{"id":436,"date":"2009-11-12T10:39:43","date_gmt":"2009-11-12T08:39:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=436"},"modified":"2009-11-12T10:39:43","modified_gmt":"2009-11-12T08:39:43","slug":"unsterblichkeit-kann-toten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=436","title":{"rendered":"STERBEN LERNEN (HERR ANDERSEN STIRBT IN 60 MIN.)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine Versuchsanordnung von Christoph Schlingensief und Freunden in Koproduktion mit dem Schauspielhaus Z\u00fcrich, am 4.\/6.\/8. Dezember 2009<\/strong><\/p>\n<p>Christoph Schlingensief plant mit Freunden und in partieller unmittelbarer Kooperation mit Ren\u00e9 Polleschs \u201eCalvinismus Klein&#8220;-Urauff\u00fchrung eine Versuchsanordnung respektive eine \u201etempor\u00e4re Leichenhalle&#8220; zum Thema \u201eSterben lernen&#8220;, einer Kunst, die eigentlich jeder Lebende beherrschen m\u00fcsste, die aber in der Schule nicht unterrichtet wird. Wie gehe ich damit um, wenn es bei mir soweit ist? Welche Gebrauchsanweisungen und Rituale, welche Rechtfertigungen und Erkl\u00e4rungen bietet unsere Kultur an? Bietet sie \u00fcberhaupt welche an, oder geht es grunds\u00e4tzlich immer nur um den Umgang mit dem Sterben der Anderen? Haben wir da einen blinden Fleck? N\u00e4heres demn\u00e4chst unter www.temporaere-leichenhalle.ch.<\/p>\n<p>Der Weisheit des Silen, dem Begleiter des Dionysos, dass es das Beste f\u00fcr den Menschen sei, nie geboren zu sein, das Zweitbeste aber, bald zu sterben, wird in Nietzsches \u201eDie Geburt der Trag\u00f6die aus dem Geist der Musik\u201c die \u201eapollinische\u201c Einstellung der Menschen Homers gegen\u00fcbergestellt: \u201eDas Allerschlimmste ist, bald zu sterben, das Zweitschlimmste aber, \u00fcberhaupt zu sterben\u201c. In diesem Gegensatz bewegt sich bis heute die Auseinandersetzung mit dem Tod; die dionysische Todesverfallenheit im Rausch und in der Musik auf der einen und der apollinische unbedingte Wille zum Dasein, \u201ezum Weiterleben und sei es als Tagel\u00f6hner\u201c auf der anderen Seite. Das Sterben ist dabei grunds\u00e4tzlich das Sterben der Anderen. Der Umgang mit dem eigenen Ende wird kaum je reflektiert. Dazu passt die katholische Vorstellung, das Sterben habe \u201estill, lautlos, wortlos und handlungslos\u201c zu sein. Der Sterbende soll sich off enbar schon bevor er tot ist als Subjekt verabschieden. M\u00fcssen wir wirklich, wenn es uns \u201eerwischt\u201c, die Kommunikation mit anderen aufgeben und den Weg allein gehen?<\/p>\n<p>Das zweite Brainstorming (nach \u201eZwischenstand der Dinge\u201c) \u00fcber letzte Fragen und Dinge des an Krebs erkrankten Regisseurs Christoph Schlingensief findet im Theater Neumarkt statt. Sich selbst als potentiell Sterbenden zu akzeptieren und selbstbestimmt mit dem umzugehen, was man nicht bestimmen kann, ist das Ziel. Das erw\u00e4hnte Buch von Nietzsche, Brechts Lehrst\u00fcck vom Einverst\u00e4ndnis, Terence McKennas Theorie des \u201eHyperspace\u201c und der Seelenwanderung und Boris Groys Vorstellung von der Unsterblichkeit des K\u00f6rpers und der Kollektivierung des Todes \u2013 diese Konzepte sollen auf ihre Kraft hin, dem Sterben und dem Tod jenseits religi\u00f6ser Heilsversprechen ihren \u201eStachel\u201c zu nehmen, untersucht und zum Gegenstand \u00f6ffentlicher Auseinandersetzung werden.<\/p>\n<p>Am 4. \/ 6. und 8. Dezember im Rahmen der Auff\u00fchrung \u201eCalvinismus Klein\u201c im Pfauen, Z\u00fcrich<\/p>\n<p>sowie im Theater Neumarkt, Z\u00fcrich<\/p>\n<p>Theater Neumarkt<br \/>\nNeumarkt 5<br \/>\nCH 8001 Z\u00fcrich<\/p>\n<p>T: +41 (0)44 267 64 65<br \/>\nF: +41 (0)44 252 24 39<br \/>\ninfo(at)theaterneumarkt.ch<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.theateramneumarkt.ch\/programm\/programm\/produktionen\/brainstorming_sterbelehren\" target=\"_blank\">http:\/\/www.theateramneumarkt.ch<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Versuchsanordnung von Christoph Schlingensief und Freunden in Koproduktion mit dem Schauspielhaus Z\u00fcrich, am 4.\/6.\/8. 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