{"id":732,"date":"2012-10-20T08:01:10","date_gmt":"2012-10-20T06:01:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=732"},"modified":"2012-10-20T08:01:10","modified_gmt":"2012-10-20T06:01:10","slug":"kunst-ist-eine-mutprobe-sz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=732","title":{"rendered":"KUNST IST EINE MUTPROBE (SZ)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Doppelbelichtung als Versuch, Unterschwelliges sichtbar zu machen: Das war f\u00fcr den 2010 verstorbenen K\u00fcnstler Christoph Schlingensief eine Weltanschauung. Sprunghaft wie seine Arbeiten sind auch die Erinnerungen &#8211; aus dieser Unsch\u00e4rfe gewinnt seine Autobiografie ihren Reiz.<\/strong><\/p>\n<p>Eines der Opfer des digitalen Zeitalters ist die Doppelbelichtung. Die Tante, die \u00fcber ihrer Torte schwebt, das Auto zwischen Schwimmreifen im Adriawasser, Papa und Mama als Doppelgeist, diese bizarren Produkte des Zufalls hat der Perfektionsdrang der Fototechnik als Erscheinungen aussortiert. Bei Christoph Schlingensief allerdings hat dieser sch\u00f6ne Fehler der mechanischen Camera \u00fcberlebt: als Schl\u00fcsselerlebnis seiner Kindheit wurde daraus nicht nur eine Werkidee, sondern eine Weltanschauung.<\/p>\n<p>Es war das &#8222;Revolutionsjahr&#8220; 1968, als die dreik\u00f6pfige Kleinfamilie Schlingensief Papas Urlaubsfilme ansehen wollte und pl\u00f6tzlich fremde Menschen \u00fcber die B\u00e4uche von Mutter und Kind am Strand marschierten. Der damals Achtj\u00e4hrige, so erinnerte sich Schlingensief bei verschiedenen Anl\u00e4ssen, reagierte mit Begeisterung auf diese &#8222;falschen&#8220;, zweifach belichteten Bilder. Dass dieses Kapitel in der Autobiografie Christoph Schlingensiefs, &#8222;Ich wei\u00df, ich war&#8217;s&#8220;, als &#8222;Die Urszene&#8220; figuriert, erkl\u00e4rt mehr, als es solche Kindheitsanekdoten f\u00fcr gew\u00f6hnlich tun.<\/p>\n<p>Denn in diesem Moment im Wohnzimmer wirkten drei Dinge zusammen, die das sp\u00e4tere ausufernde Schaffen von Christoph Schlingensief gepr\u00e4gt haben: der Zufall (als Einbruch des Lebens in die Inszenierung), die Verst\u00f6rung (als Chance, das Denken zu \u00e4ndern) und das Prinzip der Mehrfachbelichtung (als \u00c4sthetik des Zweifelns). Schlingensiefs lebenslanger Arbeitsstil der spontanen, assoziativen Mutprobe wurzelt in diesen Komponenten, seine provozierenden Methoden, um unterschwellige Themen der Gesellschaft sichtbar zu machen, finden ihren Urknall in diesem Erlebnis.<\/p>\n<p>Lesen Sie den vollst\u00e4ndigen Artikel unter <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/2.220\/autobiografie-von-christoph-schlingensief-kunst-ist-eine-mutprobe-1.1500262\" target=\"_blank\">www.sueddeutsche.de<\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/2.220\/autobiografie-von-christoph-schlingensief-kunst-ist-eine-mutprobe-1.1500262\" target=\"_blank\">SZ vom 19.10.2012<\/a>, von Till Briegleb<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Doppelbelichtung als Versuch, Unterschwelliges sichtbar zu machen: Das war f\u00fcr den 2010 verstorbenen K\u00fcnstler Christoph Schlingensief eine Weltanschauung. Sprunghaft wie seine Arbeiten sind auch die Erinnerungen &#8211; aus dieser Unsch\u00e4rfe gewinnt seine Autobiografie ihren Reiz.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/732"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=732"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/732\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=732"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=732"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=732"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}