{"id":683,"date":"2012-06-08T01:54:21","date_gmt":"2012-06-07T23:54:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=683"},"modified":"2012-06-08T01:54:21","modified_gmt":"2012-06-07T23:54:21","slug":"kunst-als-balsam-fur-die-seele-sudkurier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=683","title":{"rendered":"KUNST ALS BALSAM F\u00dcR DIE SEELE (S\u00dcDKURIER)"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eKnistern der Zeit\u201c. Eine ber\u00fchrende Hommage an Schlingensiefs Opernprojekt in Afrika<\/strong><\/p>\n<p>Das Szenario erinnert an \u201eFitzcarraldo\u201c, Werner Herzogs Film \u00fcber einen Abenteurer, der keine Kosten und M\u00fchen scheut, um im peruanischen Dschungel ein Opernhaus zu errichten. Auf den ersten Blick hatte auch Christoph Schlingensiefs Vision von einem Operndorf im afrikanischen Burkina Faso etwas von einer fixen Idee. Doch im Gegensatz zur historisch zwar verb\u00fcrgten, von Herzog aber stark \u00fcberzeichneten egomanischen Filmfigur betrachtete Schlingensief sein Projekt als Investition in die Zukunft Afrikas: Die Einrichtung in der N\u00e4he der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou soll neben der Oper auch ein Krankenhaus und eine Schule enthalten. Es mussten zwar keine Schiffe \u00fcber Berge transportiert werden, aber es ergaben sich Hindernisse ganz anderer Art. Dokumentarfilmerin Sibylle Dahrendorf hat den Verlauf dieses unerh\u00f6rten Projekts zweieinhalb Jahre lang begleitet.<\/p>\n<p>Entwicklung und Baubeginn sind allerdings von Schlingensiefs Krebserkrankung \u00fcberschattet worden. Auf diese Weise wurde \u201eKnistern der Zeit\u201c zu einem doppelten Film: Dahrendorf dokumentiert nicht nur, wie etwas entsteht, sondern auch, wie etwas vergeht. \u00c4hnlich wie das Opernhausprojekt sind auch Schlingensiefs letzte Jahre gepr\u00e4gt von einem st\u00e4ndigen Auf und Ab.<\/p>\n<p>Und so entwickelt \u201eKnistern der Zeit\u201c seine Spannung auf zwei Ebenen: als Chronik der Realisierung einer Vision sowie als Logbuch eines Todes. Dass gerade die zweite Ebene nicht tr\u00fcbsinnig und morbide ausf\u00e4llt, verdankt der Film der Hauptfigur. \u201eHier werde ich achtzig!\u201c, ruft Schlingensief aus, als feststeht, wo das Operndorf entstehen soll. Tats\u00e4chlich wird er vermutlich schon damals geahnt haben, dass er nicht mal f\u00fcnfzig werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Dahrendorfs gr\u00f6\u00dfte Leistung besteht vielleicht darin, Schlingensiefs Charisma einzufangen, ohne sich ihm zu F\u00fc\u00dfen zu werfen. Nat\u00fcrlich steht der Regisseur st\u00e4ndig im Zentrum, bei der Grundsteinlegung in Ouagadougou im Februar 2011 ein halbes Jahr vor seinem Tod ebenso wie bei den Proben zum St\u00fcck \u201eVia Intolleranza II\u201c. Er selbst sorgt jedoch nicht zuletzt dank seiner Selbstironie wie auch seiner fast kindlichen Begeisterung daf\u00fcr, dass keine Weihrauchstimmung aufkommt.<\/p>\n<p>Man hat ohnehin das Gef\u00fchl, Schlingensief \u00fcberaus nahe zu kommen, zumal der Film immer wieder eine Art Tagebuchcharakter annimmt. Davon abgesehen gab und gibt es ja bei kaum einem anderen K\u00fcnstler eine \u00e4hnlich gro\u00dfe Diskrepanz zwischen der Extravaganz seines Werks und dem nat\u00fcrlichen Charme des pers\u00f6nlichen Auftritts. Kein Wunder: Kunst, sagt Schlingensief, \u201eist Balsam f\u00fcr die Seele\u201c.<\/p>\n<p><em>Aus: S\u00fcdkurier vom 06.06.2012<br \/>\nVon TILMANN P. GANGLOFF<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eKnistern der Zeit\u201c. 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