{"id":600,"date":"2010-06-05T00:15:55","date_gmt":"2010-06-04T22:15:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=600"},"modified":"2010-06-05T00:15:55","modified_gmt":"2010-06-04T22:15:55","slug":"schlingensief-und-monteverdi-deutschlandfunk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=600","title":{"rendered":"SCHLINGENSIEF UND MONTEVERDI (DEUTSCHLANDFUNK)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Oper und Opernd\u00f6rfer zur Er\u00f6ffnung der Kunstfestspiele in den Herrenh\u00e4user G\u00e4rten von Hannover<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/Remdoogo_Aufbau_c__Helge_Krueckeberg.jpg\" width=\"450\" height=\"299\" alt=\"Remdoogo (KunstFestSpiele Herrenhausen)\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<p><em>Von Georg-Friedrich K\u00fchn<\/em><\/p>\n<p>Die ersten Kunstfestspiele in den barocken Herrenh\u00e4user G\u00e4rten von Hannover sollen Oper, Konzert, bildende Kunst, Philosophie und Wissenschaft die Br\u00fccke schlagen: vom Barock bis in die Gegenwart.<\/p>\n<p>Afrikanische Trommeln im gezirkelten Barock-Garten von Hannover-Herrenhausen? Den Garten entwarf der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz. Er wollte hier einen Ort schaffen f\u00fcr allerlei Kuriosit\u00e4ten und Experimente: Von Wundern der Ingenieurskunst, \u00fcber Scharlatanerie bis hin zu Theater und Oper.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihr neues Festival, das Kunst, Wissenschaft und Alltag verbinden soll und das sie unter das Motto &#8222;Die Macht des Spiels&#8220; gestellt hat, dachte Elisabeth Schweeger &#8222;zwingend&#8220;, wie sie sagt, an Christoph Schlingensief und sein Operndorf Remdoogo, das er in Burkina Faso zu bauen begonnen hat.<\/p>\n<p>Schweeger: &#8222;Weil er mit seinem Festspielhaus in Afrika versucht ein Festivalzentrum zu er\u00f6ffnen und er es als sehr soziale Kunst sieht, mit Schulen, Ateliers, Ausbildungsst\u00e4tten. Das Kunstdorf ist ein richtiger sozialer Lebensraum.&#8220;<\/p>\n<p>Sehen kann man in einem Seitenteil des Gartens die Modelle: das wie eine Schnecke geformte Festspielhaus, die ganze Anlage mit Schule und Sportplatz. Aufstellfiguren von Ziege, Schaf und Esel erinnern an die Fauna der Savanne. Auf Videos wird der Baubeginn dokumentiert.<\/p>\n<p>Die erste Theater-Produktion des neuen Festivals galt einer der fr\u00fchesten Opern \u00fcberhaupt, Monteverdis &#8222;Orfeo&#8220;. Eine junge Truppe um den Dirigenten Olof Boman und den Regisseur Alexander Charim versucht die Geschichte von der Gattenliebe \u00fcber den Tod hinaus in die Erfahrungswelt von heute zu ziehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr den ersten Teil, das kurze gemeinsame Hochzeits-Gl\u00fcck des Paars, das aber schon von zahllosen Eifers\u00fcchteleien durchgiftet ist, sitzen die Besucher in der mit alten Fresken ausgemalten Galerie an langen Tischen auf Bierzeltb\u00e4nken.<\/p>\n<p>In der Mitte ist ein briefmarkengro\u00dfes Podium, wo die Figuren K\u00f6rperkontakte pflegen, sich anbr\u00fcllen oder mit Goldkonfetti beregnen d\u00fcrfen. Die Verfolgungsjagden werden publikumsnah auch \u00fcber die Tische hin ausgeweitet.<\/p>\n<p>Mit M\u00fche identifiziert man die beiden Protagonisten, ansonsten bleiben die Figuren schemenhaft. Irgendwann verschwindet Euridice pl\u00f6tzlich in den Park. Und Orfeo hat nur noch ihre Schuhe \u00fcbrig.<\/p>\n<p>F\u00fcr den zweiten Teil, den Abstieg in die Unterwelt, wechselt man in die gegen\u00fcberliegende Orangerie, wo eine Guckkastenb\u00fchne aufgebaut ist.<br \/>\nIn die Unterwelt f\u00fchrt ein als Nachkomme von Curt Cobain verpuppter Caronte, der Monologe \u00fcber die innere Leere von Menschen heute h\u00e4lt und in Orfeo sich verbei\u00dft.<\/p>\n<p>Orfeo vermag zwar das H\u00f6llentor zu sprengen. \u00dcber den aus dessen B\u00e4nken gebauten Weg in Schneckenform &#8211; siehe Schlingensief &#8211; findet er aber nicht hinaus. Und Euridice kommt zu dem Schluss, es ist aus; er will gar nicht sie, sondern lieber Charon.<\/p>\n<p>Mehr als drei Stunden dauert die Auff\u00fchrung, reichlich strapazi\u00f6s durch die vielen Einlagen. Es fehlt der Produktion entschieden an Gef\u00fchl f\u00fcr Proportionen. Dabei wird erstaunlich pr\u00e4zis musiziert von dem Berliner Ensemble &#8222;Kaleidoskop&#8220;.<\/p>\n<p>Auch unter den S\u00e4ngern findet man hervorragende Stimmen. Insbesondere der Orfeo von Carl Ghazarossian kann mit einem sehr schmiegsamen, hellen Timbre \u00fcberzeugen, aber auch Isa Katharina Gericke als Euridice und Nils Cooper als Pluto.<\/p>\n<p>In seinem Er\u00f6ffnungsvortrag hatte Hirnforscher Wolf Singer \u00fcber Spiel als Training der Hirn-F\u00e4higkeiten meditiert. F\u00fcr die Opern-Macher war dies sicher ein gutes Training, das Vergn\u00fcgen f\u00fcr den Zuschauer eher begrenzt.<\/p>\n<div style=\"padding-top:20px;padding-bottom:25px;\"><object type='application\/x-shockwave-flash' data='..\/mediathek\/dewplayer.swf?mp3=http:\/\/www.schlingensief.com\/downloads\/2010-06-05_schlingensief_und_monteverdi_dlf_20100605_1731_e4cce747.mp3&amp;autostart=1' width='450' height='20'><param name='movie' value='..\/mediathek\/dewplayer.swf?mp3=2010-06-05_schlingensief_und_monteverdi_dlf_20100605_1731_e4cce747.mp3&amp;autostart=1' \/><\/object><\/div>\n<p><strong>Quelle: Deutschlandfunk Kultur Heute, 5.6.2010<\/strong><\/p>\n<p><em>Foto: (c) Helge Krueckeberg<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oper und Opernd\u00f6rfer zur Er\u00f6ffnung der Kunstfestspiele in den Herrenh\u00e4user G\u00e4rten von Hannover<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/600"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=600"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/600\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=600"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=600"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=600"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}