{"id":51,"date":"2005-11-19T10:30:52","date_gmt":"2005-11-19T08:30:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=51"},"modified":"2005-11-19T10:30:52","modified_gmt":"2005-11-19T08:30:52","slug":"kulturpalaste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=51","title":{"rendered":"Kulturpal\u00e4ste"},"content":{"rendered":"<p>Alexander Kluge ist Schriftsteller und Medienschaffender: &#8222;Ich w\u00fcrde mich mit anderen Leuten zusammentun, z. B. mit Christoph Schlingensief, um ein Musiktheater zu gr\u00fcnden, das sich mit Geschichte besch\u00e4ftigt. Nicht nur mit der Geschichte der DDR, sondern mit der Geschichte Europas. Denn das Musiktheater begleitet ja die moderne Geschichte. Gerade in so einem Realgeb\u00e4ude, das selbst von Geschichte erz\u00e4hlt, lassen sich Musik und Geschichtserz\u00e4hlung anders verkn\u00fcpfen als in einem Opernhaus.&#8220;<\/p>\n<p>Lars Ramberg, K\u00fcnstler, hatte das Wort &#8222;Zweifel&#8220; auf den Palast montiert: &#8222;Der Palast ist einzigartig und sollte eine aktive Ruine bleiben &#8211; ein Museum, das kritischen Diskurs bef\u00f6rdert. Zweifel geh\u00f6rt zur deutschen Einheit. Wird der Palast zerst\u00f6rt, macht man der offenen Diskussion einen Strich durch die Rechnung. Ein furchtbarer Fehler f\u00fcr das gesamte westliche Kulturerbe.&#8220;<\/p>\n<p>Sven Giegold ist Sprecher von Attac Deutschland: &#8222;Der Palast soll ein Freiraum im Herzen Berlins werden, ein Raum f\u00fcr Kreativit\u00e4t und Selbstorganisation. Keine reaktion\u00e4ren Abrisspl\u00e4ne oder sonstigen neuen Pl\u00e4ne von oben: Die BerlinerInnen sollten die Sache selbst in die Hand nehmen: Ein &#8222;selbst verwaltetes Palastforum&#8220; k\u00f6nnte das Geb\u00e4ude f\u00fcr Kunst, Kultur und Zusammentreffen erhalten und entwickeln.&#8220;<\/p>\n<p>Christoph Schlingensief, Theater-, Film- und Aktionsk\u00fcnstler: &#8222;Auf den brachliegenden Halden der Politik ein (Musik-)Theater zu bauen, wie Alexander Kluge es vorschl\u00e4gt, ist ein ganz konsequenter Schritt. Nur allzu gerne w\u00fcrde ich diesen Plan mit Kluge in die Tat umsetzen. Weil wir beide durch Wagner sozialisiert worden sind, werden wir uns schnell darauf einigen, den Bau nach der Er\u00f6ffnung in die Luft zu sprengen, um einen &#8222;mythischen Abgrund&#8220; zu schaffen. Wir m\u00fcssen endlich die Gelegenheit haben, zwischen den Hochglanzfassaden unserer Kultur und unserer St\u00e4dte in Abgr\u00fcnde zu st\u00fcrzen. Darin geht es dann ganz universell um den &#8222;Raum zur Zeit&#8220;. Und die Zeit rast. Ich werde noch heute Kontakt zu Kluge aufnehmen!&#8220;<\/p>\n<p>Carsten Nicolai ist K\u00fcnstler: &#8222;Das Utopische am Palast ist nicht seine Geschichte, sondern der Rohbau. Ich w\u00fcrde ein modernes Museum daraus machen, eine Kunstfabrik &#8211; ein Haus, wo Dinge entstehen und nicht nur verwaltet werden: Ein Centre Pompidou f\u00fcr Berlin &#8211; das w\u00e4re mein Traum.&#8220;<\/p>\n<p>Christoph Tannert, Leiter des K\u00fcnstlerhauses Bethanien: &#8222;Soll man doch allen Hausbesetzern und den revolution\u00e4ren Untoten von der aktivistischen Wiederg\u00e4ngerfront das Palastgerippe als Trainingscamp zur Verf\u00fcgung stellen. Zahnersatzversprecher an die Front! Mit Kunst war nichts zu retten. Die, die Zweifel s\u00e4ten, sind abgetaucht oder haben sich als Leithammel der Boheme etabliert. Jetzt haben die selbstversorgungss\u00fcchtigen Wichtigtuer vom Amt wieder das Sagen. Ganz klar: Berlin braucht einen neuen SozKulturPalast unter schwarzer Flagge.&#8220;<\/p>\n<p>Dirk Baecker, Soziologe an der Universit\u00e4t von Witten\/Herdecke: &#8222;Ich w\u00fcrde den Palast vollst\u00e4ndig entkernen, die Fassaden erhalten und von allen Seiten freien Zugang erm\u00f6glichen. Damit der Raum als eine Art Markthalle f\u00fcr Verwendungen aller Art zur Verf\u00fcgung steht, f\u00fcr Tr\u00f6delm\u00e4rkte, Schlittschuhbahnen, Boule- und Badminton-Turniere, Squaredance-Vorstellungen und und und. So k\u00f6nnte man die markante Silhouette des Palastes erhalten und st\u00fcnde in der Tradition des Geb\u00e4udes.&#8220;<\/p>\n<p>Schorsch Kamerun, Musiker und Theatermacher: &#8222;Eine erprobte Trutzburg soll einem kopierten Schloss weichen? Ich schlage hiermit vor, alle von Flattertiergrippe-Paranoia bedrohten Federviecher in das hilfsbed\u00fcrftige Geb\u00e4ude umzusiedeln, um so die Abrisskiller abzuschrecken und die Pseudoerneuerer in die n\u00f6tigen Bocksh\u00f6rner zu jagen. Eierh\u00fchner gegen Galgenv\u00f6gel!&#8220;<\/p>\n<p>Christian von Borries, Komponist und Dirigent, fuehrte 2003 im Palast den &#8222;Wagnerkomplex&#8220; auf: &#8222;1. tropical island in den palast verlegen, der in volkskammer umbenannt wird; 2. die blutsdeutschen, blonden, blauaeugigen bewohner\/innen von nueva germania\/paraguay in die volkskammer umsiedeln; 3. einen radiosender mit wagner, kraftwerk, stockhausen und laibach zu selbstheilungszwecken installieren, mit dem 4. im untergeschoss eine zuchtplantage der kimjongilia-lilie beschallt wird, durch deren verkauf sich die bewohner\/innen ihr trostloses inzestuoeses leben versuessen; 5. wer weiter von historischer rekonstruktion redet. muss auf die plantage &#8222;nueva germania&#8220; zum blumengiessen; 6. wiederholungstaeter\/innen muessen im radio nietzsche-zitate vorlesen und wagners texte zu religion und rasse verinnerlichen&#8220;<\/p>\n<p>taz Berlin lokal Nr. 7824 vom 19.11.2005, Seite 25, 10 Zeilen (Dokumentation)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zwischennutzung des Palastes der Republik geht zu Ende. Der Protest gegen den Abriss geht weiter. Die taz fragte Kulturschaffende, wie sie den Palast nutzen w\u00fcrden.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/51"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=51"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/51\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=51"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=51"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=51"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}