{"id":756,"date":"2013-02-23T15:54:48","date_gmt":"2013-02-23T13:54:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=755"},"modified":"2013-02-23T15:54:48","modified_gmt":"2013-02-23T13:54:48","slug":"afrika-feiert-sein-kino-dw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=756","title":{"rendered":"AFRIKA FEIERT SEIN KINO (DW)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Burkina Faso fiebert dem FESPACO entgegen: Das gr\u00f6\u00dfte panafrikanische Filmfestival beginnt an diesem Samstag. Auch Sibylle Dahrendorfs &#8222;Knistern der Zeit \u2013 Christoph Schlingensief und sein Operndorf in Burkina Faso&#8220; wird gezeigt.<\/strong><\/p>\n<p>B\u00e4nke und St\u00fchle werden durch die Gegend gekarrt, ausl\u00e4ndische Journalisten stapfen durch den roten Staub. In der Stadt gibt es nur noch ein Thema: das 23. FESPACO (Festival panafricain du cin\u00e9ma et de la t\u00e9l\u00e9vision). Seit Wochen fiebert die Hauptstadt Ouagadougou diesem Samstag (23.02.2013) entgegen &#8211; dem Moment, wo die Aufmerksamkeit der internationalen Filmwelt eine Woche lang nur ihr geh\u00f6rt. Zehntausende Besucher werden erwartet. In diesem Jahr feiert die Biennale au\u00dferdem einen neuen Rekord: So viele afrikanische Filme wie nie zuvor schafften es in die Vorauswahl &#8211; allein in der Sektion Spielfilm wurden 19 Streifen aus 14 afrikanischen L\u00e4ndern nominiert. Bei der Vorstellung des Programms versprach Festival-Leiter Ardiouma Soma &#8222;eine Reise durch alle Widerspr\u00fcche Afrikas: Das lachende Afrika, das weinende Afrika, das sich entwickelnde Afrika.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Was die Menschen in Afrika bewegt<\/strong><\/p>\n<p>Mit dabei sind renommierte Regisseure wie Alain Gomis aus dem Senegal, der Mauretanier Abderrahmane Sissako und Mahamat Saleh Haroun aus dem Tschad. Zu den hei\u00df gehandelten Kandidaten in der Sektion Spielfilm geh\u00f6ren drei Filme, die auch bei den diesj\u00e4hrigen Filmfestspielen in Cannes zu sehen waren: &#8222;La Pirogue&#8220; (Das Fischerboot) des Senegalesen Moussa Tour\u00e9 erz\u00e4hlt die dramatische \u00dcberfahrt eines Fischerboots von Senegal nach Spanien. In &#8222;Le Repenti&#8220; (Der Reum\u00fctige) des algerischen Regisseurs Marzak Allouache geht es um einen ehemaligen Terroristen, der am Wiedereinstieg in sein normales Leben scheitert. &#8222;Les Chevaux de Dieu&#8220; (Die Pferde Gottes) des Marrokaners Nabil Ayouch handelt von zwei Jungen, die von Islamisten manipuliert werden und sich als Selbstmordattent\u00e4ter in den Tod schicken lassen.<\/p>\n<p><strong>Diesj\u00e4hriges Gastland: Gabun<\/strong><\/p>\n<p>Besonders im Mittelpunkt steht Gabun als Gastland des FESPACO: Das westafrikanische Land hat den afrikanischen Film entscheidend mitgepr\u00e4gt &#8211; jetzt erlebt es einen Neustart mit Henri Joseph Koumbas &#8222;Le collier du Makoko&#8220;, einer turbulenten Geschichte um ein Goldcollier, einen L\u00f6wen und einen Waisenjungen. Auch drei deutsche Filme werden in Ouagadougou gezeigt: Sibylle Dahrendorfs &#8222;Knistern der Zeit \u2013 Christoph Schlingensief und sein Operndorf in Burkina Faso&#8220;, &#8222;Drama Consult&#8220; von Dorothee Wenner und Desir\u00e9e von Trothas &#8222;Woodstock in Timbuktu&#8220;. <\/p>\n<p>Vor 44 Jahren fand die Biennale zum ersten Mal statt: Damals traten gerade einmal 24 Filme an &#8211; heute sind es 101. Das FESPACO ist zur festen Gr\u00f6\u00dfe f\u00fcr afrikanische Filmschaffende geworden. Man trifft sich, tauscht sich aus, wird entdeckt. Im Gegensatz zum Glitzer und Glamour der Berlinale oder den Filmfestspielen von Cannes ist die Atmosph\u00e4re in Ouagadougou v\u00f6llig ungezwungen \u2013 nicht selten begegnet man den Schauspielern und Regisseuren zuf\u00e4llig im Caf\u00e9 oder auf der Stra\u00dfe.<\/p>\n<p><strong>Afrikanisches Kino in finanzieller Dauerkrise<\/strong><\/p>\n<p>Ein Problem begleitet das Festival allerdings seit seinem Bestehen: Das afrikanische Kino k\u00e4mpft seit jeher mit Unterfinanzierung und ist auf fremde Filmf\u00f6rderung und Koproduktionen mit dem Ausland angewiesen. Au\u00dferhalb des Kontinents sind die Filme kaum zu sehen, auf dem internationalen Markt machen sie gerade einmal drei Prozent aus. Auch das Festival selbst wird zu einem Gro\u00dfteil von der Europ\u00e4ischen Union finanziert. Ein Zeichen wollen die Veranstalter daher mit dem diesj\u00e4hrigen Motto setzen: &#8222;Afrikanisches Kino und \u00f6ffentliche Kulturf\u00f6rderung in Afrika&#8220;. Zahlreiche Veranstaltungen widmen sich dem Thema, darunter eine Konferenz mit Politikern und Kulturschaffenden.<\/p>\n<p><strong>Angst vor Terror aus Nachbarland Mali<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcberschattet wird das Festival von der Lage im Nachbarland Mali. Der malische Filmemacher Ibrahima Tour\u00e9 reist trotzdem nach Ouagadougou und zeigt seinen Film &#8222;Toiles d&#8217;araign\u00e9e&#8220; (Spinnennetz), in dem er die Geschichte eines jungen M\u00e4dchens erz\u00e4hlt, das sich gegen seine Zwangsheirat mit einem alten Mann wehrt. Burkina Faso bef\u00fcrchtet, das &#8222;gr\u00f6\u00dfte Filmereignis der Welt&#8220; (Financial Times Deutschland) k\u00f6nnte zur Zielscheibe f\u00fcr Angriffe malischer Islamisten werden. Die betrachten westliche Kultur &#8211; also auch Kino &#8211; als S\u00fcnde. Und sp\u00e4testens seit dem blutigen Geiseldrama auf dem algerischen \u00d6lfeld gelten Orte, an denen sich westliche Ausl\u00e4nder aufhalten, als besonders gef\u00e4hrdet. Zum Krisengebiet sind es von Ouagadougou aus nur rund 300 Kilometer. Vorsorglich haben die Organisatoren die Zahl der Veranstaltungsorte reduziert, Polizei und Gendarmerie ihre Sicherheitsma\u00dfnahmen verst\u00e4rkt. Kommissar Felix Tignegr\u00e9 und seine Truppe inspizieren Kinos\u00e4le und Hotels. Im riesigen Stadion &#8222;4. August&#8220;, wo die Er\u00f6ffnung und die Abschlussfeier stattfinden, spricht Tignegr\u00e9 mit den Organisatoren. Seine Leute inspizieren das umliegende Gel\u00e4nde. &#8222;Wir haben tats\u00e4chlich einige sensible Punkte ausgemacht, die vor dem Festival noch mal gepr\u00fcft werden m\u00fcssen&#8220;, sagt Tign\u00e9gr\u00e9. &#8222;Vor allem im n\u00f6rdlichen Teil m\u00fcssen wir Leute positionieren, weil sich in den Hecken und B\u00e4umen Eindringlinge verstecken k\u00f6nnten.&#8220;<\/p>\n<p>Eine neu gegr\u00fcndete Eliteeinheit soll w\u00e4hrend der Veranstaltung f\u00fcr Sicherheit sorgen. Die Polizisten wurden &#8211; unter anderem durch Spezialkr\u00e4fte der franz\u00f6sischen Polizei &#8211; ausgebildet f\u00fcr den Einsatz bei Geiselnahmen und Terroranschl\u00e4gen. &#8222;Wir glauben, dass sie bestens ausger\u00fcstet sind, damit wir uns sicher f\u00fchlen k\u00f6nnen&#8220;, erkl\u00e4rt Roger Zango, Generaldirektor der Polizei von Burkina Faso.<\/p>\n<p>Ouagadougou f\u00fchlt sich also bereit f\u00fcr sein gro\u00dfes Filmfest &#8211; das Rennen um den goldenen &#8222;Hengst von Yennenga&#8220; kann beginnen.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.dw.de\/afrika-feiert-sein-kino\/a-16621825\">DW.DE, 23.02.2013<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Burkina Faso fiebert dem FESPACO entgegen: Das gr\u00f6\u00dfte panafrikanische Filmfestival beginnt an diesem Samstag. 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