{"id":519,"date":"2010-03-05T12:13:35","date_gmt":"2010-03-05T10:13:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=519"},"modified":"2010-03-05T12:13:35","modified_gmt":"2010-03-05T10:13:35","slug":"kampfer-traumer-idealist-wz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=519","title":{"rendered":"K\u00c4MPFER, TR\u00c4UMER, IDEALIST (WZ)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Christoph Schlingensief erh\u00e4lt den K\u00e4utner-Preis.<\/strong><\/p>\n<p><em>von Marion Meyer<\/em><\/p>\n<p>D\u00fcsseldorf. Seine Filme haben Titel wie \u201eFreakstars 3000\u201c, \u201e100 Jahre Adolf Hitler \u2013 Die letzte Stunde im F\u00fchrerbunker\u201c oder \u201eDas deutsche Kettens\u00e4gen-Massaker \u2013 Die erste Stunde der Wiedervereinigung\u201c. Sie alle zeigen: Christoph Schlingensief hat nie f\u00fcr den Mainstream produziert, hat immer sein eigenes Ding gemacht \u2013 und sich nie bremsen lassen, auch nicht von seiner Krebserkrankung. Am Dienstag erhielt er nun den mit 10.000 Euro dotierten K\u00e4utner-Filmpreis der Stadt D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<p>\u201eEs bewegt mich sehr\u201c, sagte Schlingensief bei der Feierstunde. Es habe ihm gut getan, dass die Jury, zu der u.a. auch Regisseur Tom Tykwer geh\u00f6rte, seinen Einsatz von Videos auf der B\u00fchne honoriert habe. Denn Schlingensief mixt die Genres und ist in vielen zu Hause: Er inszeniert in Bayreuth, lehrt an der Universit\u00e4t in Braunschweig und baut gerade in Afrika ein Operndorf auf. Er ist ein Tausendsassa der Kultur: Aktionsk\u00fcnstler, documenta-Teilnehmer, Provokateur, ein Kindskopf, K\u00e4mpfer, Tr\u00e4umer, Moralist und Idealist. Dabei wirkt er, auch am Dienstag, immer absolut authentisch und unpr\u00e4tenti\u00f6s.<\/p>\n<p>Seine Kunst scheidet die Geister, l\u00e4sst niemanden gleichg\u00fcltig zur\u00fcck, wie etwa sein Fluxus-Oratorium \u201eDie Kirche der Angst\u201c bei der RuhrTriennale 2008, in dem er seine Krebserkrankung thematisierte.<\/p>\n<p>Seine Kunst \u201edr\u00e4nge zur Auseinandersetzung und immunisiert gegen Gleichg\u00fcltigkeit, Stumpfsinn und tr\u00e4ge Unachtsamkeit\u201c, wie der D\u00fcsseldorfer Oberb\u00fcrgermeister Dirk Elbers am Dienstag in seiner Rede sagte. In seiner philosophischen Laudatio holte der Kritiker Georg See\u00dflen weit aus und erl\u00e4uterte den \u201ekarnevalisierten\u201c Kunstbegriff Christoph Schlingensiefs, in dem das Leben von Inszenierung gepr\u00e4gt ist, genauso wie sich in den Inszenierungen das Leben zeigen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Wieder eine Inszenierung bei der Ruhr Triennale<\/strong><\/p>\n<p>Trotzdem, dass die Krankheit Schlingensief nach wie vor zeichnet, hat er viel vor: Das Operndorf in Burkina Faso ist ein Herzensprojekt, f\u00fcr das er immer noch Sponsoren sucht. Neben Opernklassen sollen dort den Menschen durch Film, Musik und Kunst neue Perspektiven er\u00f6ffnet werden. Ein Krankenhaus verbessert die gesundheitlichen Bedingungen der Dorfbewohner.<\/p>\n<p>Daneben wird er in diesem Jahr f\u00fcr die Staatsoper Berlin eine neue Oper von Jens Joneleit inszenieren und f\u00fcr die RuhrTriennale ein Afrikaprojekt mit dem Arbeitstitel \u201eIn Hilfe ersticken\u201c mit Corinna Harfouch, Milan Peschel und Irm Herrmann erarbeiten. Denn: \u201eWeitermachen ist besser, als wenn man dasitzt und Tr\u00fcbsal bl\u00e4st\u201c, wie Schlingensief am Dienstag sagte. Sowieso nehme der dunkle Faktor schon viel Platz in seinem Leben ein.<\/p>\n<p>K\u00e4mpferisch gibt er sich nicht nur in Bezug auf seine Projekte. So forderte Schlingensief bei der Feierstunde im Rathaus den Regierungspr\u00e4sidenten J\u00fcrgen B\u00fcssow auf, das Theater seiner Heimatstadt Oberhausen zu erhalten und nicht \u201eauf die Speisekarte der M\u00fcllcontainer\u201c zu setzen.<\/p>\n<p><em>Westdeutsche Zeitung, 2. M\u00e4rz 2010<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Schlingensief erh\u00e4lt den K\u00e4utner-Preis.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/519"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=519"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/519\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=519"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=519"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=519"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}