{"id":593,"date":"2010-06-25T21:20:34","date_gmt":"2010-06-25T19:20:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=593"},"modified":"2010-06-25T21:20:34","modified_gmt":"2010-06-25T19:20:34","slug":"schluss-mit-dem-gutmenschentum-donaukurier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=593","title":{"rendered":"SCHLUSS MIT DEM GUTMENSCHENTUM (DONAUKURIER)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mit einem Gastspiel haben die M\u00fcnchner Opernfestspiele begonnen: Christoph Schlingensiefs Afrika-Spektakel &#8222;Remdoogo \u2013 Via Intolleranza II&#8220;, eine Koproduktion der Festspielhaus Afrika gGmbH mit Kampnagel Hamburg, dem Kunstenfestivaldesarts Br\u00fcssel und der Bayerischen Staatsoper. <\/strong><\/p>\n<p>Spektakul\u00e4rer Auff\u00fchrungsort in M\u00fcnchen, futuristisch anmutend: die tempor\u00e4re Spielst\u00e4tte &#8222;Pavillon 21 MINI Opera Space&#8220; der Architekten von Coop Himmelb(l)au auf dem Marstallplatz hinter dem Nationaltheater, wo in den n\u00e4chsten Wochen &#8222;lustvoll&#8220; unterschiedliche Ausdrucksmittel  des Musiktheaters erprobt werden sollen.<\/p>\n<p>Der Berliner Regisseur Christoph Schlingensief (49) hat im Rahmen seines Operndorf-Projekts in Remdoogo in der N\u00e4he von Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, eine Gruppe junger K\u00fcnstler gecastet, mit denen er das St\u00fcck &#8222;Via Intolleranza II&#8220; bereits in Br\u00fcssel, Hamburg und Wien auf die B\u00fchne gebracht hat. Die hoch motivierten afrikanischen Darsteller leben und arbeiten f\u00fcr die Dauer der Produktion zusammen mit deutschen Akteuren. Schlingensief bezeichnet das Projekt etwas hoch gestochen als &#8222;begleitende Forschungsarbeit&#8220; seines Afrika-Engagements, dessen Planung auch eine Schule, Werkst\u00e4tten und eine Krankenstation umfasst.<\/p>\n<p>Der Titel &#8222;Via Intolleranza II&#8220; bezieht sich auf eine legend\u00e4re Produktion von Luigi Nono aus dem Jahr 1960 \u2013 eine freilich sehr freiz\u00fcgig herbeigeholte Assoziation. Gegeben wird eine bunte, l\u00e4rmige Show, eine in zehn Kapitel gegliederte Collage mit Videoprojektionen, einem europ\u00e4isch-afrikanischen Musik-Mix mit dem fetzigen Berliner F\u00f6nix-Trio und Einspielungen aus der Konserve, wunderbaren spielerischen, gesanglichen und t\u00e4nzerischen Sololeistungen, auch eines kleinw\u00fcchsigen schwarzen Schauspielers. Das l\u00e4uft, auf Improvisation getrimmt, mal kabarettistisch, mal bedeutungsschwanger, mal kopfig, mal klamottig. Alles in allem etwas verworren, erkennbar aber doch als roter Faden die Botschaft: &#8222;Warum wollen wir st\u00e4ndig dem afrikanischen Kontinent helfen, obwohl wir uns schon lange nicht mehr helfen k\u00f6nnen&#8220;<\/p>\n<p>Zu Beginn der 90-min\u00fctigen Vorstellung wird eine Gru\u00dfadresse von Christoph Schlingensief verlesen. Er liege in einem M\u00fcnchner Nobelhotel danieder, k\u00f6nne leider nicht erscheinen. Dann steht er aber doch pl\u00f6tzlich auf der B\u00fchne, in bester Verfassung, ein Gag eben. Der Meister \u00fcbt sich in ironischer Selbststilisierung, auch seine Krebserkrankung betreffend, und hebt gegen Ende noch einmal zu einer Rede an, benutzt dabei das \u00fcble Unwort &#8222;Gutmensch&#8220; \u2013 mit dieser Art m\u00fcsse Schluss sein. Gespendet werden solle dennoch flei\u00dfig, aber eben ganz ohne Bedingungen. Erfreulich viele Sponsoren und Unterst\u00fctzer hat Schlingensief in Europa f\u00fcr sein Projekt gewonnen, allen voran den ehemalige Bundespr\u00e4sident K\u00f6hler. Alles Gutmenschen oder was?<\/p>\n<p><em>Quelle: Donaukurier vom 25.6.2010, von Friedrich Kraft<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem Gastspiel haben die M\u00fcnchner Opernfestspiele begonnen: Christoph Schlingensiefs Afrika-Spektakel &#8222;Remdoogo \u2013 Via Intolleranza II&#8220;, eine Koproduktion der Festspielhaus Afrika gGmbH mit Kampnagel Hamburg, dem Kunstenfestivaldesarts Br\u00fcssel und der Bayerischen Staatsoper. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3,8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/593"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=593"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/593\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=593"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=593"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=593"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}