{"id":708,"date":"2012-10-08T08:01:34","date_gmt":"2012-10-08T06:01:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=708"},"modified":"2012-10-08T08:01:34","modified_gmt":"2012-10-08T06:01:34","slug":"das-buch-ist-ein-lebenszeichen-dapd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=708","title":{"rendered":"&#8222;DAS BUCH IST EIN LEBENSZEICHEN&#8220; (DAPD)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Aino Laberenz ver\u00f6ffentlicht Autobiografie des vor zwei Jahren verstorbenen Regisseurs<\/strong><\/p>\n<p>Berlin (dapd). Bis kurz vor seinem Tod arbeitete Christoph Schlingensief an seiner Autobiografie. Seine Skizzen zu ordnen und zusammenzustellen, schaffte er aber nicht mehr. Im Alter von 49 Jahren starb der K\u00fcnstler und Regisseur am 21. August 2010 an Lungenkrebs. Seine Witwe Aino Laberenz hat die Gedanken ihres Mannes nun zusammengestellt und in einem 300-seitigen Werk mit dem Titel &#8222;Ich wei\u00df, ich war&#8217;s&#8220; ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Es ist ein Buch, aus dem Lebensfreude, Optimismus und Humor spr\u00fchen &#8211; trotz der t\u00f6dlichen Krankheit. So manches Mal wird Schlingensiefs riesige Energie sp\u00fcrbar, wenn er beispielsweise von seinem Projekt des Operndorfes in Burkina Faso erz\u00e4hlt oder den Begegnungen mit der Wagner-Familie. Dass die Autobiografie auch zutiefst menschlich ist, liegt an den offenen Worten, mit denen Schlingensief seine &#8222;unglaubliche&#8220; Angst vor dem Tod beschreibt. Diese stehen aber anders als bei seinem 2008 ver\u00f6ffentlichtem Krebstagebuch &#8222;So sch\u00f6n wie hier kann&#8217;s im Himmel gar nicht sein&#8220; nicht im Vordergrund. Das Buch solle kein Mausoleum sein, schreibt Laberenz im Vorwort. &#8222;Es ist ein Lebenszeichen.&#8220;<\/p>\n<p>Knutschen mit Tilda Swinton<\/p>\n<p>Schlingensief erz\u00e4hlt von seiner Kindheit in Oberhausen, davon, dass er sich mit zu gro\u00dfer Nase und abstehenden Ohren h\u00e4sslich fand. Er erz\u00e4hlt von seinem K\u00fcnstlerleben in Berlin, seinem Abstecher nach M\u00fcnchen, von seiner Faszination f\u00fcr die Kameratechnik, von seiner Partei Chance 2000. Er erz\u00e4hlt von einer Knutscherei mit Tilda Swinton, einer \u00fcberraschenden Zusammenkunft mit Isabella Rossellini und einem Treffen mit Luc Bondy bei den Wiener Festwochen. Er erz\u00e4hlt von den Problemen, seinen Eltern seine Kunst n\u00e4her zu bringen, von der Arbeit mit Behinderten &#8211; und von der Liebe zu seinem Beruf und seinen Projekten.<\/p>\n<p>Auch eine seiner Energiequellen wird offenbar: Die Unzufriedenheit mit dem Land, in dem er lebte: &#8222;Ich finde, dieses Deutschland ist eine unglaublich selbstbetr\u00fcgerische Veranstaltung. Es hat sich gegen sich selbst gewandt, es ist voller Selbsthass&#8220;, schreibt er. Richtige Lust und Freude seien jedenfalls in diesem Land Mangelware, meint er sp\u00e4ter. Mit dem Auskosten von Freude hatte er aber auch selbst Probleme: &#8222;Wenn ich dachte, jetzt werde ich nur noch gelobt und geliebt, musste ich das sofort brachial zerst\u00f6ren. Wie aus einem Zwang heraus.&#8220;<\/p>\n<p>Sichtbar wird aber auch seine eigene Verletzlichkeit. Die h\u00e4ufig ge\u00e4u\u00dferten Behauptungen, er wolle mit seinen Aktionen nur provozieren oder sich nur selbst produzieren, h\u00e4tten ihm &#8222;verdammt&#8220; weh getan, schreibt er. Dies seien b\u00f6sartige Unterstellungen. Theater d\u00fcrfe nicht immer nur gespielter Wahnsinn, sondern m\u00fcsse auch mal gelebter Wahnsinn sein. Kunst sei f\u00fcr ihn nur interessant, wenn sie auf das Leben bezogen sei, wenn sie an der Trennung von Kunst und Leben kratze.<\/p>\n<p>Laberenz: &#8222;Es gab schmerzhafte Momente&#8220;<\/p>\n<p>Den Titel &#8222;Ich wei\u00df, ich war&#8217;s&#8220; habe ihr Mann selbst gew\u00e4hlt, sagte Laberenz in einem dapd-Interview. &#8222;Sein Ego kommt darin zum Ausdruck, sein Bekenntnis zu sich selbst. Gleichzeitig stelle ich mir dabei sein schelmisches Grinsen vor. Ich mag diese Kombination&#8220;, erkl\u00e4rte die 31-j\u00e4hrige Kost\u00fcmbildnerin.<\/p>\n<p>Die Fertigstellung des Buches sei nicht einfach gewesen.&#8220; Es gab extrem schmerzhafte Momente, und die gibt es immer noch. Weil da einfach eine gro\u00dfe L\u00fccke ist&#8220;, sagte Laberenz. Aber es gebe auch vieles, \u00fcber das sie mit ihm lache. &#8222;Christophs Humor ist f\u00fcr mich immer noch unschlagbar, da kann ich sehr fr\u00f6hlich an ihn denken. Ich hatte das sch\u00f6ne Gef\u00fchl, dass das Buch seine Gedanken freilassen und sie anderen zug\u00e4nglich machen wird.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ich wei\u00df, ich war&#8217;s&#8220; erscheint am Montag (8. Oktober) bei Kiepenheuer &#038; Witsch. Es kostet 19,99 Euro.<\/p>\n<p><em>Quelle: dapd vom 08.10.2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aino Laberenz ver\u00f6ffentlicht Autobiografie des vor zwei Jahren verstorbenen Regisseurs<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/708"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=708"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/708\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=708"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=708"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=708"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}