{"id":803,"date":"2013-12-17T16:34:31","date_gmt":"2013-12-17T14:34:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=802"},"modified":"2013-12-17T16:34:31","modified_gmt":"2013-12-17T14:34:31","slug":"rein-ins-leben-nzz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=803","title":{"rendered":"REIN INS LEBEN! (NZZ)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Neue Z\u00fcricher Zeitung \u00fcber die Schlingensief-Ausstellung in den Berliner KunstWerken <\/strong><\/p>\n<p><em>von Dirk Pilz<\/em><\/p>\n<p>Diese Ausstellung h\u00e4tte es bereits vor zwei Jahren geben sollen. Aber damals wollte man nicht dem deutschen Pavillon von Christoph Schlingensief bei der Kunstbiennale Venedig Konkurrenz machen. Nichts sollte an medialer Aufmerksamkeit verloren gehen. Also hat man gewartet \u2013 und jetzt die erste grosse Schau zu Schlingensiefs Schaffen in den Berliner Kunst-Werken er\u00f6ffnet. Schon damals, im Juni 2011, als sein Pavillon den Goldenen L\u00f6wen gewann, wurde Schlingensief einhellig gefeiert. Daran hat sich nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Das war allerdings nicht immer so. Jahrzehntelang wurde Schlingensief als Provokationskasper oder Chaot verunglimpft. Denn seine Arbeiten verweigerten sich hartn\u00e4ckig den \u00fcblichen Kategorien. Filme wie \u00abDas deutsche Kettens\u00e4genmassaker\u00bb (1990) oder \u00abDie 120 Tage von Bottrop\u00bb (1997) wirkten zu ungeschlacht, um auf Gefallen im Kunstbetrieb zu stossen; seine Theaterinszenierungen wie \u00abRocky Dutschke\u00bb an der Berliner Volksb\u00fchne (1996) oder der Z\u00fcrcher \u00abHamlet\u00bb (2001) griffen zu unverbl\u00fcmt die allgemeinen Bewusstseinshaushalte an, um in den g\u00e4ngigen Vorstellungen von Theater aufgehen zu k\u00f6nnen. Schlingensief verunsicherte sein Publikum, weil er immer offenliess, ob es sich bei seinen Aktionen, Inszenierungen, Filmen und Happenings um Kunst oder Agitation, Narretei oder Nonsense handelte. Als K\u00fcnstler ernst genommen wurde er erst in seinen letzten Lebensjahren, vor allem nachdem er seine Krebserkrankung mit so irritierend intensiven und privaten Auff\u00fchrungen wie \u00abEine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir\u00bb bei der Ruhrtriennale 2008 und mit \u00abMea Culpa\u00bb am Burgtheater 2009 \u00f6ffentlich gemacht hatte. Sein Arbeitsmotto dabei: \u00abRein ins Leben!\u00bb<\/p>\n<p>Es ist das grosse Verdienst dieser noch von Schlingensief selbst initiierten Ausstellung, zumindest eine Ahnung solcher Irritationen ins Museum gerettet zu haben. In einem grossen Raum des mehrst\u00f6ckigen Geb\u00e4udes in Berlin-Mitte trifft der Besucher hier auf echte Menschen, die auf Pf\u00e4hlen sitzen. Erinnert wird damit an Schlingensiefs Venediger \u00abChurch of Fear\u00bb. Ein sch\u00f6ner Coup: im Museum sein und der Lebendigkeit der Kunst begegnen. Die Pf\u00e4hle umstellen den \u00abAnimatographen\u00bb, eine Installation auf einer Drehb\u00fchne, die man durchwandern kann. 2006, als dieses Werk in Berlin Station machte, wirkte es seltsam leer, jetzt dagegen kommt es einem wie die Gestalt gewordene Grundgeste der Schlingensief-Kunst vor \u2013 sie dr\u00fcckt vor allem eine Sehnsucht nach Eindeutigkeit und Erl\u00f6sung aus, steht f\u00fcr die verzweifelte Suche nach Auswegen aus den Gef\u00e4ngnissen der Kunst und des eigenen Lebens.<\/p>\n<p>In den anderen R\u00e4umen: viele Fernseher, die Ausschnitte aus Schlingensiefs TV-Shows wie \u00abU 3000\u00bb (2001) oder \u00abTalk 2000\u00bb zeigen. An einer Wand h\u00e4ngt ein Banner seiner einstigen Partei Chance 2000, in einer Vitrine liegt der ber\u00fchmte Bayreuther Stoffhase, der in der \u00abParsifal\u00bb-Inszenierung (2004) mitspielte, ein eigener Raum stellt das Operndorf in Burkina Faso vor. Das sind kaum mehr als Schnipsel aus einem un\u00fcberschaubaren Werk. Eine Retrospektive ist die von Anna-Catharina Gebbers, Susanne Pfeffer und Klaus Biesenbach umsichtig kuratierte Schau nicht, den Anspruch eines repr\u00e4sentativen \u00dcberblicks will sie nicht erf\u00fcllen m\u00fcssen. Aber sie vermittelt einen Eindruck davon, warum diese Kunst auf so viel Ablehnung stiess und dennoch keine Ruhe liess. Und sie versucht damit, das Schlingensief-Schaffen vor der Musealisierung zu bewahren.<\/p>\n<p>Aus: <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/aktuell\/feuilleton\/buehne_konzert\/rein-ins-leben-1.18205131\">NZZ vom 16.12.2013<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Neue Z\u00fcricher Zeitung \u00fcber die Schlingensief-Ausstellung in den Berliner KunstWerken <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/803"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=803"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/803\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=803"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=803"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=803"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}