{"id":723,"date":"2012-10-10T12:40:22","date_gmt":"2012-10-10T10:40:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=723"},"modified":"2012-10-10T12:40:22","modified_gmt":"2012-10-10T10:40:22","slug":"ich-weis-ich-wars-ndr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=723","title":{"rendered":"SCHLINGENSIEFS NOTIZEN (NDR KULTUR)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Christoph Schlingensief beschreibt eine leidenschaftliche Standortsuche. Seine Aufzeichnungen laden ein, eigene Positionen zu \u00fcberdenken und zu diskutieren.<\/strong><\/p>\n<div style=\"padding-top:20px;padding-bottom:25px;\"><object type='application\/x-shockwave-flash' data='..\/mediathek\/dewplayer.swf?mp3=http:\/\/www.schlingensief.com\/downloads\/2012-10-10_ndr_kultur_ich_weiss_ich_wars.mp3&amp;autostart=1' width='450' height='20'><param name='movie' value='..\/mediathek\/dewplayer.swf?mp3=2012-10-10_ndr_kultur_ich_weiss_ich_wars.mp3&amp;autostart=1' \/><\/object><\/div>\n<p>Mit seinem Krebstagebuch &#8222;So sch\u00f6n wie hier kanns im Himmel gar nicht sein&#8220; hat Christoph Schlingensief die Gem\u00fcter bewegt. Jetzt, \u00fcber zwei Jahre nach seinem Tod, erscheint &#8222;Ich wei\u00df, ich war&#8217;s&#8220;, ein Buch mit autobiografischen Notizen und Aufzeichnungen.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich hatte der K\u00fcnstler selbst noch eine Autobiografie herausbringen wollen, dazu ist es nicht mehr gekommen. Stattdessen hat seine Witwe, die Kost\u00fcmbildnerin Aino Laberenz, die Notizen geordnet und mit anderen Originaldokumenten zu einem Buch zusammengestellt, das gleichzeitig auch als H\u00f6rbuch herauskommt.<\/p>\n<p><strong>Zwischen Angst und Hoffnung<\/strong><\/p>\n<p>Wut, Verzweiflung und Hoffnung hat Christoph Schlingensief in seinem Krebstagebuch f\u00f6rmlich herausgeschrien &#8211; ein kleines Aufnahmeger\u00e4t war in dieser ersten Phase der Erkrankung sein st\u00e4ndiger Begleiter und Rettungsanker.<\/p>\n<p>Leseprobe:<br \/>\n<em>&#8222;So, heute ist der 31. Juli 2009. Es ist viel passiert, seitdem ich das letzte Mal in meine Maschine hier gesprochen habe. (..) Ich bin inzwischen nat\u00fcrlich weitaus distanzierter, nicht so aufgerissen wie damals im Krankenhaus, auch nicht so ausgeliefert. Allerdings merke ich, dass in den letzten Wochen doch einiges anders geworden ist in mir drin. Es w\u00e4chst immer mehr diese komische Angst, dass doch alles nur eine zeitlich begrenzte Angelegenheit ist. (..) Dass man schon n\u00e4chstes Jahr weg ist. Also dass ICH schon n\u00e4chstes Jahr weg bin.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Da ist er wieder, dieser unmittelbare, etwas schnoddrige Ton. Der Schauspieler Martin Wuttke, ein langj\u00e4hriger Weggef\u00e4hrte und Freund Schlingensiefs, liest die von Aino Laberenz dramaturgisch klug zusammengestellten Texte. Sie zeichnen das Bild eines ebenso eitlen wie selbstkritischen, ebenso \u00e4ngstlichen wie hoffnungsfrohen K\u00fcnstlers.<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfe Projekte und wichtige Begegnungen<\/strong><\/p>\n<p>Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit wird dabei nicht erhoben, auch folgt das Buch keiner klaren Chronologie. Sie wolle keine Werk-Ausdeutung, keinen Beipackzettel liefern, schreibt Aino Laberenz im Vorwort, sondern ein Lebenszeichen senden. Das ist ihr gelungen.<\/p>\n<p>Christoph Schlingensief erz\u00e4hlt mitrei\u00dfend und lustvoll von gro\u00dfen Kunstprojekten und wichtigen Begegnungen. Wir lernen einen Mann kennen, der lange nicht genau wusste, was er eigentlich wollte, aber nie Scheu hatte, alle ihm zur Verf\u00fcgung stehenden Mittel einzusetzen, um seinen Weg zu finden. So rief der angehende Student Anfang der 80er-Jahre den Vater von Wim Wenders an, der wie Schlingensiefs Eltern in Oberhausen lebte. Und es gelang ihm tats\u00e4chlich, mit dem ber\u00fchmten Sohn in Kontakt zu kommen:<\/p>\n<p>Leseprobe:<br \/>\n<em>&#8222;Und dann stand ich da, um 14 Uhr, und er kam tats\u00e4chlich und ich sagte, ich bin der Sohn von dem Apotheker, ach, die Apotheke am Altmarkt, die kenne ich, ja, da habe ich mal ne Zahnb\u00fcrste gekauft, ja die haben wir im Angebot.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>So erz\u00e4hlte Schlingensief die Geschichte 2009 bei einer Veranstaltung im Bochumer Schauspielhaus. Kindheit und Jugend in Oberhausen, die ersten Filme, die Gr\u00fcndung der Partei Chance 2000, die Arbeit an der Berliner Volksb\u00fchne und am Parsifal in Bayreuth, das Opernhaus f\u00fcr Afrika.<\/p>\n<p><strong>Gegenw\u00e4rtige Erinnerungen<\/strong><\/p>\n<p>Viele wichtige Projekte ruft dieses Buch in Erinnerung und bringt gleichzeitig das Kunstst\u00fcck fertig, offensiv gegenw\u00e4rtig zu sein. Das liegt nicht nur daran, dass manche, wie das Opernhaus in Afrika, noch im Werden sind, sondern vor allem an dem Ton, den der K\u00fcnstler anschl\u00e4gt. Er will kein Mitleid, er will leben und dieses Leben Kunst werden lassen.<\/p>\n<p>Leseprobe:<br \/>\n<em>&#8222;Wenn alles klappt, werde ich noch in diesem Monat innerhalb von zehn Tagen einen Spielfilm in Berlin drehen. Das klingt vielleicht absurd, aber nicht absurder als dieses Sterben-Sollen. Mein letzter Film, mein Abschiedsfilm. Es geht um das Sterben, nicht mehr ums Sterben-Lernen. Um die Abrechnung kurz vor dem Schluss, auch um die unendliche Sehnsucht, nicht als Depp gehen zu m\u00fcssen. Und um die Hoffnung, nicht am Ende noch alles kaputt zu machen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>&#8222;Ich wei\u00df, ich war&#8217;s&#8220; erz\u00e4hlt in sehr pers\u00f6nlichen Texten von der Lebens-Kunst des Christoph Schlingensief. Es beschreibt eine leidenschaftliche Standortsuche und l\u00e4dt ein, eigene Positionen zu \u00fcberdenken und zu diskutieren.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.ndr.de\/kultur\/literatur\/buchtipps\/schlingensief159.html\" target=\"_blank\">NDR kultur<\/a>, 10.10.2012, vorgestellt von Katja Weise<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Schlingensief beschreibt eine leidenschaftliche Standortsuche. 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