{"id":689,"date":"2012-06-05T02:24:01","date_gmt":"2012-06-05T00:24:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=689"},"modified":"2012-06-05T02:24:01","modified_gmt":"2012-06-05T00:24:01","slug":"wie-schlingensiefs-dorf-ihn-uberlebt-hat-focus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=689","title":{"rendered":"WIE SCHLINGENSIEFS DORF IHN \u00dcBERLEBT HAT (FOCUS)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Dokumentation \u201eKnistern der Zeit\u201c portr\u00e4tiert Christoph Schlingensiefs Projekt eines Operndorfes in Burkina Faso. Es ist noch nicht fertig, doch eins hat es bereits bewirkt: Es macht Menschen sichtbar.<\/strong><\/p>\n<p>Eine verlassene Baustelle mitten in der Savannenlandschaft Burkina Fasos. Str\u00e4ucher, Felsen, ein gemauertes Schulgeb\u00e4ude, dem das Dach fehlt, eine Baugrube, die mit Regenwasser gef\u00fcllt ist und sich in einen lehmig-braunen Teich verwandelt hat. Dahinter dreizehn bunte Container, aufgereiht im Halbrund, unangetastet, gef\u00fcllt mit dem Material zum Bau eines Opernhauses. Kein einziger Bauarbeiter, kein Werkzeug, kein Ger\u00e4usch. Ein Kind treibt eine Kuh, aus deren eingefallenen Flanken H\u00fcftknochen hervorstehen, \u00fcber die Baustelle.<\/p>\n<p>Ein Moment des Stillstands, etwa in der Mitte des Films \u201eKnistern der Zeit\u201c. Sibylle Dahrendorf hat das Entstehen des Operndorfes von Christoph Schlingensief in Burkina Faso dokumentiert. Der Film beginnt im Mai 2009 mit der Suche nach dem richtigen Ort und endet mit der Er\u00f6ffnung der Schule im Oktober 2011. Tats\u00e4chlich stand die Baustelle von Juli 2010 bis M\u00e4rz 2011 still. Denn am 21. August 2010 hat der Krebs Christoph Schlingensief besiegt. Der Initiator ist nicht mehr da, aber sein Projekt lebt weiter, dank der Menschen vor Ort, dank seiner Frau Aino Laberenz, dank seines Mitstreiters, dem Architekten Di\u00e9b\u00e9do Francis K\u00e9r\u00e9. Im Oktober 2011 wurde die Schule des Operndorfes er\u00f6ffnet, jetzt folgt die Krankenstation, dann das Opernhaus.<\/p>\n<p><strong>\u201eMein Traum ist, dass es anf\u00e4ngt zu leben\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Schlingensief wollte und seine Mitstreiter wollen mit dem Operndorf etwas bauen, das sich wie ein Organ weiterentwickelt. Etwas, das wie eine Schatztruhe in der Savanne steht, die man entdecken und erkunden kann. \u201eMein Traum ist, dass es anf\u00e4ngt zu leben\u201c, sagt Schlingensief in einem Moment des Films, in dem noch nichts vom Operndorf zu sehen ist. Und: \u201eIch garantiere: Das wird kein Bayreuth.\u201c Er redet sich in Rage, sagt, es gehe eben nicht um Arien, nicht um das, was die \u201eWei\u00dfnasen\u201c sich unter einem Opernhaus vorstellten. M\u00f6glicherweise sei der erste Klang, der dort zu h\u00f6ren sei, der Schrei eines Neugeborenen. Wer wei\u00df.<\/p>\n<p>Kritiker und Bewunderer haben Schlingensief, der eine beispiellose F\u00e4higkeit besa\u00df, Menschen wachzur\u00fctteln, durchzusch\u00fctteln mit seinen Projekten, gerne ein \u201eEnfant terrible\u201c genannt. Tats\u00e4chlich scheint Schlingensief vor allem Kind gewesen zu sein. Ein sehr schlaues und brillantes Kind mit dem Wissen eines Erwachsenen, aber mit einer ungez\u00fcgelten Herangehensweise \u2013 an Menschen und an Projekte. \u201eKnistern der Zeit\u201c zeigt: Es war seine Begeisterungsf\u00e4higkeit, mit der er andere so begeisterte.<\/p>\n<p>Das Projekt, das \u201eKnistern der Zeit\u201c dokumentiert, ist ambivalent. \u201eVon Afrika lernen\u201c lautet das Motto. Doch bei aller M\u00fche und allem Bem\u00fchen, mit dem Operndorf etwas politisches Korrektes und Anti-Kolonialistisches auf die Beine zu stellen, bleibt es dennoch ein Projekt, das sich eine \u201eWei\u00dfnase\u201c, \u00fcberlegt hat, f\u00fcr das sie einen Ort sucht und das sie nach ihren Vorstellungen davon, was angemessen ist, auf den Weg bringt. Ein Dilemma, das kaum aufzul\u00f6sen ist und an dem sich bereits Generationen von Ethnologen abgearbeitet haben.<\/p>\n<p><em>Quelle: FOCUS Online vom 05.06.2012 \u00b7 von FOCUS-Online-Autorin Sandra Zistl<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Dokumentation \u201eKnistern der Zeit\u201c portr\u00e4tiert Christoph Schlingensiefs Projekt eines Operndorfes in Burkina Faso. 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