{"id":655,"date":"2012-01-27T16:58:36","date_gmt":"2012-01-27T14:58:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=655"},"modified":"2012-01-27T16:58:36","modified_gmt":"2012-01-27T14:58:36","slug":"say-goodbye-to-the-story-att-111","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=655","title":{"rendered":"SAY GOODBYE TO THE STORY (ATT 1\/11) AUF DER BERLINALE 2012"},"content":{"rendered":"<p><strong>Weltpremiere am 14. Februar 2012 auf der Berlinale, Sektion: Berlinale Shorts Wettbewerb<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/att_goodbye_hoch_cmyk.jpg\" width=\"310\" height=\"450\" alt=\"SAY GOODBYE TO THE STORY (ATT 1\/11)\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<p>Vorf\u00fchrungen im Rahmen der Berlinale 2012:<\/p>\n<p>10.02._ 22:00_ CinemaxX 3_ Pressevorf\u00fchrung<br \/>\n14.02._ 22:00_ CinemaxX 3_ Weltpremiere<br \/>\n15.02._ 17:45_ Colosseum 1<br \/>\n17.02._ 16:00_ CinemaxX 5<\/p>\n<p>Ein Albtraumniederschlag: GESTRICHENE Szenen eines Films, der allein aus gestrichenen Szenen besteht. Ihr wahrhaftigster Moment ist eine Traumsequenz, in der sich rauschhaft alle Qual der ersten Sequenz aufl\u00f6st, um im Spuk einer dritten Sequenz zu landen. Nichts ist fertig, nicht einmal die Zwischentitel. Alles ist im Werden. Oder Vergehen. Schlingensief verzweifelt an seinen Darstellern, die vor seiner Kamera, also im Weg stehen. Er flucht, er  tanzt durchs Bild, er wiederholt und wiederholt. Er wischt das Objektiv, auf der Suche nach dem Moment zwischen den Bildern.<\/p>\n<p>Ein Not-Making of, das uns mehr \u00fcber den Tod einer Geschichte erz\u00e4hlt als eine Geschichte \u00fcber den Tod einer Geschichte es k\u00f6nnte. \u201cOnce more: Everybody has to learn, that sometimes there is a good moment to say goodbye to the story. &#8212; And then it\u2019s perfect.\u201d Dieses Fragment ist so perfekt, weil ein Film, wie wir ihn kennen, ein einziger Fehler gewesen w\u00e4re. (J\u00f6rg van der Horst)<\/p>\n<p>Weitere Informationen zum Film: <a href=\"http:\/\/www.filmgalerie451.de\/filme\/say-goodbye-story-att-111\/\">www.filmgalerie451.de<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/62_ifb_berlinaleshorts_wettbewerb2_bw.jpg\" width=\"226\" height=\"115\" alt=\"Berlinale Shorts 2012\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p>Die Dreharbeiten zu THE AFRICAN TWINTOWERS fanden im Oktober 2005 in Namibia statt, als dritte Station von Christoph Schlingensiefs vierteiligem Projekt \u201eDer Animatograph\u201c. Ein Spielfilm sollte es werden, der sowohl die Stoffe der beiden vorangegangenen Projektstationen (Reykjavik, Neuhardenberg) aufnehmen als auch Schlingensiefs in Teilen traumatische Erfahrungen am Gr\u00fcnen H\u00fcgel in Bayreuth verhandeln sollte.<br \/>\nDer Plot ging ungef\u00e4hr so: Ein wahnhafter Regisseur, der unter Duschzwang leidet, soll im ehemaligen Deutsch-S\u00fcdwestafrika die Er\u00f6ffnungsoper Bayreuth-gleicher Festspiele inszenieren. Er verliebt sich in die kultur- und lebensm\u00fcde Tochter der Festspielfamilie und f\u00fchlt sich fortan verfolgt: von ihren Eltern, von ihrem Bruder, von einem V-Mann der Freiwilligen Selbstkontrolle, einer fehlgeleiteten Entwicklungshilfepolitik \u2013 und von der Idee einer Oper, die er niemals machen wird.<br \/>\nDie gewollte Konfusion durch ein an losen Ideen reiches Drehbuch wurde bald schon von der Konfusion vor Ort eingeholt: Im Anschluss an ein Produktionsessen in L\u00fcderitz wurde Schlingensiefs Laptop mitsamt der einzig g\u00fcltigen Drehbuchversion von Stra\u00dfendieben geklaut. <\/p>\n<p>In der Folge drehten Schlingensief und sein Team buchst\u00e4blich durch, jeden Tag, ohne festen Plan, in gro\u00dfen Teilen spontan. Schlingensief versuchte, wesentliche Szenen des Plots (z.B. Aufbau und Einweihung einer Drehb\u00fchne in einem Township vor den Toren der Hafenstadt L\u00fcderitz) nachzustellen. Gleichzeitig drehte er kurze \u201eRemakes\u201c von ihm gesch\u00e4tzter Filme (Fitzcarraldo, Faster Pussycat Kill Kill, Der Stand der Dinge, Lucifer\u00b4s Rising u.a.). Der Film, der ihm urspr\u00fcnglich vorschwebte, hatte sich verselbst\u00e4ndigt.<br \/>\nF\u00fcr mich als Produzent war all das einerseits ein Desaster, andererseits erschien es nie hoffnungslos. Was jeden Tag gedreht wurde, war so intensiv, aufregend und wahnsinnig, dass ich fest daran glaubte, dass Schlingensief es sp\u00e4ter irgendwie zusammenf\u00fcgen k\u00f6nnte.<br \/>\nEr konnte es nicht. Die Dreharbeiten und die daraus entstandenen circa 260 Stunden Filmmaterial waren ihm Segen und Fluch zugleich. Segen, weil sie seiner Idee vom Film, der sich von seinen Machern l\u00f6st und zwischen den Bildern ein Eigenleben entwickelt, sehr nahe kam. Fluch, weil auch Schlingensief nicht mehr Herr \u00fcber das Material war. F\u00fcr ihn wie f\u00fcr uns war es nicht mehr zu fassen.<br \/>\nAber THE AFRICAN TWINTOWERS lie\u00df Schlingensief nicht mehr los. In den Folgejahren tauchten Bilder und Fragmente in unterschiedlichen Formen in Schlingensiefs Arbeiten auf, so in einer 18 Monitore umfassenden Installation im Haus der Kunst  M\u00fcnchen (2007) oder beim Berlinale Forum Expanded (2009). Was sie uns zeigen, sieht jeder anders. Was sie uns sagen, sagt jeder sich selbst. Gespenster der Freiheit. Sie bezeichnen zweierlei: Schlingensiefs Vertrauen in unsere M\u00fcndigkeit als Zuschauer und seine bedingungslose Liebe zum Film, den er stets als Heimat begriffen hat.<br \/>\nWann der 20-Min\u00fcter SAY GOODBYE TO THE STORY (ATT 1\/11) genau entstanden ist, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass Schlingensief ihn in wenigen N\u00e4chten selbst geschnitten hat. Nach seinem Tod, bei der Organisation seines Filmarchivs, bin ich wieder darauf gesto\u00dfen. Der Film besteht aus drei Szenen, die unter extremen Bedingungen entstanden sind. Zwei der Szenen wurden sp\u00e4t nachts gedreht, kein Darsteller, kein Teammitglied war darauf vorbereitet. Da wir alle in einer kleinen Lodge zusammen wohnten, konnte Schlingensief jederzeit einen \u00dcberraschungsdreh ansagen. Und das tat er!<\/p>\n<p>Die dritte Szene, eine Traumsequenz in der Mitte des Films, entstand in einem geradezu manischen Rauschzustand aus \u00dcberm\u00fcdung, lauter Musik und Geschrei in einer leer stehenden Diskothek in L\u00fcderitz.<\/p>\n<p>(Frieder Schlaich, ATT &#8211; Produzent)<\/p>\n<p><strong>Zitate<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben 180 Stunden gefilmt, darunter auch kurze, aufflammende Momente der Gl\u00fcckseligkeit, in denen alles passte. Mich hat das in den besten Momenten an Dieter Roths Arbeit erinnert, in welcher er sich \u00fcber Monate und Jahre hinweg immer gefilmt hat \u2013 eine Arbeitsweise, die den Zuschauer also per se \u00fcberfordert. &#8230; Man k\u00f6nnte sagen, dass ich mir die Dimensionen der Unternehmung im Vorfeld nicht ein einziges Mal richtig vorgestellt habe. (Christoph Schlingensief im Interview mit Max Dax, Juni 2010)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weltpremiere am 14. 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