{"id":666,"date":"2012-03-06T23:30:18","date_gmt":"2012-03-06T21:30:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=666"},"modified":"2012-03-06T23:30:18","modified_gmt":"2012-03-06T21:30:18","slug":"kunstauktion-fur-afrika-berliner-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=666","title":{"rendered":"KUNSTAUKTION F\u00dcR AFRIKA (BERLINER ZEITUNG)"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eMacht f\u00fcr mich weiter, gebt nicht auf!\u201c So hat es sich der verstorbene Regisseur Christoph Schlingensief gew\u00fcnscht. Nun spenden ber\u00fchmte K\u00fcnstler in der \u201eAuktion 3000. Von Afrika lernen\u201c Werke f\u00fcr sein Operndorf in Burkina Faso.<\/strong> <\/p>\n<p><em>Von Ingeborg Ruthe<\/em><\/p>\n<p>Christoph Schlingensief ist es nicht verg\u00f6nnt gewesen, weiterzumachen, gar zu Ende zu bringen, was in in den letzten beiden Jahres seines kurzen Lebens noch umgetrieben hatte, sozusagen zu seinem Verm\u00e4chtnis wurde, um hier mal pathetisch zu werden. <\/p>\n<p>Aber seine junge Witwe Aino Laberenz und seine vielen Freunde machten und machen weiter. In zwei Tagen ist denn auch ganz gro\u00dfer Bahnhof: eine Benefizversteigerung von Werken ber\u00fchmter K\u00fcnstler im Berliner Museum Hamburger Bahnhof. Die \u201eAuktion 3000. Von Afrika lernen\u201c will mit so viel ersteigertem Geld wie m\u00f6glich Schlingensiefs afrikanisches \u201eZukunftsreservoire\u201c mit aller Kraft f\u00f6rdern, aus Freundschaft, aus Solidarit\u00e4t \u2013 und wegen des Glaubens. Ein Glauben, dem Christoph Schlingensief fast religi\u00f6s anhing \u2013 dass Kunst am Ende die Welt doch ein wenig besser, lebenswerter und sch\u00f6ner machen kann.<\/p>\n<p>Die fast letzten Film-Aufnahmen des im August 2010 verstorbenen charismatischen Theatermannes, Filmemachers und Kunst-Tausendsassas zeigten den knapp 50-J\u00e4hrigen mager, vom Krebs gezeichnet, nach jedem zehnten Schritt um Kraft und Luft ringend, aber tapfer und z\u00e4h, getrieben vom unb\u00e4ndigen Willen, vor Bauten und meistens mit Kindern des Mossi-Stammes in Burkina Faso. <\/p>\n<p>Das Land liegt in Westafrika, innen, wo der Niger einen Bogen macht und es grenzt an Mali, Niger, Benin, Togo, Ghana und die Elfenbeink\u00fcste. Die einstige franz\u00f6sische Kolonie Obervolta erlangte 1960 ihre Unabh\u00e4ngigkeit. 1984 wurde der Name des Landes in Burkina Faso (\u201eLand der Ehrenwerten\u201c oder \u201eLand der Aufrichtigen\u201c) ge\u00e4ndert. Es war und ist noch immer eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder, der Welt.<\/p>\n<p>Schlingensief hat es noch geschafft, dort, in einem Dorf nahe der Hauptstadt Ouagadougou, eine Schule zu bauen und zum Laufen zu bringen; 50 Kinder lernen seit letztem Herbst in dem kinderfreundlichen Haus, das in der vom Architekten Francis K\u00e9r\u00e9 schneckenf\u00f6rmig entworfenen Gesamtanlage steht. Schlingensiefs n\u00e4chstes Ziel war ein Operndorf.<\/p>\n<p>\u201eMein wichtigstes Projekt\u201c, wie er immer betonte. Keine Entwicklungshilfe, sondern ein Kunstprojekt, an dem alle Dorfbewohner teilhaben, an dem sie dauerhaft mitwirken, womit sie ihren Lebensunterhalt verdienen. Mit Krankenstation und Solaranlage f\u00fcr eigenen Strom. Eine \u201esoziale Plastik\u201c, schwebte dem aus Oberhausen stammenden Vision\u00e4r Schlingensief vor, ganz im Sinne des Utopisten vom Niederrhein, Joseph Beuys.<\/p>\n<p>Pragmatisch dachte Schlingensief dabei \u2013 und zugleich wollte er das Ganze auch symbolisch: Als Zeichen f\u00fcrs M\u00f6gliche, f\u00fcrs Gute, Sch\u00f6ne, Hoffnungsvolle inmitten der Armut und aller scheinbaren Vergeblichkeit auf dem Kontinent.<\/p>\n<p>F\u00fcr Schlingensief hat sich keiner bitten lassen: Nicht Peter Raue von den Freunden der Nationalgalerie, Kunstkenner und erkl\u00e4rter Freund der K\u00fcnstler \u2212 er \u00fcbernimmt den Part des Auktionators. Werke, deren Sch\u00e4tzpreis zusammen schon eine Million Euro ergibt, wurden gespendet: von Matthew Barney ein C-Print-Bild aus dem mystischen \u201eCremaster.3\u201c-Film, von Patti Smith eine Zeichnung mit Widmung f\u00fcr den Freund Schlingensief.<\/p>\n<p>Unter den Hammer kommen Spenden aus deutschen und Berliner Galerien, so Bilder und Objekte von Katharina Sieverding, Andreas Gursky, Marina Abramovic, Michael Wesely, Koto Bolofo, Pipilotti Rist, Georg Baselitz, Olafur Eliasson, Wolfgang Tillmans, Christo, G\u00fcnther Uecker, Wim Wenders, Herrmann Nitsch, Gotthard Graubner, Valie Export, Andreas Hofer, John Bock, Elmgreen &#038; Dragset.<\/p>\n<p>Das liest sich wie das \u201eBest of\u201c der Kunst der letzten 20 Jahre \u2013 und ist es auch. Gro\u00dfsammler Friedrich Christian Flick, seines Zeichens M\u00e4zen der Rickhallen am Museum Hamburger Bahnhof, steuert nicht nur ein kostbares Sigmar Polke-Bild bei. Er legt auch gleich noch 250.000 Euro aus eigener Tasche dazu. Bauphase zwei in Burkina Faso r\u00fcckt nahe. Und Schlingensief ist nicht tot.<\/p>\n<p><strong>Auktion 3000: Donnerstag, 8. M\u00e4rz, im Hamburger Bahnhof. Invalidenstr. 50\/51 (Tiergarten). Einlass 19 Uhr, Beginn 20 Uhr.<\/strong><\/p>\n<p><em>Quelle: Berliner Zeitung vom 06.03.2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eMacht f\u00fcr mich weiter, gebt nicht auf!\u201c So hat es sich der verstorbene Regisseur Christoph Schlingensief gew\u00fcnscht. Nun spenden ber\u00fchmte K\u00fcnstler in der \u201eAuktion 3000. 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