{"id":70,"date":"2006-01-14T22:57:24","date_gmt":"2006-01-14T20:57:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=70"},"modified":"2006-01-14T22:57:24","modified_gmt":"2006-01-14T20:57:24","slug":"ein-ganz-groses-ja-zum-leben-faz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=70","title":{"rendered":"\u201eEin ganz gro\u00dfes Ja zum Leben\u201d (FAZ)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Christoph Schlingensief sucht am Wiener Burgtheater nach Antworten auf die gro\u00dfen Fragen. Sein neues Projekt \u201eArea 7 &#8211; Matth\u00e4usexpedition\u201d feiert am Dienstag dort Premiere<br \/>\n<\/strong><img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"15\" border=\"0\"\/><br \/>\n<em>von J. Adorjan<\/em><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"20\" border=\"0\"\/><br \/>\nFAZ: \u00dcber Sie wei\u00df man viel &#8211; Apothekersohn, 1960 in Oberstorf geboren, katholisch\u2026 <\/p>\n<p>\u2026Nein, nein, Oberhausen, da haben Sie schlecht recherchiert. Und Provokateur nat\u00fcrlich, das ist manchen Leuten immer ganz wichtig.<\/p>\n<p>FAZ: Enfant terrible, absolut. Sie haben Filme gemacht, Theater, haben 2004 in Bayreuth den &#8222;Parsifal&#8220; inszeniert. Ihre n\u00e4chste Premiere ist am Wiener Burgtheater. Was passiert hier am Freitag?<\/p>\n<p>Es ist zun\u00e4chst einmal keine Premiere, weil es kein Theater ist. Es ist eine \u201eExpedition\u201c, die am Dienstag, dem 17. Januar aufbricht. Auf Anfrage der Burg habe ich urspr\u00fcnglich ganz automatisch an eine Inszenierung gedacht; mit \u201eSadochrist Matth\u00e4us\u201c hatte ich sogar schon einen Titel. Aber schon zum \u201eParsifal\u201c entstand in meinem Kopf die Idee, eine Form zu suchen, die Oper, Film, Theater und Aktion zusammenf\u00fchrt, die aber ganz bestimmt kein Theater mehr ist.<\/p>\n<p>FAZ: Was ist es dann?<\/p>\n<p>Es ist \u201eDer Animatograph\u201c, eine Installation, zu der man keinen Sicherheitsabstand einhalten mu\u00df, so wie im Museum. \u201eDer Animatograph\u201c ist ein gefr\u00e4\u00dfiger Organismus. Wenn man sagt, es ist Kunst, dann kappt man schnell alle Lebensadern, dann ist man ganz schnell wieder auf der \u201eKunst\u201c-B\u00fchne. Ein Animatograph lebt vom \u201emystischen Abgrund\u201c. Genau deshalb ist es prima, da\u00df die Installation im Burgtheater stattfindet, weil der Raum extrem aufgeladen ist, aber eigentlich schon weg ist. Werner Kraus, der in Harlans \u201eJud S\u00fc\u00df\u201c f\u00fcnf Klischeejuden gegeben hat, wird hier bis heute als Ikone verehrt, Hitler hatte seine Loge, auch wenn er nur einmal in der Burg gewesen ist, all diese Geister sind noch da, Max Reinhardt, Brandauer, aber auch Frau M\u00fcller, die Kassenfrau. Das Burgtheater ist ein Denkmal, so oder so, der Raum \u00fcberpr\u00fcft mich, nicht ich den Raum.<\/p>\n<p>FAZ: Aber der Raum w\u00e4re genauso aufgeladen, wenn Sie hier ein normales St\u00fcck inszenieren w\u00fcrden. Was langweilt Sie am Theater?<\/p>\n<p>Der Raum, den eine normale Inszenierung aufl\u00e4dt m\u00fcssen Sie mir zeigen! Was mich langweilt, ist das Monopol des Betrachters. Am Theater sehe ich nur abgepackte Interpretationen, ein minuti\u00f6s getimtes und zentimetergenau vermessenes Geschehen, das mit mir schon deshalb nichts mehr zu tun haben kann. Da strengen sich Leute an, so zu tun, als w\u00e4ren sie Hamlet, ein Regisseur hatte wahnsinnige Ideen und alles ist brandaktuell \u2013 deshalb sieht Maria Stuart jetzt bis Spielzeitende aus wie Susanne Osthoff. Das hat mich fr\u00fcher auch interessiert, das gebe ich zu. Aber mich hat immer schon viel mehr interessiert: Wer betrachtet mal den Betrachter? Mit dem \u201eAnimatographen\u201c habe ich einen Organismus geschaffen, der frisst, der sammelt, der w\u00e4chst.<\/p>\n<p>FAZ: Ich als Zuschauer habe im Theater immer Angst, da\u00df sich der Scheinwerfer gleich auf mich richtet und ich zum Mitmachen gezwungen werde.<\/p>\n<p>Das verstehe ich total, ich habe auch ganz gro\u00dfe Angst. Ich gehe auch kaum ins Theater und wenn, dann verstecke ich mich in der letzten Reihe. Bei \u201eAREA7\u201c im Burgtheater erstreckt sich die Installation vom Zuschauerraum \u00fcber Vor- und Hinterb\u00fchne. Das ist ein Versuchsaufbau, ein ernsthaftes Angebot an die Autonomie des Besuchers. Man kann sitzenbleiben, man kann sich verstecken, man kann sich aber auch frei bewegen und zum Bestandteil der Expedition werden. Wir sprechen ganz klar die Empfehlung aus, die Reise zu wagen, rumzugehen, zu gucken.<\/p>\n<p>FAZ: Ich beschreibe mal, was ich gesehen habe, als wir vorhin auf der B\u00fchne waren: Das Geschehen findet nicht nur auf der B\u00fchne statt, sondern auch im Zuschauerraum, es w\u00e4chst da hinein, w\u00e4chst hoch hinauf; es gibt vier Drehb\u00fchnen, lauter verschiedene Elemente, auf die Filme projiziert werden &#8211; Wellblechh\u00fctten, eine gro\u00dfe Scheibe, auf der Elfriede Jelinek zu sehen ist, die den Text liest, den sie f\u00fcr dieses Projekt geschrieben hat, in der Mitte steht ein Schiff. Alles wirkt sehr assoziativ. Sie bringen 9\/11 und Beuys zusammen, Odin und Wotan, Afrika und Island. Das Ganze wirkt ein bi\u00dfchen als w\u00e4re man im Kopf von Christoph Schlingensief.<\/p>\n<p>Sie sind im Innern einer Kamera, die die Bilder der vorangegangenen Projektteile in Island, Neuhardenberg und Namibia gefressen hat und hier in neuen Projektionen und Assoziationen wieder ausspuckt. Es gibt keine Bedeutungen, keine Interpretationen mehr, die ich einem Publikum vorschreibe. Der Text, den Elfriede Jelinek so unnachahmlich liest, ist frei von Betonungen und diesen notorischen Akzentuierungen eines Schauspielers. Der Text ist eine Litanei, die immer wieder Sinnbruchst\u00fccke auswirft, so als w\u00fcrde man eine Tageszeitung ohne Punkt und Komma drucken und dann noch durch einen Zufallsgenerator schicken. Es ist aber auch noch mehr, weil ein obsessives Herz darin pocht. In der bildenden Kunst, mit der ich seit zwei Jahren mehr zu tun habe, gibt es Leute, die ausschlie\u00dflich ihre Fu\u00dfn\u00e4gel verfilmen. Da geht es nur um den K\u00fcnstler und seinen Popel an der Wand. Das ist mir vollkommen fremd. \u201eDer Animatograph\u201c enth\u00e4lt Elemente, die einem bekannt vorkommen k\u00f6nnten, die einem in gleicher oder \u00e4hnlicher Form vielleicht schon einmal begegnet sind: Schr\u00f6dingers Katze, Beuys oder Dieter Roth, dessen Kunst in einer ganz anderen Zeiteinheit stattfand. Melancholie, Formen von Tragik bis hin zur Depression, die in den Beschreibungen meiner Person oft v\u00f6llig ausgespart werden, sind dabei eine ganz starke Antriebsfeder.<\/p>\n<p>FAZ: Es wirken mit Irm Hermann, die Fassbender Ikone, Robert Stadlober, Patti Smith. Wie kommen die zu Ihnen?<\/p>\n<p>Es wirken auch Karin Witt, Klaus Beyer und Horst Gelonneck mit, Idealtypen des autonomen Installationsbetrachters. Patti Smith habe ich 2005 bei der Premierenfeier des \u201eParsifal\u201c kennengelernt. Ich kam etwas sp\u00e4ter, und jemand sagte, Patti Smith sei da. Ich habe gar nicht richtig reagiert, dann sah ich sie irgendwann: Die langen grauen Haare, die ziselierte Figur \u2013 da habe ich erst realisiert, oh, das ist sie ja wirklich. Es war auf den Tag genau der Abend, an dem ein paar Jahre zuvor ihr Vater gestorben war. Sie hatte einen Trauerflor um den Arm, den machte sie ab und schenkte ihn mir. Auch in dieser Melancholie lag eine Verwandtschaft. Anschlie\u00dfend haben wir Mailadressen ausgetauscht.<\/p>\n<p>FAZ: Im Sommer haben Sie in Namibia einen Film gedreht, &#8222;African Twin Towers&#8220;, da war sie auch mit dabei.<\/p>\n<p>Ja, ich habe nicht geglaubt, da\u00df sie kommt, aber dann war sie pl\u00f6tzlich da. Jetzt richtet sie auch schon mal Gr\u00fc\u00dfe von Bob Dylan aus, der wei\u00df also auch schon von unserer animatographischen Expedition. Irm Hermann habe ich 1987 kennengelernt, als ich mit ihr ein kleines Fernsehspiel f\u00fcrs ZDF gedreht habe. Sie leidet hier H\u00f6llenqualen, weil sie keinen Text hat. Aber auch ihre Verzweiflung l\u00e4dt die Installation ungemein auf.<\/p>\n<p>FAZ: Sie haben sich oft Themen gesucht, an die sich sonst keiner rantraute &#8211; Asylanten, Arbeitslose, Behinderte, Neonazis. Gibt es hier auch ein Thema, ist das hier Religion?<\/p>\n<p>Auch wenn das alles hier sehr voll wirkt, so glaube ich doch, da\u00df es ein Versuch der Entr\u00fcmpelung ist; die Illusionen und Selbstt\u00e4uschungen, die man mit sich rumschleppt, um sich notfalls durch sie zu legitimieren, das Vaterunser genauso wie das b\u00fc\u00dfende Wippen an der Klagemauer.<\/p>\n<p>FAZ: Das wollen Sie relativieren?<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt nicht, ich bin diesen Verbindungen auf der Spur. Anfang der Neunziger hatten wir noch diese massiven Umw\u00e4lzungen, die sich beinahe mit Gewalt bahnbrachen. Mein Gott, was waren wir damals noch aufgeregt, wenn irgend jemand was gesagt hat. Heute sind wir immunisiert, man kann ja stundenlang reden, und es ist doch v\u00f6llig egal. Ich bin f\u00fcr klare Verh\u00e4ltnisse. Anfang der 80-er Jahre haben Thomas Meinecke und ich immer gesagt: Wer sagt: \u201eDas ist so schei\u00dfe, da\u00df es schon wieder gut ist\u201c, hat nichts begriffen. Es gibt ganz klare Ansagen, und es gibt klare Verh\u00e4ltnisse, und ich will eine Kl\u00e4rung haben, was das Universum treibt und wie es uns treibt.<\/p>\n<p>FAZ: Und das versuchen Sie, mit diesem Projekt herauszufinden?<\/p>\n<p>Man kann das als Denkmaschine begreifen oder als Komposition, die aus vielen Elementen meiner bisherigen Arbeit besteht, und die sicher auch mit einer Spur Gr\u00f6\u00dfenwahn daherkommt. Ich will das Kleine, aber im Gro\u00dfen.<\/p>\n<p>FAZ: Ist Ihre Arbeit wie die Welt au\u00dfen herum auch ein bi\u00dfchen unpolitischer als fr\u00fcher?<\/p>\n<p>Im Sinne dessen, was heute noch unter Politik firmiert, bestimmt. In meinen Augen aber ist es sogar wesentlich politischer, weil es existentieller ist. Es geht um die Frage nach Entscheidungen: F\u00fcr welche Richtungen entscheide ich mich im Leben, also wenn das nicht politisch ist!<\/p>\n<p>FAZ: W\u00fcrden Sie sagen, die Erfahrung in Bayreuth hat Ihre Arbeit ver\u00e4ndert?<\/p>\n<p>Ich habe mich fr\u00fcher sehr schnell berufen gef\u00fchlt, hierzu oder dazu noch etwas zu machen. Ich hab sehr oft das Bild zum Text, das Bild zum Film geliefert. Hier und jetzt wachsen die Bilder aus sich selber heraus. In meiner Installation werde ich selbst zum Augen- und Ohrenzeugen ungez\u00e4hlter Verbindungen und Zuf\u00e4lle. Es geht nicht um die Verfilmung meiner Zehenn\u00e4gel.<\/p>\n<p>FAZ: Die Ergebnisse sind weniger eindeutig.<\/p>\n<p>Wenn Sie Eindeutigkeit wollen, sind Sie hier an der falschen Adresse. Ich kann komponieren, ich kann Dinge bewegen, ich nehme Kr\u00e4fte auf, aber ich werde auch gerne bewegt. Und das geschieht nicht, wenn ich hingehe und sage, ich bin der Betonklotz und mache Ihnen einen Reflexionsangebot, da\u00df weder Sie noch sonst irgend etwas in Bewegung bringt. Wer Bewegungen will, soll bei sich selbst anfangen.<\/p>\n<p>FAZ: Manchmal hatte ich bei Ihren Arbeiten den Eindruck, da\u00df Sie ganz klar beginnen und sich dann gegen Ende hin etwas verzetteln, vom hundertsten ins Tausende kommen, da\u00df sich irgendwie die Form verliert. Ist das Absicht, oder w\u00fcrden Sie sagen, da\u00df ist eine Schw\u00e4che?<\/p>\n<p>Gar nichts von beiden. W\u00e4re es Absicht, dann w\u00e4re das ein Armutszeugnis; w\u00fcrde ich sagen, es w\u00e4re Schw\u00e4che, dann w\u00e4re das Koketterie. Es ist so, da\u00df ich kein Projekt anstrenge, von dem ich nicht wirklich \u00fcberzeugt bin, da\u00df es mich selbst noch \u00fcberraschen kann und sich mittendrin eventuell vollkommen die Richtung \u00e4ndert. So war das auch mit \u201eAfrican Twin Towers\u201c in Namibia. Ich wollte ihn mit der \u201eG\u00f6tterd\u00e4mmerung\u201c enden lassen, hatte alles vorbereitet; Patti Smith rannte durch die W\u00fcste, Irm war da, Robert Stadlober war da, Karin und Klaus in Position, und es waren nur noch wenige Minuten bis zum Sonnenuntergang. Ich schaltete die Kamera ein, die Sonne geht unter, und in dem Augenblick, in dem ich enden will, f\u00e4ngt der erste schwebende Ton vom &#8222;Rheingold&#8220; an. Also da, wo eigentlich Schlu\u00df sein soll, macht sich das Material selbst\u00e4ndig und f\u00e4ngt wieder von vorne an. Dieses aufl\u00f6sende Moment, in dem alles auseinanderzudriften zu scheint, aber gerade dadurch zusammenw\u00e4chst, war pr\u00e4gend. <\/p>\n<p>FAZ: Sie sollen 300 Stunden Material gedreht haben.<\/p>\n<p>180 Stunden sind genug! Ein Berg an Material ohne Chronologie, dessen Handlung der Vorstellungskraft des Zuschauers \u00fcberlassen ist, wie bei einem Film von Stan Brakhage. Also vergrabe ich meine Version des Films am Ende im Meersand und es wird ihn so nie wieder geben. Trotzdem war dieser Versuch eines Films im Rahmen des \u201eAnimatographen\u201c sehr wichtig, weil er bewiesen hat, da\u00df es die Kunstform nicht gibt. Wie h\u00e4tte ich also einen Film machen sollen? Wie konnte ich auf die Idee kommen, im Burgtheater Theater zu machen? Mit dem \u201eAnimatographen\u201c hat sich in meiner Arbeit eine gro\u00dfe Freiheit entwickelt. Er ist eine Schleuder, eine Schnittmaschine, die nicht ich reguliere, sondern die mich reguliert. Er ist das Kino der Zukunft.<\/p>\n<p>FAZ: Den Animatographen sollten wir vielleicht erkl\u00e4ren. Sie waren damit in Island, Neuhardenberg, Namibia. Das ist eine Drehb\u00fchne, auf der Leinw\u00e4nde und Fl\u00e4chen sind, auf die Filme projiziert werden. Der Betrachter tritt hinein und wird damit Teil der Projektion. Er sieht Bilder, Bilder sehen ihn. So ungef\u00e4hr?<\/p>\n<p>Ich drehe mich im Kreis, und die Filme kommen und schneiden sich selber. Der Raum wird zur Zeit, die Zeit zum Raum. Es ist ein Prozess. Ich habe Zeit. Es gibt keinen Anfang und kein Ende, an dem eine Frohe Botschaft steht, wie Sie es vielleicht w\u00fcnschen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>FAZ: 2000 haben Sie f\u00fcr irrsinnigen Wirbel gesorgt, als Sie in Wien einen Container aufstellten, in dem Asylbewerber lebten wie in der &#8222;Big Brother&#8220;-Show. Der Gewinner k\u00f6nnte bleiben, alle anderen w\u00fcrden abgeschoben, hie\u00df es. Das war sehr klar. <\/p>\n<p>Freut mich, da\u00df es Ihnen gefallen hat. Aber ich habe damit weder die politische Situation in \u00d6sterreich ver\u00e4ndert noch einem Asylbewerber die Aufenthaltsgenehmigung verl\u00e4ngert. Das ist doch genau die theatrale Illusion, da\u00df man Klarheiten herzustellen hat, um an L\u00f6sungen zu kommen. Die gro\u00dfe Kraft liegt aber in der Unklarheit, in der Gewi\u00dfheit, da\u00df es keine L\u00f6sungen gibt, sondern Transformationen und Formver\u00e4nderungen. Ich habe mit \u201eBitte liebt \u00d6sterreich\u201c letzten Endes einen schnellen Br\u00fcter entwickelt, der auch mich \u00fcberrannt hat. Da waren alle so unendlich gl\u00fccklich, weil das so ein \u201egerechtes\u201c Unternehmen war: Der b\u00f6se Haider, der bl\u00f6de Sch\u00fcssel; \u201eTheater heute\u201c war v\u00f6llig aus dem H\u00e4uschen, und der Christoph war so toll. Nat\u00fcrlich sehnt man sich nach solchen Momenten, aber sie passieren nicht allzu oft. Und man wird doch von mir nicht allen Ernstes verlangen, da\u00df ich so etwas am Flie\u00dfband produziere, um Mi\u00dfst\u00e4nde aufzuzeigen und die Welt zu verbessern. Bei mir ist oft ein ganz konkreter Anla\u00df der Aufh\u00e4nger, und dann setzen das Leben, die Bewegung, die Verwandlung und die Transformation ein. Das ist kein Freibrief, alles zu machen. Aber ich will einen Schritt weiterkommen. Und ich will diese Freiheit genie\u00dfen, die da langsam gewachsen ist, weil sie viel ergiebiger ist, als sich in Kunstkorsette schn\u00fcren zu lassen. Man mu\u00df noch atmen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>FAZ: Sie suchen gerade nach einer neuen Form?<\/p>\n<p>Im \u201eAnimatographen\u201c komponiere ich Bilder. Darin bin ich frei. Was ich mache, hat mit Kunst zu tun, mit Film, mit Theatralit\u00e4t, gleichzeitig aber mit der \u00d6ffnung dieser Formen und ihrer Ausdehnung. Das Thema ist Unerl\u00f6sbarkeit. Warum also die saubere L\u00f6sung finden, wenn danach nichts mehr kommt? Ich habe das gute Gef\u00fchl, es gibt keine Erl\u00f6sung. Das ist f\u00fcr mich nicht fatalistisch, das ist ein ganz gro\u00dfes Ja zum Leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Schlingensief sucht am Wiener Burgtheater nach Antworten auf die gro\u00dfen Fragen. 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