{"id":577,"date":"2010-06-14T11:13:45","date_gmt":"2010-06-14T09:13:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=577"},"modified":"2010-06-14T11:13:45","modified_gmt":"2010-06-14T09:13:45","slug":"eine-szenische-ideenorgie-der-standard","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=577","title":{"rendered":"EINE SZENISCHE IDEENORGIE (DER STANDARD)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Christoph Schlingensiefs Collage auf der Probeb\u00fchne des Burgtheaters im Wiener Arsenal <\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/intolleranza_5.jpg\" width=\"450\" height=\"253\" alt=\"Via Intolleranza II (c) Aino Laberenz\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<p>Wien &#8211; Es beginnt im Wiener Arsenal mit einer netten Lieddarbietung und endet ganz anders &#8211; mit einem Filmausschnitt, in dem Christoph Schlingensief monologisierend zu erleben ist, in dem er selbstqu\u00e4lerisch-ungehalten all jenes Helfertum, das \u00fcber Afrika gekommen ist und kommt &#8211; inklusive Schlingensiefs eigenem Vorhaben -, infrage stellt.<\/p>\n<p>Dazwischen fehlt &#8211; so der irgendwann Ersch\u00f6pfung ausl\u00f6sende Eindruck &#8211; bei Via Intolleranza II praktisch nichts au\u00dfer einem Verweis auf die laufende Fu\u00dfball-WM in S\u00fcdafrika, die angeblich auch ein Meilenstein f\u00fcr die positive Wahrnehmung des Kontinents werden soll:<\/p>\n<p>Via Intolleranza II, diese Kooperation von Wiener Festwochen, Burgtheater und Impulstanz (die auch nach M\u00fcnchen an die Oper gehen wird), ist eine \u00fcberbordende, \u00fcberfordernde und schrill-skurrile Mediation \u00fcber Klischees und Stereotype entlang Luigi Nonos politischem Musiktheater Intolleranza 1960. Mit einem gesamtkunstwerklichen Ansatz wird sie zu einer wilden, dynamischen szenischen Collage, in der sich Filme in szenische Kurzszenen bohren, Texte mit Tanzmomenten kollidieren.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/intolleranza_38.jpg\" width=\"450\" height=\"253\" alt=\"Via Intolleranza II (c) Aino Laberenz\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<p>Und die Musik: Sie pendelt zwischen afrikanischer Popmusik, freien Passagen, HipHop, angerissenen Soulklassikern und jenen Kl\u00e4ngen, die das F\u00f6nix-Orchester produziert. Das wohlgeordnete Chaos erw\u00e4chst immer wieder aus der vollger\u00fcmpelten B\u00fchne. Wei\u00dfe Vorh\u00e4nge werden zu Projektionsfl\u00e4chen, angemalte Holzh\u00e4uschen zu Herbergen. Auch ein Krankenbett ist da, und eine Glaszelle, die zur Kurzzeitdisco mutiert. Und ja, auch ein Rednerpult kommt zum Einsatz.<\/p>\n<p>Inhaltlich geht es nat\u00fcrlich auch um Schlingensiefs Operndorf Remdoogo, das bei Ouagadougou in Burkina Faso entsteht. Um dieses Projekt herum gr\u00fcbelt sich Schlingensief hier assoziativ durch seine eigenen Vorurteile, seine Hilflosigkeiten und Zweifel. Die europ\u00e4ischen Darsteller l\u00e4sst er spleenig und in ihrem Pathos l\u00e4cherlich erscheinen. Den afrikanischen K\u00fcnstlern bietet er auch ein Forum &#8211; da ist auch eine Europ\u00e4erbeschimpfung drin. Und da es um alles zu gehen scheint, geht es auch um europ\u00e4isches Kunstgehabe: Wenn eine fiktive Festwochen-Dramaturgin dann eingangs einen Vortrag h\u00e4lt und angebliche E-Mails von Schlingensief vorliest, in denen dieser Festwochen-Chef Luc Bondy und Regiekollege Frank Castorf vorwirft, sie w\u00fcrden einander quasi im Gegengesch\u00e4ft die Regiejobs zuschieben, dann gibt es kein Halten mehr im Publikum.<\/p>\n<p>&#8222;Leben ist das, was nicht gelingt&#8220;, hei\u00dft es dann aber an einer andere Stelle. Und da lacht dann niemand, und das passt auch viel besser zu diesem Abend der fantasieprallen, qu\u00e4lenden Ideenorgie, die eine ganz eigene szenische Dynamik entfalten konnte. <\/p>\n<p><em>Quelle: tos \/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.6.2010<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Schlingensiefs Collage auf der Probeb\u00fchne des Burgtheaters im Wiener Arsenal<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/577"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=577"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/577\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=577"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=577"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=577"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}