{"id":794,"date":"2013-12-01T15:15:53","date_gmt":"2013-12-01T13:15:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=781"},"modified":"2013-12-01T15:15:53","modified_gmt":"2013-12-01T13:15:53","slug":"kunstler-christoph-schlingensief-ist-noch-immer-uberall-berliner-morgenpost","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=794","title":{"rendered":"K\u00dcNSTLER CHRISTOPH SCHLINGENSIEF IST NOCH IMMER \u00dcBERALL (BERLINER MORGENPOST)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Was ist von ihm geblieben? Drei Jahre nach seinem Tod gibt es in Berlin in den Kunstwerken an der Auguststra\u00dfe eine Schau \u00fcber den Ausnahmek\u00fcnstler Christoph Schlingensief. <em>Von Gabriela Walde<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/Werkschau_Christoph_Schlingensief_2_.jpg\" width=\"450\" height=\"299\" alt=\"MoPo\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<p>Jetzt, drei Jahre nach seinem Krebstod, endlich, m\u00f6chte man sagen, will eine Retrospektive in den Kunstwerken an Christoph Schlingensief erinnern. Aufzeigen, welche Ma\u00dfst\u00e4be sein Werk gesetzt hat, das so radikal und oft brutal wie kaum ein anderes Kunst und Politik verzahnte. Die erste Frage, die uns umtreibt, als wir uns den Kunstwerken n\u00e4hern ist also: Kann man Christoph Schlingensief musealisieren?<\/p>\n<p>Entkommt das Werk posthum einer Verkl\u00e4rung? L\u00e4uft es Gefahr sich vereinnahmen zu lassen von einer Institution? Oder wird es gar eine Totenmesse? Und hat nicht all seine Kunst vor allem gelebt durch ihn, dem charismatischen Schamanen mit dem so bubenhaften Gesicht?<\/p>\n<p><strong>Straftat oder Aktion?<\/strong><\/p>\n<p>Schon bei Eintritt in den gepflasterten Hof der Kunstwerke ist dann alles anders \u2013 und wir sind mitten drin in Schlingensiefs schlingerndem, raumgreifendem Universum. Ein Muezzin ruft laut zum Gebet in der wei\u00dfen &#8222;Church of Fear&#8220;, die mitten im Weg steht. &#8222;Wir glauben nichts mehr!&#8220; steht da und &#8222;Wir haben Angst&#8220;. Gleich am Entree stehen zwei gestapelte Container, oben auf einem riesigen Schild der Schriftzug: &#8222;Ausl\u00e4nder raus&#8220;. Ein Big-Brother-Relikt einer Polit-Aktion aus \u00d6sterreich.<\/p>\n<p>Die T\u00fcr ist offen, drin wird diskutiert \u00fcber Rechte, Fl\u00fcchtlinge, FP\u00d6 und alles rund ums Thema. Aino Laberenz, Schlingensiefs Witwe, rennt umher, quer \u00fcber den Hof, Treppe runter, Treppe wieder rauf. So als w\u00fcrde sie ihren Christoph suchen. Und komisch, irgendwie ist er pr\u00e4sent, auch wenn ihn jeder an vielleicht anderer Stelle findet. Im Flur des Ausstellungshauses schreit er genervt aus der dritten Etage: &#8222;Super ist es hier oben, warum kommt ihr denn nicht rauf?!&#8220;<\/p>\n<p>Wie war nun seine Kunst? Schlingensief wollte, das Kunst lebt, atmet, jeden Tag, jede Minute, jede verdammte Sekunde. Die Grenzen zwischen den Gattungen, die gab es f\u00fcr ihn nicht. Folgerichtig, bei ihm war ja nichts zu trennen, nicht die Kunst vom Leben und umgekehrt, das war ihm nicht m\u00f6glich. Klaus Biesenbach, der mitkuratiert hat und Schlingensief aus den 90er Jahren kannte als der in den Kunstwerken tempor\u00e4r eine Wohnung hatte, erinnert sich, wie schwer es war mit dessen Werken.<\/p>\n<p>War es Kunst? Leben? Eine Straftat oder eine B\u00fchnenaktion? Das wusste manchmal weder er, die Polizei noch der Richter. &#8222;Diese Fragen zogen sich durch unsere Zusammenarbeit&#8220;, erz\u00e4hlt Biesenbach.<\/p>\n<p>So war es: Schlingensief wurde gehasst (&#8222;T\u00f6tet Kohl! T\u00f6tet M\u00f6llemann!&#8220;), er wurde gefeiert, sp\u00e4ter, als er krank wurde, hatten ihn irgendwie alle lieb. Er fing mit dem Film an, dem &#8222;Kettens\u00e4genmassaker&#8220;, wo eine Metzgerfamilie in der Vereinigungseuphorie Ossis zers\u00e4gt, kam von der Container-Aktion zum Theater, zog auch irre Kreise in den in den Weiten des Internets, stieg auf der Biennale in Venedig auf h\u00f6lzerne Pf\u00e4hle und wurde in Bayreuth mit dem Parsifal im Tempel der Hochkultur empfangen.<\/p>\n<p><strong>St\u00f6rfall im Kulturbetrieb<\/strong><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich war er ein \u00f6ffentlich legitimierter &#8222;St\u00f6rfall&#8220; im Kulturbetrieb. Am Ende gab es f\u00fcr ihn ein Paradies, und das hie\u00df Afrika. Drei Kuratoren und Aino Laberenz haben die Schau betreut. Das hat ihr gut getan, wohl auch der zeitliche Abstand zu seinem Tod. Der Blick auf das Werk ist klar, pr\u00e4zise strukturiert sch\u00e4len sich hier Motive, Leitideen und Entwicklungen im riesigen Oeuvre heraus.<\/p>\n<p>W\u00e4re die Ausstellung ein Film, w\u00fcrde man sagen, die Bilder sind schnell und hart geschnitten. Politische Aktionen, Filme und im magischen Zentrum der gro\u00dfen Halle der gigantische Animatograph. Eine Drehb\u00fchne, in die jeder hineingehen kann. Alles einzeln oder alles zusammen \u2013 hier flie\u00dfen die Dinge zusammen. Deutlich wird auch, wie bildnerisch Schlingensief gearbeitet hat, dass die Verbindung zur bildenden Kunst enger ist, als man dachte. Dass sein Werk immer noch aktuell ist und f\u00fcr sich alleine funktioniert. Allerdings kommt das Theater zu kurz, allein Plakate an der Wand erz\u00e4hlen von den Volksb\u00fchnen-Inszenierungen.<\/p>\n<p>&#8222;Ich habe nicht mehr viel zu sagen&#8220;, meint am Ende der Pressekonferenz Aino Laberenz. Muss sie auch nicht. Schlingensiefs Kunst lebt, und immer weiter. Wer h\u00e4tte das gedacht, in seinem Operndorf in Burkina Faso gehen mittlerweile 150 Kinder zur Schule.<\/p>\n<p>Kunstwerke, Auguststr. 69, Mitte<br \/>\nEr\u00f6ffnung: an diesem Sonnabend (30. November 2013), 17 &#8211; 22 Uhr. Mi &#8211; Mo 12 &#8211; 19 Uhr. Do 12 &#8211; 21 Uhr. Bis 19. Januar 2014.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.morgenpost.de\/kultur\/berlin-kultur\/article122420504\/Kuenstler-Christoph-Schlingensief-ist-noch-immer-ueberall.html#\" target=\"_blank\">Berliner Morgenpost vom 30.11.13<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist von ihm geblieben? 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