{"id":528,"date":"2010-03-25T16:30:17","date_gmt":"2010-03-25T14:30:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=528"},"modified":"2010-03-25T16:30:17","modified_gmt":"2010-03-25T14:30:17","slug":"ich-will-nicht-den-afro-clown-mimen-tagesspiegel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=528","title":{"rendered":"\u00bbICH WILL NICHT DEN AFRO-CLOWN MIMEN\u00ab (TAGESSPIEGEL)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Grundstein ist gelegt, aber wie geht es nun weiter mit Christoph Schlingensiefs Festspielhaus in Burkina Faso? Dort Wagner zu treffen, d\u00fcrfe man nicht erwarten, sagt der K\u00fcnstler, sondern sich selbst. Im Interview spricht Schlingensief \u00fcber Afrika, Opern und Missverst\u00e4ndnisse.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/5734881_STANDARD.jpg\" width=\"400\" height=\"180\" alt=\"Schlingensief bei der Grundsteinlegung zum Operndorf (Februar 2010)\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<p><strong>Herr Schlingensief, was bedeutet Afrika f\u00fcr Sie?<\/strong><\/p>\n<p>Hier ist man total mit sich selbst konfrontiert, das habe ich vor vielen Jahren schon in Simbabwe gesp\u00fcrt. Ich will weder den Touri noch den Afro-Clown mimen, aber ich werde hier unglaublich ruhig. All die motorischen, hektischen St\u00f6rungen, die man in Deutschland so hat, sind weg. Das sage ich allen, die hierher kommen: Sie sollen nicht erwarten, dass Sie im Operndorf auf Wagner oder Mozart treffen, sondern auf sich selbst. Und dazu braucht man Zeit. <\/p>\n<p><strong>Wie haben Sie den Ort f\u00fcr das Operndorf \u2013 Remdoogo, eine knappe Autostunde au\u00dferhalb von Ouagadougou \u2013 ausgew\u00e4hlt?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben uns Grundst\u00fccke in der Innenstadt angeschaut, aber wir wollten nicht in Konkurrenz zur Theater- und Kulturszene hier treten und den gro\u00dfen G\u00f6nner spielen.<\/p>\n<p><strong>Der Name \u201eOperndorf\u201c weckt Missverst\u00e4ndnisse.<\/strong><\/p>\n<p>Ja, das ist so. Es gibt eben Leute, die alles und jedes immer misstrauisch beurteilen, die mich gewarnt haben vor den Verh\u00e4ltnissen hier, die alles besser wissen. Nach Manaus und Bayreuth habe ich den Namen Operndorf bewusst gew\u00e4hlt, ich bin romantisch, und ich bin auch kitschig. Ich wei\u00df um die poetische Kraft von Worten &#8230;<\/p>\n<p><strong>&#8230; die poetische Kraft des Wortes Oper?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, unbedingt. Aber wichtiger sind die Kinder. Die Schule, die wir in Remdoogo bauen, ist das Wichtigste \u00fcberhaupt. <\/p>\n<p><strong>Bayreuth habe Sie krank gemacht, sagten Sie einmal. Ist Afrika die Heilung?<\/strong><\/p>\n<p>Du brauchst immer ein Balsam f\u00fcr deine Trauer. Manchmal ist es die Religion. Ich denke hier auch an Epidauros, das antike Theater in Griechenland, wohin die Menschen zur Heilung kamen. Unser Architekt Francis K\u00e9r\u00e9 wird in Remdoogo eine Tagesklinik bauen, eine Krankenstation, wo man alle m\u00f6glichen Operationen ausf\u00fchren kann. Das ist Bestandteil des Vertrages mit dem Kulturministerium.<\/p>\n<p><strong>An einen regul\u00e4ren Spielbetrieb ist nicht gedacht?<\/strong><\/p>\n<p>Es wird ein Dorf, eine Musterhaussiedlung \u2013 ein Modell. Durch meine Krankheit habe ich begriffen, dass man es jetzt machen muss. Afrika hat eine Stabilit\u00e4t in seiner Spiritualit\u00e4t, die brauchen wir f\u00fcr unsere Zukunft. Wir m\u00fcssen hier einfach eine Fl\u00e4che schaffen, da muss nicht mein Name dranstehen und ich will mich hier auch nicht beerdigen lassen. Es ist ein Traum. Sonst wenden wir uns im Leben doch immer genau der Sache zu, die uns schadet.<\/p>\n<p><strong>Ohne den Architekten Francis K\u00e9r\u00e9, der aus Burkina Faso stammt, w\u00fcrden Sie es kaum schaffen.<\/strong><\/p>\n<p>Ohne ihn geht es nicht, dann h\u00e4tte ich alles abgesagt. Peter Anders vom Goethe-Institut hat uns zusammengebracht, und wir sind ein wunderbares Team.<\/p>\n<p><em>Die Fragen stellte R\u00fcdiger Schaper vom \u201eTagesspiegel\u201c<br \/>\nAus: Goethe aktuell vom 13. M\u00e4rz 2010<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Grundstein ist gelegt, aber wie geht es nun weiter mit Christoph Schlingensiefs Festspielhaus in Burkina Faso? Dort Wagner zu treffen, d\u00fcrfe man nicht erwarten, sagt der K\u00fcnstler, sondern sich selbst. 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