{"id":497,"date":"2010-02-10T15:39:41","date_gmt":"2010-02-10T13:39:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=497"},"modified":"2010-02-10T15:39:41","modified_gmt":"2010-02-10T13:39:41","slug":"ein-steinerner-hugel-fur-schlingensief-dw-world","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=497","title":{"rendered":"EIN STEINERNER H\u00dcGEL F\u00dcR SCHLINGENSIEF (DW-WORLD)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Lange hat der K\u00fcnstler und Regisseur Christoph Schlingensief darauf hingearbeitet, ein Festspielhaus in Afrika zu bauen. Lange hat er nach dem richtigen Ort gesucht. Jetzt wurde der Grundstein gelegt, in Burkina Faso.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/0__5230699_1_00.jpg\" width=\"450\" height=\"253\" alt=\"Grundsteinlegung Operndorf Afrika, 8.2.2010\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<div style=\"padding-top:20px;padding-bottom:25px;\"><object type='application\/x-shockwave-flash' data='..\/mediathek\/dewplayer.swf?mp3=http:\/\/www.schlingensief.com\/downloads\/2009-02-09_DW_Kultur_mp3_01116b08.mp3&amp;autostart=1' width='450' height='20'><param name='movie' value='..\/mediathek\/dewplayer.swf?mp3=http:\/\/www.schlingensief.com\/downloads\/2009-02-09_DW_Kultur_mp3_01116b08.mp3&amp;autostart=1' \/><\/object><\/div>\n<p>Endlich wird er wahr, der Traum von Christoph Schlingensief &#8211; trotz seiner Krebserkrankung. Die Trommeln werden ger\u00fchrt, die Dorf\u00e4ltesten der umliegenden D\u00f6rfer haben sich zur Grundsteinlegung versammelt, der Kulturminister ist eingetroffen. Unter bunten Zelten hat sich die politische Elite von Burkina Faso, dem fr\u00fcheren Obervolta, versammelt, um diesem Deutschen seinen Traum zu erf\u00fcllen. Tambi Yargo, der Dorf\u00e4lteste des Gebietes, sitzt mit einem kunstvoll geschnitzten Gehstock ebenso unter dem Zeltdach wie der Kulturminister Philipp Savadogo. Ein ausgezeichnetes Projekt k\u00e4me hier in sein Land, wird der Kulturminister nicht m\u00fcde, immer wieder zu betonen. Dieses Herzensprojekt von Herrn Schlingensief sei Ausdruck f\u00fcr eine besondere Solidarit\u00e4t zwischen den deutschen Initiatoren und Burkina Faso. Savadogo glaubt man das. Ein freundlicher Mann in braungemustertem traditionellem Umhang. Christoph Schlingensief tr\u00e4gt ein schwarz-wei\u00dfes Modell, sp\u00e4ter auch einen traditionellen Hut gegen die br\u00fctende Hitze. Es ist Harmattan in Westafrika, Saison eines staubigen W\u00fcstenwindes, der die Festg\u00e4ste einh\u00fcllt. In der Ferne laufen Bauernjungen mit ihren K\u00fchen und Schafen. Irgendwann setzen sie sich zu der Zeremonie. <\/p>\n<p><strong>Kultur und Bildung in der Savanne<\/strong><\/p>\n<p>Am Rande des Platzes stehen unz\u00e4hlige Gel\u00e4ndewagen, ohne die es schwierig wird in diesem Gel\u00e4nde. Von der Hauptstadt aus ist der Weg m\u00fchsam zu dem k\u00fcnftigen Opernplatz. 30 Kilometer, 45 Minuten Fahrzeit. Vorbei an mageren Ziegen und d\u00f6senden Eseln. An kleinen quadratischen Lehmh\u00e4usern in derselben Ockerfarbe wie die stachlige Savanne ringsum. Heimat von Bauern, deren Kinder zu 80 Prozent noch nie eine Schule von innen gesehen haben, schon gar nicht ein Festspielhaus. Trotzdem soll es hier in der Savanne stehen, wahrscheinlich im kommenden Jahr. Zuerst wird jedoch die Schule gebaut. Mit Film- und Musikklassen f\u00fcr bis zu 500 Kinder. Nicht nur vier W\u00e4nde mit einem Dach, sondern ausgekl\u00fcgelte indirekte Bel\u00fcftung soll das Lernen in der Hitze ertr\u00e4glich machen, sagt der Architekt Francis K\u00e9r\u00e9, geboren in Burkina Faso, drei Stunden Autofahrt vom Operndorf entfernt. Sehr bald sollen sich auch ausw\u00e4rtige Besucher von seinem Bau \u00fcberzeugen k\u00f6nnen. Wahrscheinlich ab Dezember soll es m\u00f6glich sein, dass Leute in die kleinen Bungalows einziehen k\u00f6nnen, sagt K\u00e9r\u00e9. Besucher und Schauspieler, die dort arbeiten m\u00f6chten, k\u00f6nnten sie nutzen. Das sei die Idee. Damit n\u00e4hre man diesen Geist des Operndorfes, sagt der Architekt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/0__5225964_1_00_01.jpg\" width=\"450\" height=\"253\" alt=\"Grundsteinlegung Operndorf Afrika, 8.2.2010\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<p><strong>Ort der Entschleunigung<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Geist des Ortes war es, sagt Christoph Schlingensief, der ihn immer wieder hierher zur\u00fcckkehren lie\u00df. Man k\u00f6nnte ihn magisch, theatralisch, urgewaltig nennen. Mit einem endlosen Blick \u00fcber die Savannenparklandschaft. Ein Ort der Entschleunigung. Wo vorerst kein Fl\u00fcgel stehen wird. Auch keine Geige gespielt oder Opern aufgef\u00fchrt werden. Das &#8222;Bayreuth Afrikas&#8220;, wie das Projekt ganz am Anfang genannt wurde, wurde zu einem Operndorf zurechtgestutzt. Eine Krankenstation, Entbindungsstation, ein Sportplatz mit Schule und kleine Bungalows sollen hier einmal stehen. Geht es nach dem Architekten K\u00e9r\u00e9, dann wird die erste Einweihung, die der Schule, im Oktober gefeiert, wenn das neue Schuljahr beginnt.<\/p>\n<p><strong>Ohne Druck arbeiten<\/strong><\/p>\n<p>Christoph Schlingensief ist zur\u00fcckhaltender. Es k\u00f6nne sein, dass mal ein Film gezeigt werde oder eine lokale Band auftritt. Wogegen er sich verwehrt, sind Empfehlungen gutmeinender Europ\u00e4er, die ihm Inszenierungen aus Avignon oder anderen Theaterfestivals verkaufen wollen. Denn er m\u00f6chte den Druck verhindern, noch in diesem Jahr ein Theaterprogramm pr\u00e4sentieren zu m\u00fcssen. Christoph Schlingensief wartet lieber noch ab. Auch wenn nach der Grundsteinlegung die Bauarbeiten sofort beginnen. Rund 1,3 Millionen Euro der ben\u00f6tigen zwei Millionen Euro wurden gesammelt, bei so Prominenten wie Herbert Gr\u00f6nemeyer, Roland Emmerich und Henning Mankell. Der gr\u00f6sste Teil als Kleinstspenden aus der deutschen Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p><strong>Visionen f\u00fcr Tropengebiete<\/strong><\/p>\n<p>Der Architekt Dieb\u00e9do Francis K\u00e9r\u00e9 will sich indes keine Zeit lassen. Der in dem kleinen Dorf Gando 200 Kilometer s\u00fcdlich von Ouagadougou geborene H\u00e4uptlingssohn hat in der eigenen Familie erlebt, wie Kinder ohne Schulbildung aufwachsen. Als einziges von 13 Kindern durfte er eine Ausbildung machen, fern vom Heimatdorf. Dass er 1985 nach Deutschland kam, durch die Carl-Duisberg-Gesellschaft, war einzig Gl\u00fcck, so seine Meinung. K\u00e9re w\u00e4re \u00fcberall hingegangen, nach Frankreich oder England. Aber das Stipendium der Carl-Duisberg-Gesellschaft, die alle zwei Jahre nur f\u00fcnf Stipendiaten aufnahm, f\u00fchrte ihn nach Berlin. F\u00fcr den gro\u00dfgewachsenen Mann stand fast von Anfang fest, dass er Architektur studieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/0__5225990_1_00.jpg\" width=\"450\" height=\"253\" alt=\"Festspielhaus Afrika (Modell)\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<p><strong>Partnerschaft f\u00fcr Kultur<\/strong><\/p>\n<p>Erst w\u00e4hrend seines Aufenthaltes in Deutschland und dem Abitur an der Abendschule lernte Francis K\u00e9r\u00e9 die deutsche Sprache. Seit 1999 noch w\u00e4hrend des Studiums trat er bei Konferenzen auf. Sein Thema: Nachhaltiges Bauen f\u00fcr Tropengebiete. Auf einem Symposium in Johannesburg lernte Christoph Schlingensief K\u00e9r\u00e9 kennen. Die Ideen des Architekten Francis K\u00e9r\u00e9 faszinierten den deutschen Aktionsk\u00fcnstler sofort, auch wenn der Kontakt langsam begann. Ein Operndorf in Afrika &#8211; f\u00fcr den Architekten von Schulen und Bildungszentren anfangs ein absurder Gedanke. Mittlerweile brennt auch K\u00e9r\u00e9 f\u00fcr die Idee. Das k\u00fcnstlerische Konzept \u00fcberl\u00e4sst er ganz dem Regisseur Schlingensief. Der l\u00e4sst sich jetzt nach der Grundsteinlegung Zeit.<\/p>\n<p><strong>Blick in die Zukunft<\/strong><\/p>\n<p>Dass k\u00fcnftig in dem neuen Operndorf westeurop\u00e4ische Ensembles auftreten, wie fr\u00fcher einmal angek\u00fcndigt, d\u00fcrfte vorerst nicht der Fall sein. Auch Kooperationen mit heimischen K\u00fcnstlern werden in der Haupstadt konzipiert. Im Mittelpunkt des von dem Architekten Francis K\u00e9r\u00e9 konzipierten Bauprojektes auf dem sandigen Plateau sollen Sch\u00fcler stehen, Film- und Musikklassen, die ihre eigene afrikanische Kultur pflegen.<\/p>\n<p>Noch stehen erst die bunten Container mit gespendeten Requisiten der Ruhrtriennale auf dem von Granitbl\u00f6cken umgeben Platz. Und noch bittet Christoph Schlingensief um Geduld: Wer denkt, in  einem Jahr ein fertiges Programm des Festspielhauses in H\u00e4nden halten zu k\u00f6nnen, irrt. Vorerst wird die Schule gebaut f\u00fcr Musik- und Filmklassen. F\u00fcr 1,4 Millionen Euro soll in den kommenden Monaten Remdoogo, das Operndorf entstehen. Bis zu 200 Arbeiter will der Architekt Francis K\u00e9r\u00e9 ab sofort f\u00fcr den Bau der Schule, der Krankenstation, zahlreicher Bungalows und des 500 Pl\u00e4tze umfassenden Festpielhauses einsetzen. Die Zustimmung in der Bev\u00f6lkerung hat er.<\/p>\n<p><em>Quelle: DW-World.de, 8.2.2010<br \/>\nAutorin: Susanne Lettenbauer, Redaktion: Conny Paul <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange hat der K\u00fcnstler und Regisseur Christoph Schlingensief darauf hingearbeitet, ein Festspielhaus in Afrika zu bauen. Lange hat er nach dem richtigen Ort gesucht. 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