{"id":534,"date":"2010-04-16T14:49:09","date_gmt":"2010-04-16T12:49:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=534"},"modified":"2010-04-16T14:49:09","modified_gmt":"2010-04-16T12:49:09","slug":"dustere-kehrseiten-leuchtender-utopien-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=534","title":{"rendered":"D\u00dcSTERE KEHRSEITEN LEUCHTENDER UTOPIEN (WELT)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Deichtorhallen Hamburg zeigen 65 Werke aus der Julia Stoschek Collection<\/strong><\/p>\n<p>Im Zwielicht leuchten flirrende Bilder, flimmert ein Labyrinth aus spiegelnden Stelen. Darin kann der Betrachter sich &#8211; zigfach zersplittert &#8211; selbst begegnen. Der Eingangsraum der Schau in der Nordhalle der Hamburger Deichtorhallen, wo erstmals Werke aus der international renommierten Julia Stoschek Collection au\u00dferhalb ihres D\u00fcsseldorfer Sitzes museal pr\u00e4sentiert werden, gleicht einem in mehrere Richtungen weisenden Tableau.<\/p>\n<p>Hier b\u00fcndeln sich zentrale Themen der auf Film- und Videokunst, Fotografie und Installationen fokussierten Sammlung: Utopien und deren d\u00fcstere Kehrseiten, Positionen weiblicher Widerst\u00e4ndigkeit, die Auseinandersetzung mit K\u00f6rperlichkeit, Sexualit\u00e4t, existenziellen Extremzust\u00e4nden, poetischer Minimalismus. Letzterer manifestiert sich bereits im ersten Exponat, mit dem die 1975 geborene, engagierte Kunstliebhaberin (sie ist Gesellschafterin eines Automobilzulieferers in Familienbesitz) 2002 ihre Sammlung startete. Es handelt sich um eine monochrome Malerei des katalanischen K\u00fcnstlers Pep Agut, durchzogen von r\u00e4tselhaftem schmalem Schriftband: &#8222;Mon ombre est un mur, la tienne un miroir&#8220; &#8211; &#8222;Mein Schatten ist eine Wand, deiner ein Spiegel&#8220;.<\/p>\n<p>Daneben ist Julia Stoschek im Fotoportr\u00e4t von Thomas Ruff zu sehen. Die extrem detaillierte Nahsicht schl\u00e4gt um in Abstraktion. In der Ferne hinter dem Irrgarten des d\u00e4nischen K\u00fcnstlers Jeppe Hein ist Pipilotti Rists traumartig-bizarre Filmarbeit &#8222;I Want to See How You See&#8220; zu sehen, nach der die Ausstellung benannt wurde.<\/p>\n<p>Diese erste von Dirk Luckow in seiner Eigenschaft als Deichtorhallen-Chef geplante Produktion ist in ihrer &#8222;Lebensn\u00e4he&#8220; programmatisch f\u00fcr Weiteres. &#8222;Es geht darum, Spuren in den K\u00f6pfen zu hinterlassen&#8220;, so Luckow. &#8222;Die Sammlung von Julia Stoschek liegt am Puls der Zeit &#8211; das Publikum kann bei der Betrachtung Essenzielles \u00fcber die eigene Wirklichkeit erfahren.&#8220;<\/p>\n<p>Aktuelle Ans\u00e4tze sind charakteristisch f\u00fcr die Kollektion, die mittlerweile weit \u00fcber 400 Werke umfasst und laut Julia Stoschek durch die Sammelleidenschaft des Hamburgers Harald Falckenberg inspiriert wurde. Pioniere der Sechziger- und Siebzigerjahre auf den Gebieten der feministischen Performancekunst sowie der gesellschaftskritischen Rollen- und Identit\u00e4tshinterfragungen geh\u00f6ren auch zur Sammlung.<\/p>\n<p>In der Hamburger Auswahl, die 65 Werke von 54 K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern umfasst, stehen Klassikerinnen und Klassiker wie Marina Abramovic (vertreten mit ihrer eindringlichen K\u00e4mm-Aktion bis zur Schmerzgrenze &#8222;Art must be beautiful \/ Artist must be beautiful&#8220;), Bruce Nauman oder Chris Burden jungen K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern wie Nathalie Djurberg, Klara Lid\u00e9n, Clemens von Wedemeyer oder Terence Koh gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Arbeiten von Christoph Schlingensief, Isaac Julien und Christian Jankowsky oder auch Anthony McCalls ephemere Lichtskulptur &#8222;Line Describing a Cone&#8220; von 1973 sind weitere H\u00f6hepunkte der Ausstellung, die in fantastisch konzipierter, vielf\u00e4ltige Blickachsen er\u00f6ffnender Architektur ihre feinstoffliche Wucht entfaltet.<\/p>\n<p><em>Von Belinda Grace Gardner, Die WELT, 16. April 2010<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deichtorhallen Hamburg zeigen 65 Werke aus der Julia Stoschek Collection<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/534"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=534"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/534\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=534"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=534"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=534"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}