{"id":730,"date":"2012-10-16T11:05:52","date_gmt":"2012-10-16T09:05:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=730"},"modified":"2012-10-16T11:05:52","modified_gmt":"2012-10-16T09:05:52","slug":"christoph-schlingensief-ich-weis-ich-wars-br2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=730","title":{"rendered":"CHRISTOPH SCHLINGENSIEF: ICH WEI\u00df, ICH WAR&#8217;S (BR2)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Buch ist so,&#8220;wie die Arbeiten von Christoph Schlingensief waren: Es ist witzig und melancholisch. Und: Es macht noch einmal dankbar, dass es einen solchen, wie ihn gab&#8220;, findet Sven Ricklefs.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wollte Christoph Schlingensief nur um der Provokation Willen provozieren oder geh\u00f6rte er vielleicht doch zu den letzten deutschen Moralisten? Die ungeheure Produktivit\u00e4t des Regisseurs wirkt \u00fcber seinen fr\u00fchen Tod hinaus. Gerade ist unter dem Titel &#8222;Ich wei\u00df, ich war&#8217;s&#8220; posthum eine Sammlung von Bildern und Texten Schlingensiefs erschienen.<\/strong> <\/p>\n<div style=\"padding-top:20px;padding-bottom:25px;\"><object type='application\/x-shockwave-flash' data='..\/mediathek\/dewplayer.swf?mp3=http:\/\/www.schlingensief.com\/downloads\/2012-10-15_br2_ich_weiss_ich_wars_121015_0000_kulturWelt_Christoph-Schlingensief-Ich-weiss-ich-wars.mp3&amp;autostart=1' width='450' height='20'><param name='movie' value='..\/mediathek\/dewplayer.swf?mp3=2012-10-15_br2_ich_weiss_ich_wars_121015_0000_kulturWelt_Christoph-Schlingensief-Ich-weiss-ich-wars.mp3&amp;autostart=1' \/><\/object><\/div>\n<p>Die Auswahl und Zusammenstellung der Texte musste posthum Christoph Schlingensiefs Witwe besorgen. Den Titel f\u00fcr dieses Buch hat er noch selbst gefunden, und damit vielleicht das Credo seiner eigenen Arbeit hinterlassen: &#8222;Ich wei\u00df, ich war&#8217;s&#8220; &#8211; ein Bekenntnis, ein Statement, das f\u00fcr sein Leben ebenso gilt wie f\u00fcr das, was er geschaffen hat. Vielleicht kaum ein gro\u00dfer K\u00fcnstler der letzten Jahrzehnte ist in seinem Werk so egomanisch von sich selbst ausgegangen wie Christoph Schlingensief. Und kaum einer reichte dabei so radikal mit seinen Filmen, seinem Theater, seiner Kunst in die Gesellschaft hinein wie er.<\/p>\n<p><strong>Radikale Selbstent\u00e4u\u00dferung<\/strong><\/p>\n<p>Die Lust an der Provokation trieb Schlingensief ebenso an wie der Selbstzweifel. Aus den eigenen \u00c4ngsten schlug er ebenso Funken wie aus der Verzweiflung \u00fcber das, was man gemeinhin als gesellschaftliche Zust\u00e4nde bezeichnet. <\/p>\n<p>Am Anfang war es etwa die eigene Familie, an der sich Christoph Schlingensief abarbeitete: die Herkunft, die Heimatstadt Oberhausen, der katholische Glaube. Oder aber jenes Deutschland, das glaubte, sich in ebenso sauberer wie klinisch distanzierter Vergangenheitsbew\u00e4ltigung das Dritte Reich aus den Annalen entfernen zu k\u00f6nnen. Am Schluss war es die eigene Krankheit, der Krebs, den er in radikaler Selbstent\u00e4u\u00dferung ebenso wie egomanischer Selbstbespiegelung zum Gegenstand seiner Arbeiten machte. Etwa in seinem gro\u00dfartigen Projekt &#8222;Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir&#8220;, das auch eine Persiflage war auf das eigene Leiden und die eigene Angst vor dem Tod.<\/p>\n<p><strong>Vom Gr\u00fcnen H\u00fcgel bis zum Operndorf in Afrika<\/strong><\/p>\n<p>Mit seinem anr\u00fchrenden Krebs-Tagebuch &#8222;So sch\u00f6n wie hier kanns im Himmel gar nicht sein&#8220; ging Christoph Schlingensief kurz vor seinem fr\u00fchen Tod auf Lesereise und las auf den Veranstaltungen dann doch nicht, sondern erz\u00e4hlte: von sich, dachte nach, monologisierte \u00fcber das, was er bisher getan hatte, und \u00fcber das, was er noch vorhatte. <\/p>\n<p>Der Wahnsinn von Bayreuth kommt in diesem Buch zu seinem Recht. Der Gr\u00fcne H\u00fcgel, wo Schlingensief Wagners &#8222;Parsifal&#8220; inszenierte, oder auch das Operndorf in Burkina Faso, diese Mischung aus Kunstidee und Engagement, diese soziale Plastik in der so vieles zusammenl\u00e4uft, was Schlingesiefs Leben und Werk bestimmt hat.<\/p>\n<p>Die Abschriften und Tonmitschnitte dieser Lesereise-Monologe sind nun ebenso in &#8222;Ich wei\u00df, ich war&#8217;s&#8220; eingegangen wie fr\u00fchere Bekenntnisse, Aufzeichnungen, Blogeintr\u00e4ge oder auch Schulaufs\u00e4tze.<\/p>\n<p><strong>Nachdenklich, witzig, melancholisch<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Ich wei\u00df, ich war&#8217;s&#8220; ist ein nachdenkliches Buch und vor allem ein des Nachdenken wertes. Es ist sprunghaft, in einer ber\u00fcckenden Weise ehrlich, es ist unfertig, zweifelnd und Fragen stellend und es ist damit so, wie immer auch die Arbeiten von Christoph Schlingensief waren. Es steckt voller Liebe zu seinen Wegbegleitern, es ist voller Schmerz, es ist witzig und melancholisch. Und es macht noch einmal dankbar, dass es einen solchen wie ihn gab, der einen immer wieder dazu reizte auch einmal selbst in die eigene Unzul\u00e4nglichkeit hinabzusteigen. Und es macht noch einmal traurig, dass er nicht mehr da ist. <\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.br.de\/radio\/br-klassik\/themen\/buch-tipps\/buch-tipp-christoph-schlingensief-ich-weiss-ich-wars100.html\" target=\"_blank\">BR2 kulturWelt<\/a> vom 15.10.2012<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Buch ist so,&#8220;wie die Arbeiten von Christoph Schlingensief waren: Es ist witzig und melancholisch. 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