{"id":541,"date":"2010-05-03T10:36:52","date_gmt":"2010-05-03T08:36:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=541"},"modified":"2010-05-03T10:36:52","modified_gmt":"2010-05-03T08:36:52","slug":"reif-fur-die-insel-faz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=541","title":{"rendered":"REIF F\u00dcR DIE INSEL (FAZ)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Alleskombinierer und Alleskommentierer Christoph Schlingensief wird Deutschland auf der Biennale 2011 in Venedig vertreten. Er k\u00f6nnte schaffen, woran seine Vorg\u00e4nger scheiterten: Die \u00fcblichen Gattungsmauern einst\u00fcrzen zu lassen und den Sinn von Kunst neu zu definieren.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/perfectshotfilms_450px.jpg\" width=\"450\" height=\"253\" alt=\"Schlingensief Biennale PM\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<p><em>Von Swantje Karich<\/em><\/p>\n<p>Christoph Schlingensief wird verehrt oder gehasst. Dazwischen gibt es fast nichts. Daf\u00fcr hat der professionell provokative K\u00fcnstler mit seinen unz\u00e4hligen Theaterst\u00fccken und Opern, Ausstellungen und Performances selbst und ganz bewusst gesorgt. Zuletzt irritierte er mit der \u00f6ffentlichen Verarbeitung seiner schweren Krankheit.<\/p>\n<p>Jetzt hat ihm die Direktorin am Museum f\u00fcr Moderne Kunst in Frankfurt, Susanne Gaensheimer, als Kuratorin des deutschen Pavillons auf der Biennale 2011 das gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Vertrauen ausgesprochen: Schlingensief wird Deutschland in Venedig vertreten. Die Entscheidung ist eine handfeste \u00dcberraschung. Sie setzt zwar einen erwartbaren Kontrapunkt zur sperrig-didaktischen Katzenk\u00fcche des Briten Liam Gillick von 2007. Doch Gaensheimer, die in ihren Frankfurter Ausstellungen anspruchsvollen, konzeptuellen Themen viel Aufmerksamkeit schenkt, h\u00e4tte man auch die Ernennung eines hoffnungsvollen K\u00fcnstlers aus der lebendigen neuen deutschen Szene zugetraut. Auswahl gibt es genug. Ausgesprochen mutig ist die Wahl nicht, da sie mit Schlingensief einen K\u00fcnstler auf die internationale B\u00fchne f\u00fchrt, der dort l\u00e4ngst schon angekommen ist.<\/p>\n<p><strong>Leiden am Raum<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht aber ist Venedig ein Ort, an dem Schlingensief \u00fcber sich hinauswachsen kann: Der 1938 von den Nationalsozialisten umgestaltete Pavillon scheint f\u00fcr ihn wie geschaffen. Er wird als Regisseur, Kurator, K\u00fcnstler, Parteigr\u00fcnder, Privatmann mit seiner Mannschaft den Ort entern und alle auffindbaren Tabus brechen, denn er hat keine Angst vor der autorit\u00e4ren Formensprache. Die totale Okkupation aller Sinne ist von ihm zu erwarten.<\/p>\n<p>All diese \u00dcberlegungen lassen eine Hoffnung zu: Vielleicht sind Venedig und die Kunstwelt genau jetzt reif f\u00fcr Schlingensief. Seine auf \u00d6ffentlichkeit berechneten Formen der Vermittlung, die kollektive Rezeption seiner Theaterschauen, f\u00fchren Bildende Kunst, Theater, Oper, Performance und politische Aktion zusammen. Welches, wenn nicht dieses Gesamtkunstwerks-Orchester bringt die Beschr\u00e4nkungen in unseren K\u00f6pfen endg\u00fcltig zum Bersten? Zwar haben schon Uecker, Richter, Baumgarten, Beuys, Haacke und viele Nachfolger einen Kommentar zur Architektur des Pavillons in ihre Pr\u00e4sentation einbezogen. Dieses Leiden am Raum ist aber vielleicht nur durch einen Alleskombinierer und Alleskommentierer seines Schlages zu bearbeiten.<\/p>\n<p>Schlingensief ist in vielerlei Hinsicht radikaler als seine Vorg\u00e4nger. Er k\u00f6nnte schaffen, woran zuvor Thomas Scheibitz und Tino Segal, Isa Genzken und Liam Gillick scheiterten: die \u00fcblichen Gattungsmauern einst\u00fcrzen zu lassen und den Sinn von Kunst neu zu definieren. Die Schlingensiefsche Bilderflut schwappt nun also &#8211; nach Bayreuth und Afrika &#8211; auch in die Welt der Bildenden Kunst hinein. Es wird ein Erlebnis werden, das ist sicher.<\/p>\n<p><em>Quelle: F.A.Z. vom 3.5.2010<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alleskombinierer und Alleskommentierer Christoph Schlingensief wird Deutschland auf der Biennale 2011 in Venedig vertreten. 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