{"id":726,"date":"2012-10-12T12:27:58","date_gmt":"2012-10-12T10:27:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=726"},"modified":"2012-10-12T12:27:58","modified_gmt":"2012-10-12T10:27:58","slug":"leporello-ausblicke-und-einsichten-o1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=726","title":{"rendered":"LEPORELLO \u2013 ANBLICKE UND EINSICHTEN (\u00d61)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Anblicke und Einsichten: die B\u00fchnen- und Kost\u00fcmbildnerin Aino Laberenz<\/strong><\/p>\n<div style=\"padding-top:20px;padding-bottom:25px;\"><object type='application\/x-shockwave-flash' data='..\/mediathek\/dewplayer.swf?mp3=http:\/\/www.schlingensief.com\/downloads\/2012-10-12_oe1_leporello_aino_laberenz.mp3&amp;autostart=1' width='450' height='20'><param name='movie' value='..\/mediathek\/dewplayer.swf?mp3=2012-10-12_oe1_leporello_aino_laberenz.mp3&amp;autostart=1' \/><\/object><\/div>\n<p>&#8222;Der Blick hat sich getroffen: ich hab nicht irgendwie gr\u00fcne Augen oder einen sch\u00f6nen Mann gesehen, wir haben uns einfach gesehen, ich glaub, wir haben UNS gesehen&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Anblicke und Einsichten&#8220;, wie man sie vermutlich nicht oft erlebt. F\u00fcr Aino Laberenz, die Witwe des Film- und Theaterregisseurs Christoph Schlingensief, begann mit jener ersten Begegnung eine siebenj\u00e4hrige Arbeitsgemeinschaft &#8211; und eine ungew\u00f6hnliche Liebesgeschichte. Soeben hat die B\u00fchnen- und Kost\u00fcmbildnerin einen Erinnerungsband an den vor zwei Jahren verstorbenen Christoph Schlingensief herausgebracht.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Ich wei\u00df ich war\u2018s&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Das Buch hat Schlingensief mittels Aufzeichnungen und Tonbandaufnahmen ein Jahr vor seinem Tod noch selbst begonnen, Laberenz hat das Werk nun vollendet. &#8222;Ich wei\u00df ich war\u2018s&#8220; lautet der Titel. Und das war auch das Lebensmotto des K\u00fcnstlers, der einst durch zahlreiche Aktionen Aufsehen erregte, der konfrontierte und polarisierte. Der Satz &#8222;Ich wei\u00df ich wars&#8220; besagt, so Aino Laberenz: &#8222;Ich \u00fcbernehme die volle Verantwortung f\u00fcr alles, was ich getan habe&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Das ist ein Satz, der sich auch bei mir extrem eingepr\u00e4gt hat. Sei haftbar f\u00fcr das was du tust d.h. dass das jemand war der wirklich an das geglaubt hat was er gemacht hat. Ob das gut oder schlecht war ist noch mal eine andere Sache oder wie man das bewerten will aber in dem Moment in dem er sich aufgehalten hat, was er getan war er \u00fcberzeugt davon, er h\u00e4tte was zu sagen und stand daf\u00fcr mit Haut und Haar zur Verf\u00fcgung.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Kunst &#8211; heftige Kollision mit dem Leben<\/strong><\/p>\n<p>Aino Laberenz, 1981 in Finnland geboren, lernte Christof Schlingensief mit Anfang 20 am Schauspielhaus in Z\u00fcrich kennen; ein Jahr lang &#8211; bis zu seinem Tod im August 2010 &#8211; war sie mit ihm verheiratet. Schlingensiefs eigensinnige Art, Kunst nicht blo\u00df zu betreiben, sondern mit vollem Einsatz zu leben, er\u00f6ffneten der studierten Kunsthistorikerin einen g\u00e4nzlich neuen Blick auf das Metier.<\/p>\n<p>Ob bei der spektakul\u00e4ren Container-Aktion &#8222;Ausl\u00e4nder raus&#8220; bei den Wiener Festwochen des Jahres 2000, wo &#8211; gleichsam in der Hauptrolle &#8211; Asylwerber mitwirkten; oder im westafrikanischen Operndorf Ouagadougo in Burkina Faso &#8211; f\u00fcr Christoph Schlingensief war Kunst, so Aino Laberenz, eine einzige heftige Kollision mit dem Leben.<\/p>\n<p><strong>Das Projekt Afrika<\/strong><\/p>\n<p>Christof Schlingensief hatte die F\u00e4higkeit, Menschen wirklich zu sehen, sagt Aino Laberenz. &#8211; Eine F\u00e4higkeit, die auch die Grundlage f\u00fcr das Projekt &#8222;Afrika&#8220; bildete, das Schlingensief im J\u00e4nner 2009 in Burkina Faso begann, und das Aino Laberenz nach dem Tod des Mentors nun weiterf\u00fchrt.<\/p>\n<p>50 Kinder zwischen sechs und acht Jahren haben soeben die erste Klasse der errichteten Schule beendet, auch eine Krankenstation gibt es. Dabei hat das Unternehmen nicht blo\u00df p\u00e4dagogisch-soziale Hilfestellung oder medizinische Grundversorgung zum Ziel, im Zentrum steht vielmehr die Kunst, und mit ihr ein fruchtbringender Austausch<\/p>\n<p>Im Afrika-Projekt geht es um eine Perspektiv-Verschiebung betont Aino Laberenz: ein Land eines fremden (fernen?) Kontinents soll im Sinne Christof Schlingensiefs &#8222;gesehen&#8220; werden: das bedeutet, dass zuallererst dessen Eigenheiten wahrgenommen, und nicht etwa, dass europ\u00e4ische Ansichten gleichsam in einem Hilfspaket nach Afrika exportiert werden. Die sozialen, p\u00e4dagogischen und medizinischen Hilfsmittel dienen letztlich nur der Wegbereitung, das Ziel aber hei\u00dft: der Kunst ihre Freiheit zu gew\u00e4hren.<\/p>\n<p><strong>Das Wesen der Kunst<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Das Knistern der Zeit&#8220; hei\u00dft der Film, der seit gestern im Filmhaus Wien gezeigt wird, Regisseurin Sibylle Dahrendorf dokumentiert darin Christoph Schlingensiefs Afrika-Projekt. Aber auch Schlingensief selbst schrieb gemeinsam mit Aino Laberenz ein Drehbuch f\u00fcr einen letzten Film. In seinem Erinnerungsband &#8222;Ich wei\u00df, ich wars&#8220; schreibt er \u00fcber das Projekt, dass nie vollendet wurde. Die Zeilen geben die Auffassung seiner Arbeit wieder: die Zeit, die man der Kunst widmet, triumphiert \u00fcber die reale Zeit, die einem zum Leben bleibt, schrieb Christoph Schlingensief.<\/p>\n<p><em>&#8222;Der Film, der gedreht werden soll, wird begonnen, und es steht genug Zeit zur Verf\u00fcgung, ihn anlaufen zu lassen und der k\u00fcnstlichen Zeit, die ein Film darstellt, Raum zu geben und dadurch die reale Zeit, die reine Verschwendung darstellt, zu l\u00f6schen, wie man auch durch alles andere die reale Zeit auszul\u00f6schen versucht. Das ist nichts Besonderes. Das ist das Wesen der Kunst &#8211; mehr nicht. Und dass das noch geht, muss erst unter Beweis gestellt werden. Und zwar von ihm. Von ihm allein. Sonst kommt der Tod und holt ihn. Das wei\u00df er und das wei\u00df der Tod, der manchmal unschl\u00fcssig im Raum herumgeistert.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/oe1.orf.at\/programm\/317045\" target=\"_blank\">ORF \u00d61, Leporello, Anblicke und Einsichten<\/a>, 12. Oktober 2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anblicke und Einsichten: die B\u00fchnen- und Kost\u00fcmbildnerin Aino Laberenz<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3,4,7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/726"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=726"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/726\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=726"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=726"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=726"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}