{"id":513,"date":"2010-03-02T21:18:19","date_gmt":"2010-03-02T19:18:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=513"},"modified":"2010-03-02T21:18:19","modified_gmt":"2010-03-02T19:18:19","slug":"schlingensief-der-preis-kommt-zur-rechten-zeit-nrz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=513","title":{"rendered":"SCHLINGENSIEF: DER PREIS KOMMT ZUR RECHTEN ZEIT (NRZ)"},"content":{"rendered":"<p><strong>D\u00fcsseldorf. Der Filmemacher, Aktionsk\u00fcnstler und Theaterregisseur Christoph Schlingensief nahm am Dienstag vor zahlreichen G\u00e4sten aus Politik, Kultur und seinem engsten Umfeld &#8211; Patentante und Schwiegereltern &#8211; den mit 10 000 Euro dotierten Helmut-K\u00e4utner-Preis entgegen.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/0273_543_0027715929_0055915705_JPG.jpg\" width=\"450\" height=\"164\" alt=\"K&Atilde;&curren;utner-Preis Verleihung, D&Atilde;&frac14;sseldorf\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<p>Wehleidig ist Christoph Schlingensief genauso wenig wie sentimental. Auch angesichts seiner Krebskrankheit und der sichtbaren k\u00f6rperlichen Schw\u00e4che blickt der Filme- und Theatermacher nach vorne. Und erz\u00e4hlt eine Stunde lang \u00fcber Jugend-Erlebnisse in D\u00fcsseldorfer Filmstudios, mehr aber \u00fcber seine aktuellen Projekte &#8211; in Afrika, bei der Ruhrtriennale und in Berlin. Ort: das neu eingerichtete Studio FX des Filmmuseums, in dem k\u00fcnftig Sch\u00fcler ihre ersten Gehversuche als Filmer machen und damit Schlingensief nacheifern sollen.<\/p>\n<p><strong>Dankesrede mit Pl\u00e4doyer<\/strong><\/p>\n<p>Es ist Nachmittag, die Verleihung des K\u00e4utner-Preises im D\u00fcsseldorfer Rathaus hat er gut \u00fcberstanden. Und nutzte die Dankesrede f\u00fcr ein flammendes Pl\u00e4doyer f\u00fcr das \u00dcberleben des finanziell bedrohten Theaters seiner Heimatstadt Oberhausen.<\/p>\n<p>Der Preis, der Empfang am Flughafen, die ausf\u00fchrliche Laudatio und das Filmmuseum, das unter den fr\u00fcheren Direktoren Jaeger und Redoutee immerhin acht seiner Filme archivierte und eine Ausstellung organisiert hat &#8211; \u201eAll&#8216; das r\u00fchrt mich. Es kommt zur rechten Zeit\u201d, sagt er. Denn gehe es ihm nicht gut.<\/p>\n<p>\u201eEs war immer wieder D\u00fcsseldorf\u201d, erz\u00e4hlt er. Als Sch\u00fcler in Oberhausen fand er die Stadt \u201eein bisschen abgehoben\u201d, schnitt seine ersten Filme aber hier. Sechs Wochen lang in dunklem Kellergew\u00f6lbe. Gepr\u00e4gt von den Oberhausener Kurzfilmtagen verfilmte der Apothekersohn schon als Penn\u00e4ler Groschenromane. \u201eMeine Mutter musste unter der Bettdecke mit Nachtischlampe Texte der Lady Florence sprechen.\u201d<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/530_530_0027715685_0055915700_JPG.jpg\" width=\"450\" height=\"336\" alt=\"K&Atilde;&curren;utner-Preis Verleihung, D&Atilde;&frac14;sseldorf\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<p>Thema Helmut K\u00e4utner. Den habe er immer bewundert, obwohl er auch f\u00fcr die Nazis arbeitete. Man solle keinen Stab \u00fcber die K\u00fcnstler damals brechen. Der Streifen \u201eGro\u00dfe Freiheit Nr. 7\u201d &#8211; bis heute f\u00fcr Schlingensief ein wichtiger Film, genauso wie seine H\u00f6rspiele. \u201eSchade, dass heute seine Filme so selten im Fernsehen laufen.\u201d Erinnerungen an die Jugend? \u201eErinnern hei\u00dft vergessen,\u201d so der 49-j\u00e4hrige Preistr\u00e4ger. \u201eJe mehr ich mich erinnere, desto mehr vergesse ich.\u201d Und streift das Thema Bayreuth, seine erste Opernregie \u201eParsifal\u201d und den Film \u00fcber die Verwesung eines Hasen. Denn in seinen Oper- und Theaterinszenierungen setzt er gerne Filme ein. <\/p>\n<p><strong>Ein Zentrum f\u00fcr Kinder<\/strong><\/p>\n<p>Und jetzt sein neues Kind &#8211; ein Opernhaus in Burkina Faso. Von den notwendigen zwei Millionen Euro habe er weit mehr als die H\u00e4lfte. Ein Geb\u00e4ude-Modul stehe bereits. In dem westafrikanischen Dorf \u201egeht es nicht um Events mit Stars. Sie k\u00f6nnen h\u00f6chstens das Dorf besuchen und lernen, wie die Menschen hier singen.\u201d Es gehe um Gesang im nat\u00fcrlichen Sinn, um den Urschrei. Es soll ein Zentrum f\u00fcr Kinder zwischen f\u00fcnf und 18 werden, die dort filmen, fotographieren und musizieren.<\/p>\n<p>Sechs Probenr\u00e4ume werden entstehen im \u00d6ko-Festspielhaus des Architekten Francis Kere, in dem Hitze in K\u00fchle verwandelt werde. Das Deutsche Theater Berlin und das Hamburger Thalia-Theater h\u00e4tten zugesagt, in Burkina Faso zu proben.<\/p>\n<p>Erl\u00f6sung dem Erl\u00f6ser? Die Frage nach dem Parsifal-Motiv stellt Gabriele Henkel, die Schlingensief kennt und sich in das Gespr\u00e4ch einmischt. F\u00fcr ihn als Katholiken gehe es (mit Blick auf seine Krankheit) eher darum, Abschied nehmen zu m\u00fcssen. \u201eDas wird konkret und hart.\u201d Mut gebe ihm die Vorstellung, als Elektron im Universum zu schweben und dort auf gro\u00dfe Geister zu treffen. Flugs lenkt er das Thema auf seine Arbeit, die ihm Kraft gebe, d\u00fcstere Gedanken aus seinem Hirn zu verdr\u00e4ngen. Er tr\u00e4umt von einem Film \u00fcber Joseph Beuys. Nur ein Projekt sagte er aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden ab. \u201eWas ich in Burkina Faso erlebt habe, verarbeite ich in einem St\u00fcck f\u00fcr die Ruhrtriennale, mit Corinna Harfouch in der Hauptrolle.\u201d<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich steht eine \u00e4ltere Dame auf, will gehen. Schlingensief umarmt sie zum Abschied fest. \u201eEs ist meine Tante, die Schwester meines verstorbenen Vaters.\u201d<\/p>\n<p><em>NRZ, D\u00fcsseldorf, 02.03.2010, Michael-Georg M\u00fcller<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>D\u00fcsseldorf. Der Filmemacher, Aktionsk\u00fcnstler und Theaterregisseur Christoph Schlingensief nahm am Dienstag vor zahlreichen G\u00e4sten aus Politik, Kultur und seinem engsten Umfeld &#8211; Patentante und Schwiegereltern &#8211; den mit 10 000 Euro dotierten Helmut-K\u00e4utner-Preis entgegen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/513"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=513"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/513\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=513"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=513"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=513"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}