{"id":382,"date":"2009-06-06T17:39:38","date_gmt":"2009-06-06T15:39:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=382"},"modified":"2009-06-06T17:39:38","modified_gmt":"2009-06-06T15:39:38","slug":"afropera-schlingensiefs-traum-vom-festspielhaus-dw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=382","title":{"rendered":"AFROPERA? SCHLINGENSIEFS TRAUM VOM FESTSPIELHAUS (DEUTSCHE WELLE)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Er ist Filmemacher, Regisseur, Theater-Intendant, Aktionsk\u00fcnstler. Und Vision\u00e4r: Im Kopf von Christoph Schlingensief entsteht das Bild eines Festspielhauses in Afrika. <\/strong><\/p>\n<p>Ein Haus, das afrikanische und europ\u00e4ische Kulturen verbindet und so zu einer Erneuerung der totgespielten Oper f\u00fchrt. Und ein Gedanke, der den krebskranken Schlingensief mit Lebensenergie f\u00fcllt.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\n<strong>DW-WORLD.DE: Wann ist die Idee zu diesem Festspielhaus entstanden?<\/strong><\/p>\n<p>Schlingensief: Ich arbeite seit 1993 an dieser Idee, da habe ich erste Kontakte mit Afrika gehabt. Das war in Simbabwe und ich habe mich dort sehr wohl gef\u00fchlt und entdeckt, dass Afrika mehr ist als das \u00fcbliche Bild von Krisen und Elend, sondern auch viele Kultursch\u00e4tze zu bieten hat.<\/p>\n<p><strong>Sehen Sie das Programm des Festspielhauses daher eher als Kulturaustausch oder wie soll das aussehen: Wagner in Ouagadougou?<\/strong><\/p>\n<p>Letzteres w\u00e4re eben das normale \u00dcbel. Aber das Interessante ist ja eigentlich, dass die Oper in Burkina Faso, wo ich jetzt gerade herkomme, \u00fcberhaupt nicht bekannt ist. Das ist die ideale Grundlage, um die Oper noch einmal neu zu entdecken und neu zu gestalten. Ich habe jetzt Alexander Kluge getroffen, f\u00fcnf Tage haben wir diskutiert und \u00fcberlegt: Warum ist die Oper bei uns immer so betoniert, warum spielen feine Stoffe und feines Licht so eine Rolle, wobei die Oper im 15. und 16. Jahrhunderten doch in gemeinsamer Arbeit von Intellektuellen und Volk entstanden ist. Im afrikanischen Bereich muss man anders anfangen. Deswegen wollen wir mit einer Schule die Grundstrukturen legen, Schreiben und Lesen lehren, eine Krankenstation, und dann geht es weiter mit Unterk\u00fcnften. Und dann wird sich die Oper \u00fcber Sprache und K\u00f6rper neu definieren.<\/p>\n<p><strong>Das Goethe-Institut und das Ausw\u00e4rtige Amt wollen dieses Festspielhaus unterst\u00fctzen. Wie frei sind Sie denn dann noch in dem, was Sie da machen wollen?<\/strong><\/p>\n<p>Also im Moment bin ich super frei. Ich habe das gro\u00dfe Gl\u00fcck dieser Unterst\u00fctzung. Wir fahren in einem kleinen Team durch das Land, mit einem Burkinabe, einem Architekten. Und der hat ganz eigene Vorstellungen von dem, was gebaut werden soll, mit nat\u00fcrlichen, lokalen Materialien. Und da sind wir frei. Ich hoffe auch, dass wir noch weitere, private Sponsoren finden. Es wollen sich auch noch einige Privatpersonen beteiligen, J\u00fcrgen Flimm etwa oder Daniel Barenboim.<\/p>\n<p><strong>Sie haben die Architektur schon angesprochen: Was wird da entstehen &#8211; ein pomp\u00f6ses Haus wie in Europa oder tats\u00e4chlich etwas f\u00fcrs Volk?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben da zum Beispiel ein Amphitheater entdeckt, oder auch ein einfaches Geb\u00e4ude, dass nicht nur in Beton gedacht ist, mit Holz und Leinenstoffen. So dass man bei Abendveranstaltungen wie im Freien sitzt. Ich stelle mir das Geb\u00e4ude so vor, dass es ein Atrium hat und dass es sich immer wieder \u00f6ffnet.<\/p>\n<p><strong>Wie sicher ist es denn, dass das Festspielhaus in Burkina Faso entsteht?<\/strong><\/p>\n<p>Nun ja, Kamerun hat mir kulturell schon sehr gut gefallen. Aber diese feuchte Hitze macht mich fertig, ich bin auch gesundheitlich noch nicht so auf der H\u00f6he. Das hat in Burkina Faso besser geklappt. Und uns interessiert auch noch Tansania, auch wegen der Unterst\u00fctzung durch Bundespr\u00e4sident K\u00f6hler. Aber mein Herz schl\u00e4gt im Moment schon sehr f\u00fcr Burkina Faso.<\/p>\n<p><strong>Sie haben ihre gesundheitlichen Probleme erw\u00e4hnt. Und sie haben einmal gesagt, Afrika k\u00f6nne ein Weg aus der Krankheit sein. Wieso?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr mich war Afrika das Ding wo ich gesagt habe, da war ich immer zu Hause. Es hat mir immer gut getan, dorthin zu fahren. Und hier kann ich noch was tun. In Deutschland lebe ich ja eigentlich ideal, kann \u00fcberall rum fahren, habe meine Opernh\u00e4user \u2013 aber ist es das? Kann ich da noch was machen? Wir sind so zugeballert. Und in Afrika sehe ich die Kinder, wie sie jeden Buchstaben inhalieren und wissen: Das ist die Zukunft.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><br \/>\n<em>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Christine Harjes. Redaktion: Dirk Bathe.<br \/>\nDeutsche Welle, 03.06.2009<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.dw-world.de\/dw\/article\/0,,4300689,00.html\">http:\/\/www.dw-world.de\/dw\/article\/0,,4300689,00.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er ist Filmemacher, Regisseur, Theater-Intendant, Aktionsk\u00fcnstler. 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