{"id":440,"date":"2009-11-27T13:48:38","date_gmt":"2009-11-27T11:48:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=440"},"modified":"2009-11-27T13:48:38","modified_gmt":"2009-11-27T11:48:38","slug":"eindringliche-plauderei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=440","title":{"rendered":"EINDRINGLICHE PLAUDEREI"},"content":{"rendered":"<p><strong>Christoph Schlingensief stellt in Bochum sein Afrika-Projekt vor<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\n<em>Von Alexander Kruse<\/em><br \/>\n <img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\nMit gro\u00dfem Applaus und zahlreichen Spenden bedankte sich das Publikum am Dienstag bei Christoph Schlingensief f\u00fcr seine Benefiz-Lesung in den Bochumer Kammerspielen. Dort sollte der Filmemacher und Theaterregisseur eigentlich aus seinem Buch \u201eSo sch\u00f6n wie hier kanns im Himmel gar nicht sein\u201c lesen. Schlingensief lie\u00df jedoch das Buch beiseite und erz\u00e4hlte lieber \u2013 von seiner Krebserkrankung, dem geplanten Festspielhaus f\u00fcr Afrika und seiner gescheiterten Intendanz am Schauspielhaus Bochum.<\/p>\n<p>\u201eEigentlich gilt f\u00fcr mich in Bochum Einreiseverbot, aber ich habe die Polizeiabsperrungen einfach durchbrochen\u201c, leitet Christoph Schlingensief den Abend ein und feuert damit eine erste kleine Spitze gegen Bochums Kulturdezernent Michael Townsend. Der lie\u00df Schlingensief im vergangenen Jahr \u00fcber die Zeitung erfahren, dass seine Bewerbung um die Intendanz am Schauspielhaus abgelehnt wurde \u2013 ein mehr als unr\u00fchmliches Kapitel in der j\u00fcngeren Bochumer Stadtgeschichte. \u201eAber auch Kulturdezernenten k\u00f6nnen abgew\u00e4hlt werden\u201c, l\u00e4sst Schlingensief wissen. Das Publikum applaudiert.<br \/>\nMit einer Stegreifkomik, die man einem Harald Schmidt nur w\u00fcnschen kann, startet Schlingensief in den ausverkauften Kammerspielen einen epischen Parforceritt durch die eigene Biographie, flankiert von den beiden gro\u00dfen Themen Krebserkrankung und Festspielhaus f\u00fcr Afrika. Die Zuschauer staunen und jubeln \u00fcber einen Mann, bei dem man zu jeder Zeit das Gef\u00fchl hat, dass er wirklich etwas zu sagen hat.<br \/>\nEindringlich und beinahe atemlos redet sich Schlingensief durch den dreist\u00fcndigen Abend. Neben gro\u00dfartig pointierten Anekdoten aus seinem Leben erf\u00e4hrt das Publikum, dass es dem Filmemacher gesundheitlich besser geht, er aber noch von \u00c4ngsten und Depressionen geplagt wird. Mit kurzen Filmen erinnert er an Werke und Projekte seines k\u00fcnstlerischen Schaffens wie \u201eDas deutsche Kettens\u00e4genmassaker\u201c, \u201eThe African Twintowers\u201c oder das in Wien inszenierte Big-Brother-Spiel \u201eBitte liebt \u00d6sterreich\u201c. \u201eEin paar dieser Sachen w\u00fcrde ich heute nicht mehr so machen\u201c, bekennt der schon lange nicht mehr als enfant terrible verschriene K\u00fcnstler. Nacktheit auf der Theaterb\u00fchne ekele ihn mittlerweile an.<\/p>\n<p>\u201eIch h\u00e4tte dem Mann noch einmal drei Stunden zuh\u00f6ren k\u00f6nnen\u201c<\/p>\n<p>Sich selbst gibt Schlingensief in den Kammerspielen trotzdem die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Bl\u00f6\u00dfe und Offenheit. Ein \u201eGeht doch\u201c, das Gudrun Wagner einst in Bayreuth g\u00f6nnerhaft \u00fcber ein Geschenk Schlingensiefs ge\u00e4u\u00dfert haben soll, ist bei dem seit kurzem verheirateten Regisseur zum gefl\u00fcgelten Wort nach dem ehelichen Sex geworden. Auch bei dieser Episode lauscht das Publikum keinem eitlen Selbstdarsteller, keiner von Profilneurosen getriebenen Rampensau, sondern einfach einem Menschen, dem man richtig gerne zuh\u00f6rt. Zumal die epischen Exkurse und wilden Assoziationsketten einzig dem Zweck dienen, immer wieder auf sein Afrika-Projekt zur\u00fcckzukommen, f\u00fcr das Schlingensief mit seiner \u201eBenefiz-Lesereise\u201c Spenden sammelt.<br \/>\n\u201eIch h\u00e4tte dem Mann noch einmal drei Stunden zuh\u00f6ren k\u00f6nnen\u201c, vernimmt man nach der Vorstellung an der Theaterbar, w\u00e4hrend Christoph Schlingensief im Foyer der Kammerspiele B\u00fccher signiert und Anteilsscheine f\u00fcr das geplante Festspieldorf verkauft. Irgendwann an diesem Abend hatte er auf der B\u00fchne den Halbsatz genuschelt \u201ewenn ich hier bald Intendant bin&#8230;\u201c Man kann es dem Bochumer Schauspielhaus nur w\u00fcnschen!<\/p>\n<p> <img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\n<strong>Infokasten:<\/strong><br \/>\n<strong>Ein Festspielhaus f\u00fcr Afrika<\/strong><\/p>\n<p>\u2022        Christoph Schlingensief gr\u00fcndet in Burkina Faso ein Festspieldorf mit Schule, Musikschule, Filmklasse, Krankenstation, Pension, Restaurant und einem gro\u00dfen Festspielhaus<br \/>\n\u2022        Baubeginn ist im Januar 2010<br \/>\n\u2022        Das Haus soll eine Begegnungs- und Produktionsst\u00e4tte f\u00fcr afrikanische und europ\u00e4ische K\u00fcnstler werden und offen sein f\u00fcr alle Bev\u00f6lkerungsgruppen<br \/>\n\u2022        Die Bauleitung liegt bei dem Architekten Francis K\u00e9r\u00e9, der f\u00fcr einen kleinen Schulbau in seinem Heimatort in Burkina Faso den h\u00f6chstdotierten Architekturpreis der Welt, den Aga-Khan-Preis, erhielt<br \/>\n\u2022        Spenden f\u00fcr das Projekt gehen auf folgendes Konto: Deutsche Bank, Kontonummer: 11 28 578, BLZ: 100 701 24. F\u00fcr eine Spendenquittung notieren Sie bitte Ihre vollst\u00e4ndige Anschrift im Verwendungszweck<br \/>\n\u2022        Ab einer Spende von 50 Euro erhalten Sie ein Zertifikat \u00fcber das von Ihnen unterst\u00fctzte Baumodul<br \/>\n\u2022        Weitere Informationen unter <a href=\"http:\/\/www.festspielhaus-afrika.com\" target=\"_blank\">www.festspielhaus-afrika.com<\/a><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\n<em>Quelle: Recklingh\u00e4user Zeitung vom 26. November<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Schlingensief stellt in Bochum sein Afrika-Projekt vor<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/440"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=440"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/440\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=440"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=440"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=440"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}