u00e4user sowie eine lebenswichtige Kranken- und Entbindungsstation. Ein Projekt, das Leben und Kunst zusammenf\u00fchren soll. Der Traum Christoph Schlingensiefs ist noch nicht ausgetr\u00e4umt. Lob und Anerkennung gelten seiner Lebenspartnerin Aino Laberenz, dem Architekten Francis K\u00e9r\u00e9 und dem ganzen Bau- und Beraterteam. Was als nicht realisierbare K\u00fcnstlerfantasie apostrophiert war, hat sich zu einem realen Entwicklungsprojekt und perspektivischen K\u00fcnstlerzentrum ausgewachsen.<\/p>\n<p><em>Text und Foto: Rainer Kotz<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.suedkurier.de\/nachrichten\/kultur\/themensk\/Schlingensiefs-Traum-wird-Realitaet;art410935,6885532\" target=\"_blank\">S\u00fcdkurier vom 25.04.2014<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das \u201eOperndorf\u201c in Burkina Faso w\u00e4chst. 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