{"id":660,"date":"2012-02-05T22:49:11","date_gmt":"2012-02-05T20:49:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=660"},"modified":"2012-02-05T22:49:11","modified_gmt":"2012-02-05T20:49:11","slug":"in-afrika-entsteht-ein-operndorf-dapd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=660","title":{"rendered":"IN AFRIKA ENTSTEHT EIN OPERNDORF (DAPD)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Etwas versteckt zwischen vier M\u00e4nnern sitzt Christoph Schlingensiefs Witwe, Aino Laberenz, vor einer gro\u00dfen Leinwand mit der Aufschrift &#8222;Operndorf Afrika&#8220; und blickt sch\u00fcchtern in die Runde. Mit br\u00fcchiger Stimme beginnt sie von dem Projekt ihres an Lungenkrebs gestorbenen Mannes zu erz\u00e4hlen. Kaum vorstellbar, dass die zarte, etwas zerbrechlich wirkende Frau neben der Trauer auch noch das gro\u00dfe Projekt zu tragen hat, von dem Schlingensief sagte, es sei sein wichtigstes.<\/strong><\/p>\n<p>2008 hatte der Film- und Theaterregisseur das Langzeitprojekt ins Leben gerufen. Einen Ort des kulturellen Austauschs zu schaffen und &#8222;von Afrika lernen&#8220;, war sein gro\u00dfer Lebenstraum, dessen Realisierung er nicht mehr erleben durfte. Seit seinem Tod im August 2010 wird das Projekt von Aino Laberenz fortgesetzt. Bei den dritten Lessingtagen des Hamburger Thalia Theaters sprach sie am Donnerstag mit Aktionsk\u00fcnstler John Bock, Kunstsammler Harald Falckenberg, Intendant Matthias Lilienthal und Moderator Wolfgang H\u00f6bel \u00fcber Schlingensiefs Verm\u00e4chtnis.<br \/>\n&#8222;Keine unm\u00f6gliche Idee, die nur des Profites wegen entstehen soll, sondern die Idee, Afrika offiziell beklauen&#8220;, so hatte es Schlingensief provokant formuliert. &#8222;Kein goethereisender Kunstschn\u00f6sel, der den Afros mal zeigt, was deutsche Kultur so alles kann.&#8220; Statt die deutsche Oper nach Afrika zu bringen, wollte Schlingensief den Opernbegriff von seinem Sockel st\u00fcrzen. In Anlehnung an Beuys, die westliche Vorstellung von einem Kunstwerk auf den Kopf stellen, um der Kunst Leben einzuhauchen.<\/p>\n<p>&#8222;Die Grundidee war unser Bild von Afrika zu \u00e4ndern. Das Bild, das wir uns machen, in dem Afrika immer arm ist und wir immer helfen m\u00fcssen&#8220;, erkl\u00e4rt Laberenz. Auch wenn Burkina Faso das \u00e4rmste Land Afrikas sei, habe es doch eine reiche Kultur, die uns viel zu bieten habe. All unsere Afrika-Bilder seien von uns gemacht und daher tr\u00fcgerisch. In der Schule des Operndorfes, die neben regul\u00e4ren F\u00e4chern auch Film-, Kunst- und Musikunterricht anbietet, sollen die Kinder lernen, uns ihre eigenen Geschichten zu erz\u00e4hlen. Dort fange die Oper schon an.<br \/>\nWas aus dem Dorf einmal werden soll, ob am Ende afrikanische K\u00fcnstler Wagners Opern auff\u00fchren, oder das Dorf zu einer Auftankstation f\u00fcr europ\u00e4ische K\u00fcnstler werde, davon wolle sich die 30-J\u00e4hrige l\u00f6sen. &#8222;Das sollen die Afrikaner selbst entscheiden, ohne jegliche Erwartungshaltung.&#8220; Die Menschen einbeziehen, Materialien von dort beschaffen und mitbestimmen lassen, darin liege der Unterschied zur Entwicklungshilfe. &#8222;Das Ding wird wachsen und wir d\u00fcrfen zusehen, aber nicht mitreden&#8220;, hatte Schlingensief gesagt und gefordert: &#8222;Macht mit unserem Geld, was ihr wollt.&#8220;<\/p>\n<p>Schlingensiefs Idee schwebt \u00fcber allem. W\u00e4hrend die Herren der Diskussionsrunde diskutieren, was Schliengensief eigentlich gemeint hatte, ist Laberenz schon l\u00e4ngst in der Realit\u00e4t angekommen. Das Operndorf nahe der Hauptstadt Ouagadougou nimmt mittlerweile Formen an. Der erste Bauabschnitt mit der Schule ist fertig, im Oktober 2011 wurde die Er\u00f6ffnung gefeiert und sobald wie m\u00f6glich geht es mit dem zweiten Bauabschnitt weiter. Nur das Geld fehlt noch, etwa eine halbe Million Euro.<\/p>\n<p>Ein Krankenhaus soll gebaut werden. &#8222;Das Wort Oper kenne ich nicht, aber operieren, das brauchen wir hier&#8220;, habe eine afrikanische Frau einmal zu Schlingensief gesagt. Mit dem dritten Bauabschnitt werde dann die Oper als Herz des Dorfes entstehen. So frei die Idee vom Operndorf urspr\u00fcnglich auch gedacht war, jetzt gehe es auch darum Verantwortung f\u00fcr das Projekt zu \u00fcbernehmen, f\u00fcr die Menschen, die daran beteiligt sind.<\/p>\n<p><em>dapd, 3.5.2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ort der kulturellen Begegnung und &#8222;von Afrika lernen&#8220;, war Schlingensiefs gro\u00dfer Traum<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/660"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=660"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/660\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=660"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=660"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=660"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}