{"id":782,"date":"2013-12-01T17:04:15","date_gmt":"2013-12-01T15:04:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=782"},"modified":"2013-12-01T17:04:15","modified_gmt":"2013-12-01T15:04:15","slug":"berlin-schaut-auf-christoph-schlingensief-dlf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=782","title":{"rendered":"BERLIN SCHAUT AUF CHRISTOPH SCHLINGENSIEF (DLF)"},"content":{"rendered":"<p><strong>In Berlin ist eine Gesamtschau auf das Werk von Christoph Schlingensief er\u00f6ffnet worden: Filme, Theaterst\u00fccke, Opern und provokative Aktionen. Was h\u00e4tte der 2010 verstorbene K\u00fcnstler wohl noch alles gemacht, wenn ihm mehr Zeit geblieben w\u00e4re?<\/strong><\/p>\n<div style=\"padding-top:20px;padding-bottom:25px;\"><object type='application\/x-shockwave-flash' data='..\/mediathek\/dewplayer.swf?mp3=http:\/\/www.schlingensief.com\/downloads\/2013-11-30_Berlin_schaut_auf_Christoph_Schlingensief_dlf_20131130_1742_156bcd8a.mp3&amp;autostart=1' width='450' height='20'><param name='movie' value='..\/mediathek\/dewplayer.swf?mp3=2013-11-30_Berlin_schaut_auf_Christoph_Schlingensief_dlf_20131130_1742_156bcd8a.mp3&amp;autostart=1' \/><\/object><\/div>\n<p>Die Neuigkeit \u00fcber Schlingensief ist: diese Ausstellung. Sie ist zwar nicht die erste \u00dcberblicksschau \u00fcber sein Werk, aber was auf seinen Tod im August 2010 folgte, war &#8211; einschlie\u00dflich seiner Bespielung des Deutschen Pavillons auf der Biennale in Venedig 2011 &#8211; doch eher eine Reihe von Gedenkveranstaltungen. Diese Ausstellung von MoMA PS1 in New York und den Kunstwerken Berlin ist die erste, in der die Vielfalt von Werken und T\u00e4tigkeitsfeldern Schlingensiefs st\u00e4rker ausgebreitet wird, filmische Projekte von seiner Fr\u00fchzeit an, installative Arbeiten und Aktionen im \u00f6ffentlichen Raum der sp\u00e4teren Jahre, auch seine Theaterprojekte werden zumindest gestreift. Ein Aspekt r\u00fcckt dabei als Gegensatz zu den bisherigen Gedenkschauen in den Mittelpunkt: W\u00e4hrend Schlingensief unmittelbar nach seinem Tod mit viel Timbre als K\u00fcnstler verteidigt wurde, bezieht sich diese Ausstellung explizit auf Schlingensief in seinem ewigen &#8222;Zwischen-allen-St\u00fchlen\u201c-Status; auf seine Erfolglosigkeit, in einem klassischen Kunstgenre unterzukommen, &#8222;Scheitern als Chance\u201c, auf seine Weigerung, schlussendlich selbst weder K\u00fcnstler im engeren Sinn sein zu wollen. Klaus Biesenbach, der fr\u00fchere Leiter der Kunstwerke Berlin, erinnert sich an Schlingensiefs berechtigte Skepsis gegen\u00fcber dem Kunstbetrieb und seine Gegenwehr gegen\u00fcber jeder Vereinnahmung. Das d\u00fcrfte ein Grund daf\u00fcr sein, weshalb seine Arbeit manchen heute als die &#8222;wahre\u201c Kunst erscheinen m\u00f6chte. Schlingensief, so scheint es, l\u00e4sst alle Schwellenangst vor dem Kunstbetrieb produktiv erscheinen. &#8222;Angst ist Macht\u201c, hei\u00dft es doch in seinem Werbevideo zur &#8222;Kirche der Angst\u201c.<\/p>\n<p>&#8222;The Church of Fear says: Fear is Power! Have fear! Here is what Church of Fear members say: The Church of Fear has completely changed my life \u2013 because I suddenly realized that I had to use my fear. I own my fear. I want to give it to anybody else. I want that my fear be included by other people. It\u2019s my fear. I want my fear. I have fear. I say \u201aYes\u2018 to my fear.&#8220;<\/p>\n<p>Schlingensiefs Arbeiten sind nie so streng, um den formalen Kriterien eines Genres ohne Weiteres zu gen\u00fcgen, aber zugleich zeugen sie eben vom Willen zu einer ganz bewussten Formlosigkeit. &#8222;Scheitern als Chance\u201c: Wenn man bem\u00e4ngelt, dass Schlingensief sich zu sehr mit Tagesaktualit\u00e4ten, Kunst-Pointen und Mediengeschichten abgegeben hat, l\u00e4uft dieser Vorwurf ins Leere, denn Schlingensief wollte ja dezidiert nie anderes machen und anderes sein, als er machte und war &#8211; wie andere sein Werk daraufhin einordnen, ist nachrangig. Niemand muss ihn auch deshalb mit akademischem Pathos als neuen Joseph Beuys verteidigen. Zuviel der Ehre f\u00fcr einen, der es auf solche Ehren nie abgesehen hatte.<\/p>\n<p>Insofern ist diese Ausstellung f\u00fcr den heutigen Stand der Dinge gelungen &#8211; man begegnet noch einmal allen bekannten und Schl\u00fcsselarbeiten auf einen Schlag, vom &#8222;Kettens\u00e4genmassaker\u201c \u00fcber den &#8222;Animatographen\u201c bis zum &#8222;Operndorf\u201c und dazu etlichen, die man in ihrer zittrigen filmischen Fl\u00fcchtigkeit vielleicht noch nie gesehen hat. Der apologetische Furor der letzten Jahre ist einer eher n\u00fcchternen, interessierten Betrachtung gewichen. Einstweilen ist Schlingensief mit seinen Themen erst einmal noch immer &#8222;tagesaktuell\u201c &#8211; Ausl\u00e4nderhass, Politikverdruss, Kapitalismuskritik, Religionskampf.<\/p>\n<p>Trotzdem gibt es ein methodisches Problem: Sowohl die Kunstwerke Berlin als auch das PS1 sind schlie\u00dflich ausgewiesene Institutionen f\u00fcr Gegenwartskunst. Schlingensief hat zwar schon zu Lebzeiten in gro\u00dfen Museen ausgestellt, aber doch das Kunstsystem an diesen Orten stets kritisch mitgedacht. Wenn Kunstwerke und PS1 ihn posthum ausstellen und ihn nolens volens doch wieder f\u00fcr den Kunstbereich vereinnahmen, durchkreuzen sie damit unweigerlich ihren eigenen kuratorischen Ansatz, ihn gerade als den ewigen Au\u00dfenseiter zu zeigen. Es gibt wohl kaum ein Werk der j\u00fcngsten Zeit, bei dem allein der Ausstellungsort so sehr die Deutung dieses Werkes bestimmt, wie im Fall von Christoph Schlingensief.<\/p>\n<p><em>Von Carsten Probst, <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/retrospektive-berlin-schaut-auf-christoph-schlingensief.691.de.html?dram:article_id=270675\" target=\"_blank\">Deutschlandfunk Kultur heute \/ Beitrag vom 30.11.2013<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Berlin ist eine Gesamtschau auf das Werk von Christoph Schlingensief er\u00f6ffnet worden: Filme, Theaterst\u00fccke, Opern und provokative Aktionen. 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