{"id":781,"date":"2013-11-29T13:48:13","date_gmt":"2013-11-29T11:48:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=771"},"modified":"2013-11-29T13:48:13","modified_gmt":"2013-11-29T11:48:13","slug":"dem-tod-davonlaufen-art","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=781","title":{"rendered":"DEM TOD DAVONLAUFEN (ART MAGAZIN)"},"content":{"rendered":"<p><strong>F\u00fcr Christoph Schlingensief waren Leben und Kunst eins. So wurde er zu Deutschlands umstrittensten Provokateur. Eine Ausstellung in den Berliner Kunst-Werken zeigt jetzt die \u00fcberbordende Schaffenswut des 2010 verstorbenen K\u00fcnstlers.<\/strong><\/p>\n<p>Man kann hier nicht einfach nur abhauen! Es muss ein gr\u00f6\u00dferer Gedanke in einem sein, der fragt: &#8222;Was ist aus dir geworden? Was hast du \u00fcberhaupt gemacht hier? Wo sind deine Energien geblieben?&#8220;<\/p>\n<p>Als Christoph Schlingensief das in einem Interview mit dem ZDF sagte, hatte er bis zu seinem Krebstod im August 2010 im Alter von 49 Jahren noch anderthalb Jahre. Nicht viel Zeit f\u00fcr jemanden, dessen radikale, \u00fcberbordende Schaffenswut jeden Rahmen sprengte. Zeitlebens verausgabte sich Schlingensief, als k\u00f6nne er dem Tod davonlaufen, um dann doch viel zu fr\u00fch zu vergl\u00fchen. Und er hatte Recht: Was bleibt von einem, dessen Leben und Kunst eins waren? Der deutsche Politik und Kirche, Familie und Faschismus, Joseph Beuys und Richard Wagner, Illusion in der Kunst und Verdr\u00e4ngungsprozesse im Leben in ein h\u00f6chstpers\u00f6nliches Pand\u00e4monium zwischen B\u00fchne, Film, Ausstellungsraum und Stra\u00dfe verwandelte? Wie erinnert man an den, der bei der documenta 1997 zur T\u00f6tung Helmut Kohls aufrief, verhaftet wurde und kurz darauf mit seiner Partei CHANCE 2000 Junkies und Arbeitslose zur Wahlurne rief? Der 2004 im b\u00fcrgerlichen Bayreuth den &#8222;Parsifal&#8220; als Apokalypse im Gro\u00dfstadtm\u00fcll inszenierte, um drei Jahre sp\u00e4ter die Wagner-Oper &#8222;Der Fliegende Holl\u00e4nder&#8220; in den brasilianischen Regenwald zu holen? Der ein riesiges R\u00f6ntgenbild seiner gemarterten Lunge auf die B\u00fchne brachte, ein Sterbetagebuch schrieb und nebenbei ein Operndorf in Burkina Faso ins Leben rief? Die Berliner Kunst-Werke haben sich nun dieser Mammutaufgabe angenommen und w\u00fcrdigen Deutschlands umstrittensten Provokateur, der 2011 als erster K\u00fcnstler postum den Goldenen L\u00f6wen der Biennale von Venedig erhielt, mit einer gro\u00dfen Retrospektive. Kuratiert von Klaus Biesenbach, Anna-Catharina Gebbers und Susanne Pfeffer, nimmt sie erstmals die bildnerische Komplexit\u00e4t seines Gesamtkunstwerks ins Visier. &#8222;Der Schwerpunkt liegt auf Installationen und Filmen, die seine Aktionen dokumentieren&#8220;, so Susanne Pfeffer, die die Ausstellung eigentlich im Jahr von Schlingensiefs Venedig-Auftritt 2011 geplant hatte. Heute gibt sie eben dem gro\u00dfen Gedanken Raum, um den es Schlingensief stets ging: Die Eigenverantwortlichkeit des Menschen in einer Gesellschaft des Spektakels. Ohne Bevormundung oder erhobenen Zeigefinger bekam er sie stets dort zu fassen, wo sie sich Simulationen und Ablenkungsman\u00f6vern hingibt.<\/p>\n<p><i>Von <a href=\"http:\/\/www.art-magazin.de\/kunst\/67632\/christoph_schlingensief_berlin\" target=\"_blank\">Gesine Borcherdt, art Kunstmagazin<\/a><\/i><\/p>\n<div style=\"padding-top:15px;\"><b>Christoph Schlingensief<\/b><br \/>\nTermin: 1.12.\u201319.1.14, Berlin, KW Institute for Contemporary Art<br \/>\nEs wird ein Katalog erscheinen.<br \/>\nWeitere Station: ab M\u00e4rz 2014, MoMA PS1, New York<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.kw-berlin.de\" target=\"_blank\">www.kw-berlin.de<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr Christoph Schlingensief waren Leben und Kunst eins. So wurde er zu Deutschlands umstrittensten Provokateur. 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