{"id":52,"date":"2005-11-22T13:27:28","date_gmt":"2005-11-22T11:27:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=52"},"modified":"2005-11-22T13:27:28","modified_gmt":"2005-11-22T11:27:28","slug":"dada-die-wuste-bebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=52","title":{"rendered":"Dada: Die W\u00fcste bebt!"},"content":{"rendered":"<p><em>DER SPIEGEL 47\/2005, 21.11.2005. Von Thilo Thielke<\/em><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"15\" border=\"0\"\/><\/p>\n<p><strong>Christoph Schlingensief tut, was er am besten kann, auch in Namibia: Er inszeniert den deutschen Wahnsinn. Ein Film \u00fcber die letzten Tage Schr\u00f6ders, &#8222;Wini&#8220; Wagner und das Elend der Baracken in der W\u00fcste. <\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"15\" border=\"0\"\/><\/p>\n<p>Der Gouverneur von L\u00fcderitz fuchtelt auf seiner Plattform. Dieser verdammte Hubschrauber m\u00f6ge endlich landen, br\u00fcllt er, und der Wind zerrt an seinem Cowboyhut mit der Marlboro-Reklame: &#8222;Herr Bundeskanzler, setzen Sie endlich Ihre verdammten Kufen auf diesen W\u00fcstensand, landen Sie, Sie Feigling!&#8220;<\/p>\n<p>Oben sieht der Haudegen einen Helikopter, unten sieht er 30 &#8222;Hottentotten&#8220;, die bedrohlich am schwankenden Ger\u00fcst r\u00fctteln und skandieren: &#8222;G\u00f6tterd\u00e4mmerung! G\u00f6tterd\u00e4mmerung!&#8220;<\/p>\n<p>Schon langt einer nach dem Hut des Gouverneurs, es droht Tumult, F\u00e4uste recken sich in den blauen Himmel empor, dem Hubschrauber entgegen, der nun aufreizend \u00fcber diesem verfluchten Flecken Erde steht und l\u00e4rmt und Sand aufwirbelt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"centered\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/0_1020_544706_00.jpg\" width=\"420\" height=\"280\" alt=\"0 1020 544706 00\" \/><\/p>\n<p>&#8222;Frau Wieczorek-Zeul&#8220;, ruft der Gouverneur nun schon heiser und mit letzter Kraft, &#8222;kommen Sie endlich her!&#8220; Sein hysterisches Geschrei geht im allgemeinen Krawall unter.<\/p>\n<p>Die Leute sind undankbar. Gerade noch hatte der Gouverneur diesen Slum hier am Rande des Sperrgebiets feierlich er\u00f6ffnet, eine Spende \u00fcbrigens der Familie Wagner aus Bayreuth, die sp\u00e4ter auch noch zu sehen sein wird. Und nun drohen sie ihn zu lynchen, w\u00e4hrend sich oben feige der Kanzler aus dem Staub macht, gemeinsam mit seiner Entwicklungshilfeministerin.<\/p>\n<p>Ein historischer Film, ganz offensichtlich. Aktionsk\u00fcnstler Christoph Schlingensief, 45, inszeniert deutsche Geschichte, deutschen Wahnsinn. Und der reicht in diesen Tagen vom Ring des Nibelungen bis zum Koalitionsvertrag, und er f\u00fchrt \u00fcber Deutsch-S\u00fcdwest. So hie\u00df diese Gegend fr\u00fcher. Die W\u00fcste bebt.<\/p>\n<p>Gedankenverloren schleicht die Psycho-Rockerin Patti Smith, in einen zerschlissenen schwarzen Mantel geh\u00fcllt, um die Szenerie herum: eine hagere Schamanin, die hier einen Stein aufsammelt und da ein schwarzwei\u00dfes Polaroid macht mit ihrer Uraltkamera. Und neben ihr singt der K\u00fcnstler und Autorenfilmer Klaus Beyer, zottelig wie ein Yeti unter seiner schwarzen Per\u00fccke, ziemlich schief &#8222;Revolution&#8220; von den Beatles: &#8222;We all want to change the world&#8220;.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"centered\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/0_1020_544702_00.jpg\" width=\"420\" height=\"280\" alt=\"0 1020 544702 00\" \/><\/p>\n<p>Sch\u00fcchtern n\u00e4hern sich ein paar Namibier dem Treiben und verlassen daf\u00fcr z\u00f6gerlich ihre Kulisse, eine &#8222;Area 7&#8220; genannte Wellblechsiedlung, die nicht viel vom chaotischen Gewusel anderer afrikanischer Shantytowns hat. &#8222;Area 7&#8220; klingt nicht nur wie weiland Hellersdorf oder Leipzig-Gr\u00fcnau, es ist auch so: ein scheu\u00dflich gl\u00e4nzendes Barackendorf &#8211; verkantet, verquadert und vermessen, als h\u00e4tte sich das Deutsche Institut f\u00fcr Normung in der namibischen W\u00fcste alle seine Tr\u00e4ume auf einmal erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>&#8222;Das sieht ja hier aus wie das Holocaust-Mahnmal in Berlin&#8220;, freute sich Schlingensief, als er den Ort vor kurzem entdeckte. Und dann zog ihn das realsozialistische Elend in der L\u00fcderitzer Ein\u00f6de, durch die einst deutsche Schutztruppler mit S\u00fcdwester auf dem Kopf ritten, so magisch an, dass er hier seine Bayreuther Drehb\u00fchne aufbaute: &#8222;den Animatografen, eine aktionistische Fotoplatte, auf der jeder seine Spuren hinterlassen darf&#8220;. Eigentlich ist das Ding nur eine simple Drehb\u00fchne, ein Kirmes-Requisit.<\/p>\n<p>Nun aber ist Schlingensief, nachdem er zuvor schon Simbabwes kommunistische Rassisten schockiert (&#8222;United Trash&#8220;, 1995) und den namibischen Fishriver-Canyon mit Wagner beschallt hatte (2000), wieder einmal in Afrika. Und zum ersten Mal nach neun Jahren dreht er wieder einen Film. &#8222;African Twin Towers&#8220; hei\u00dft das Projekt, und es geht diesmal um Richard Wagner, nat\u00fcrlich, den Anschlag vom 11. September, Hagen von Tronje, Odin und Edda, tote Hereros und lebende, Geister der Gegenwart und Geister der Vergangenheit. Das Ganze unter der permanenten Beobachtung diverser Kameras und jeder Menge irritierter Zuschauer. Schlingensief ist alles: Regisseur, Schauspieler und Kameramann.<\/p>\n<p>Ratlos verfolgen Slumbewohner den Aufruhr. Hoffentlich kommt das so nicht im deutschen Fernsehen, sagen sie und sch\u00fctteln betr\u00fcbt den Kopf. Sie w\u00fcrden ja als Wilde dargestellt, wie in der Steinzeit! Fast werden sie dabei von einem blassen Turbantr\u00e4ger umgerannt, der mit einem riesigen Kreuz durch die Gegend hetzt und dabei einen Haufen johlender Kinder hinter sich herzieht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"centered\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/0_1020_544698_00.jpg\" width=\"420\" height=\"286\" alt=\"0 1020 544698 00\" \/><\/p>\n<p>Was hier echt ist? Nun, Patti Smith, die Rock-Ikone der siebziger Jahre, sammelt echte Steine und macht echte Fotos, und sie selbst kommt auch nicht in irgendeinem Drehbuch vor &#8211; das im \u00dcbrigen vor einigen Tagen gestohlen und nie wieder ersetzt wurde. Sie mag Schlingensiefs Dada-Theater und ist deshalb gekommen, als Touristin gewisserma\u00dfen.<\/p>\n<p>Kanzler Schr\u00f6der hingegen ist nicht der Kanzler. Im Hubschrauber, der f\u00fcr 20 Minuten von einer Diamantminengesellschaft gechartert wurde, sitzt in Wirklichkeit Produzent Frieder Schlaich mit einer Kamera.<\/p>\n<p>Der Gouverneur ist auch kein Gouverneur, sondern Dirk Rohde aus Nienburg an der Weser, und der ist Globetrotter und macht nebenbei Videokunst. Klaus Beyer ist kein Yeti, sondern Hagen von Tronje, der Halbbruder des Burgunder-K\u00f6nigs Gunther; immerhin sind die Beatles tats\u00e4chlich seine Lieblingsband. &#8222;Area 7&#8220; hingegen, dieser Slum hier im S\u00fcdwesten von Namibia, ist leider ziemlich real, genauso wie seine Bewohner, die nun im Scheinwerferlicht der Kameras an der Suppenausgabe stehen.<\/p>\n<p>Schlingensief liebt das Durcheinander: die verschiedenen Ebenen, die &#8222;Doppelbelichtung&#8220;, die &#8222;Dreidimensionalit\u00e4t&#8220;. Schlingensief, das ist Eigenblut-Doping. Der Mann berauscht sich an sich selbst.<\/p>\n<p>&#8222;Der Raum wird zur Zeit. Das Werk wird zur Umgebung, und die Umgebung wird zum Werk.&#8220; Das ist sozusagen sein Regierungsprogramm. Alles dreht sich, alles wird gedreht. Daf\u00fcr stehen die Namibier oder Namibier-Darsteller nun etwas schwindelig mitten in diesem Zitaten- und Mythen-Gewitter der Nordm\u00e4nner und beobachten misstrauisch, wie Schlingensiefs Leute wie in &#8222;Fitzcarraldo&#8220; ein verrottetes Schiff durch die Gegend ziehen und auf den Animatografen wuchten.<\/p>\n<p>Zum provokativen Kunstakt wird das alles erst durch den Zusammenprall: der deutsche Wahn hier und die afrikanische Ratlosigkeit dort. Oder sind es die Deutschen, die ratlos sind? <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"centered\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/0_1020_544700_00.jpg\" width=\"420\" height=\"280\" alt=\"0 1020 544700 00\" \/><\/p>\n<p>Schlingensief hat sich ein ziemlich humorloses Land ausgesucht f\u00fcr seine Aktion. Hier, zwischen Kalahari und Kolmannskuppe, sind K\u00fcnstler weitgehend damit besch\u00e4ftigt, die Regierungspartei Swapo zu ehren. Die hatte zwar, als sie sich noch im Widerstand gegen die Apartheid befand, nie einen Quadratzentimeter Heimatland befreit und galt deshalb auch nicht zu Unrecht als eine der erfolglosesten Truppen in der Geschichte der Befreiungsbewegungen.<\/p>\n<p>Umso heldenhafter m\u00fcssen nun allerdings ihre Denkm\u00e4ler ausfallen. Namibias Gegenwartskunst l\u00e4sst sich ganz gut auf dem &#8222;Heldenacker&#8220; am Stadtrand von Windhuk betrachten: ein von Nordkoreanern gemei\u00dfelter Obelisk, vor dem Ex-Pr\u00e4sident Sam Nujoma mit Handgranate und Schie\u00dfgewehr in Stein gehauen steht. Der staatlich gef\u00f6rderte Film verkitscht derweil das Leben des gro\u00dfen F\u00fchrers zu der monumentalen Seifenoper &#8222;Wo andere wankten&#8220;.<\/p>\n<p>Die Deutschen hatten es weiland nat\u00fcrlich nicht viel besser gemacht: Edle Reiter, in Bronze gegossen, zierten die Pl\u00e4tze der wilhelminischen W\u00fcstenst\u00e4dtchen, und zum Teil zieren sie sie noch heute. Dahinter T\u00fcrmchen, Giebel und Mansardend\u00e4cher &#8211; ein koloniales Disneyland im W\u00fcstensand. Und unter dem Dornbusch wird abends Wurst gegrillt, und es erklingt &#8222;Heia Safari&#8220;.<\/p>\n<p>Durch diesen \u00e4sthetischen Alptraum tobt nun Christoph Schlingensief: als Odin verkleidet, mit Augenklappe, wilder schwarzer M\u00e4hne und Fellgewand, begleitet von Edda, der Liliputanerin aus dem Hamburger Kleinw\u00fcchsigenverband, und Hagen von Tronje. Die drei schleppen sich an den Strand, die Sonne steht tief, das Wasser ist eisig. Dazu ert\u00f6nt Wagners G\u00f6tterd\u00e4mmerung aus dem Ghettoblaster.<\/p>\n<p>Hinten in den D\u00fcnen steht jetzt die verrottete Arche Noah vom Animatografen. Schlingensief \u00fcbersch\u00fcttet sich mit Mehl und Milch, h\u00e4ngt sich eine Alge, die Welt-Esche, um den Hals und st\u00fcrzt sich halb nackt in die Fluten des Benguela-Stroms. Zwergin Edda, der nordische Mythenzyklus, sitzt am Ufer, halb schon im Wasser. Hagen von Tronje schwingt eine Schaufel und k\u00e4mpft mit einem imagin\u00e4ren Feind, vermutlich versucht er, Siegfried zu meucheln.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"centered\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/0_1020_544704_00.jpg\" width=\"420\" height=\"274\" alt=\"0 1020 544704 00\" \/><\/p>\n<p>Odin Schlingensief schleppt derweil eine Filmrolle ins Meer und versenkt sie, woge, du Welle!, in den Fluten. Patti Smith hat w\u00e4hrend dieser dramatischen Ereignisse lieber Strandgut gesammelt, und Fassbinder-Muse Irm Hermann, als Siegfried-Wagner-Gattin Winifred im schrill-rosa Kost\u00fcm, hat sich mit sich selbst besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Auf dem Fitzcarraldo-Schiff wanken zwei Masten im Wind &#8211; die New Yorker Twin Towers. Dann versinkt die Sonne blutrot im Meer.<\/p>\n<p>Muss man das verstehen? In Namibia regt sich dumpfer Groll. Die Leserbriefspalten der namibischen &#8222;Allgemeinen Zeitung&#8220; haben sich l\u00e4ngst zum Zentralorgan des Volkszorns entwickelt. &#8222;Dieser selbstherrliche und arrogante Pinsel Schlingensief&#8220; solle mal einige Zeit in einem Kral verbringen, fordert einer. &#8222;Ein abgefackelter, von sich selbst bis zur L\u00e4cherlichkeit eingebildeter Betr\u00fcger&#8220;, sch\u00e4umt ein anderer, &#8222;Selbstdarsteller&#8220;, ein Dritter. Und einige schwarze Schauspieler f\u00fchlen sich laut Lokalpresse als &#8222;Freaks&#8220; missbraucht, als Afrikaner-Darsteller &#8211; &#8222;unverdorben und spontan&#8220;.<\/p>\n<p>Der deutsche Botschafter mosert auch, weil ihm Schlingensief bedeutet hatte, er m\u00f6ge sich deutlicher f\u00fcr die &#8222;Drecksveranstaltung der Deutschen zur Kolonialzeit&#8220; entschuldigen. Und die rote Heidi Wieczorek-Zeul wurde von Schlingensief aufgefordert, die Namibier nicht l\u00e4nger mit ihrem Vaterunser-Kram zu bel\u00e4stigen. Nichts also, was einen ernstlich ersch\u00fcttern m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Doch Schlingensief wird die Geister nicht mehr los, die er als Provokateur der Nation rief. Nun wird schon reflexartig &#8222;Skandal&#8220; geschrien, wenn er nur irgendwo auftaucht.<\/p>\n<p>Dabei f\u00fchlt sich der &#8222;Melancholiker&#8220; hochmoralisch. Er will auf das Elend des Kontinents hinweisen, &#8222;wo jeden Tag 35.000 Menschen sterben, w\u00e4hrend in den Twin Towers nur 3500 ihr Leben lie\u00dfen&#8220;. Er hasst das penetrante Gejammer terrorismusfixierter Angstb\u00fcrger mit ihrem &#8222;Flashbild des 11. September&#8220;: &#8222;Wenn einer falsch einparkt und hat einen langen Bart und einen Turban auf, dann ist das wahrscheinlich schon ein Terrorangriff.&#8220; Und ihn st\u00f6\u00dft die Lea-Rosh-Denkmalskultur ab, die jedes Andenken in Blockform beerdigt.<\/p>\n<p>Nun zieht er mit seinem Animatografen durch die Welt, sammelt Bilder und dokumentiert sie. Im brandenburgischen Neuhardenberg hat die Drehb\u00fchne schon gestanden und in Island. Wenn die Sache in Namibia vorbei ist, soll es weitergehen nach Bakhtapur in Nepal und Manaus im brasilianischen Regenwald. Er wird die Bilder aus Namibia den Nepalesen zeigen und den Brasilianern die aus Nepal und dokumentieren, wie sie darauf reagieren.<\/p>\n<p>Auf dem wackligen Ger\u00fcst stehen jetzt Siegfried Wagner (Norbert Losch) und Gattin Winifred. Sie freuen sich \u00fcber die so zahlreich angereisten Slumbewohner, \u00fcber die Journalisten vom &#8222;Opernglas&#8220; und von der &#8222;Allgemeinen Zeitung&#8220;, \u00fcber den sch\u00f6nen Slum, den sie gestiftet haben, und das gute Wetter.<\/p>\n<p>Siegfried und Wini wollen in Namibia die Wagner-Festspiele veranstalten, sie strahlen wie die Honigkuchenpferde &#8211; bis Wieland (Robert Stadlober) im Mephisto-Look auftaucht und der johlenden Masse &#8222;they use you, they use you&#8220; zuruft und Wagner-Spross Katharina (Katharina Schlothauer) &#8222;I hate my parents, I hate my parents&#8220; monologisiert.<\/p>\n<p>Mit der wagnerischen Familienkabale neigt sich ein ereignisreicher Tag im Slum dem Ende. Schon geht das Flutlicht an, die einzige Lichtquelle im Umkreis einiger Kilometer.<\/p>\n<p>Patti Smith erz\u00e4hlt noch etwas von Riesen und Erl\u00f6sung. Hagen von Tronje k\u00e4mpft mit einem Pappschwert gegen einen herbeigekarrten Raupenbagger. Aus dem Lautsprecher schallt Hans Albers&#8216; Fliegerlied, und einer der Schauspieler h\u00fcpft als Pinguin verkleidet durch die Gegend.<\/p>\n<p>Er ruft, die Deutschen im Allgemeinen und Richard Wagner im Besonderen seien die &#8222;most fascistic people in the world, arrogant and capitalistic&#8220;.<\/p>\n<p>Das, sagt Schlingensief nachher in der Suppenschlange ersch\u00f6pft, sei doch nur Geldofwieczorekzeulgr\u00f6nemeyerfischer-Ergriffenheitsprosa gewesen.<\/p>\n<p>Der neue Staatsjargon, den er nicht mehr h\u00f6ren mag; die Sprache der Berliner Republik, deren Narr er nicht mehr spielen m\u00f6chte; &#8222;das Gelaber vom Prenzlauer Berg, der Symposien und Sozialwissenschaftler&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Area 7&#8220; balgt sich nun an der Suppenausgabe. Es ist kalt geworden; Schlingensief fr\u00f6stelt. Er hat ein R\u00fcckflugticket in der Tasche, doch er m\u00f6chte nicht nach Hause. In Deutschland warten &#8222;ergriffene Personen&#8220;, in Manaus lockt der tropische Wald. Schlingensief sieht sich, Humboldt-Aufzeichnungen im Tornister, durch die gr\u00fcne H\u00f6lle ziehen. Oder im Himalaya: die Wagners bei den Nepalesen auff\u00fchren.<\/p>\n<p>Vorher aber muss er eine Gastprofessur antreten. In Braunschweig. Man muss Kompromisse schlie\u00dfen. Zum Trost kommt von der W\u00fcste ein gro\u00dfer Wind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Schlingensief tut, was er am besten kann, auch in Namibia: In der afrikanischen W\u00fcste inszeniert er den deutschen Wahnsinn. Ein Bericht \u00fcber die Dreharbeiten zu &#8222;African Twin Towers&#8220;, Schlingensiefs Film \u00fcber &#8222;Wini&#8220; Wagner und die letzten Tage Schr\u00f6ders.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3,6],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=52"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=52"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=52"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=52"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}