{"id":740,"date":"2012-11-05T13:27:41","date_gmt":"2012-11-05T11:27:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=740"},"modified":"2012-11-05T13:27:41","modified_gmt":"2012-11-05T11:27:41","slug":"schlingensief-archiv-eroffnet-fr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=740","title":{"rendered":"SCHLINGENSIEF-ARCHIV ER\u00d6FFNET (FR)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Akademie der K\u00fcnste in Berlin hat am Wochenende das Archiv des Theatermachers Christoph Schlingensief ge\u00f6ffnet. Regisseur Wim Wenders, viele andere Filmschaffende und Schlingensiefs Witwe Aino Laberenz waren gekommen.<\/strong><\/p>\n<p>Die Akademie der K\u00fcnste und Christoph Schlingensief? Ein Institut f\u00fcr Kunst und ein Mensch, dessen Leben darin bestand, die Kunst von der Kunst zu befreien? Unwahrscheinlicher k\u00f6nnte eine Liaison kaum sein. Allerdings hatte Schlingensief gerade f\u00fcr \u201eUnwahrscheinlichkeiten\u201c gr\u00f6\u00dfte Sympathien. Ja, sie waren Geburtskanal seiner Lebenskunst; Besch\u00fctzerinstinkte f\u00fcr die Relikte derselben pflegte er allemal. Also war es doch gar nicht so unwahrscheinlich, dass Schlingensief vor gut drei Jahren, als der Krebs \u00fcber ihn zu siegen begann, die Akademie als Bewahrerin entdeckte f\u00fcr sein \u201eArchiv\u201c. Kisten voller Chaos waren das: Gegenst\u00e4nde, Fotos, Zeitungsschnipsel und viele Ton- und Filmb\u00e4nder.<\/p>\n<p>\u201eDie Umgebung wird zum Werk und das Werk zur Umgebung\u201c, war eines der Motti der Schlingensief- Kunst, weshalb jedes kleine Ding in diesem Kosmos genauso wichtig ist, wie eine Notiz im offiziellen Regiebuch. Auch nach knapp zwei Jahren Archivarbeit ist daher noch nicht alles registriert. Dennoch wurde es am vergangenen Wochenende zur Nutzung ge\u00f6ffnet mit einem \u201eAbend f\u00fcr Schlingensief\u201c, der das Unm\u00f6gliche dieses Archivs gut abbildete. Der Archivgedanke spielte kaum eine Rolle, daf\u00fcr galt das Prinzip der Lebendigkeit und Widerspr\u00fcchlichkeit: Mut zum Augenblick, zur Doppelbelichtung, zum Fehler.<\/p>\n<p>Angemessen unroutiniert las denn auch der Schauspieler Martin Eder auf einer Drehb\u00fchne aus Schingensiefs Quasi-Memoiren \u201eIch wei\u00df, ich war\u2019s\u201c. Man h\u00f6rte herrliche S\u00e4tze wie: Nur dort, wo \u201ezusammenkommt, was nicht zusammen geh\u00f6rt\u201c, kann Gro\u00dfartiges entstehen. Der Abend bot sch\u00f6ne schrille Schlingensief-Momente. Film-Einspieler von seiner \u201eKirche der Angst\u201c (2008) und parodistische Dreimin\u00fcter, mit denen der junge Filmemacher 1990 den WDR traktierte, verspr\u00fchten sofort jene Energie und Geistessch\u00e4rfe, die Schliengensiefs Aktionen \u00fcber Normalma\u00df hinaus trieben. Der Ton schonungsloser Ehrlichkeit, den diese Szenen anstimmten, r\u00fcckte auch die Schlingensief-Kommentierer, die nacheinander auf der Drehscheibe Platz nahmen, schnell in ihre Positionen. Der gro\u00dfe Film-Inspirator Werner Nekes berichtete wenig \u00fcber seinen Sch\u00fcler, aber viel \u00fcber dessen Bewunderung f\u00fcr ihn. J\u00fcrgen Flimm \u00fcbersch\u00fcttete seine Recklinghauser Theater-Erinnerungen mit Sentimentalit\u00e4t, und Wim Wenders verstand Schlingensiefs im Buch verewigte Entt\u00e4uschung \u00fcber ihn in Sympathie f\u00fcr sich umzum\u00fcnzen.<\/p>\n<p>Das alles w\u00e4re nur am\u00fcsant und gut gemeint geblieben, h\u00e4tte Patti Smith die Drehb\u00fchne am Ende nicht noch angehalten und ein paar Augenblicke echter Schlingensief-Kunst entstehen lassen. Zwar habe sie von all dem, was bisher geredet wurde, kein Wort verstanden (\u00fcbersetzt wurde nicht), aber sie fand es wunderbar. Auch mit Christoph, der kaum Englisch konnte, habe sie ja kaum gesprochen, ihn dennoch verstanden. Und wenn man ihr dann zuh\u00f6rte, wie sie \u00fcber Bayreuth sprach, wie ihre anf\u00e4ngliche Ablehnung seines \u201eParsifal\u201c sich in Faszination wandelte und dass die Konfrontation fremder Blicke n\u00f6tig sei, um Neues zu schaffen, merkte man, dass es kaum eine bessere \u00dcbersetzerin f\u00fcr Schlingensief gibt als sie. <\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/kunst\/akademie-der-kuenste-berlin-schlingensief-archiv-eroeffnet,1473354,20788316.html\">Frankfurter Rundschau<\/a> vom 5.11.2012, Von Doris Meierhenrich<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Akademie der K\u00fcnste in Berlin hat am Wochenende das Archiv des Theatermachers Christoph Schlingensief ge\u00f6ffnet. 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