{"id":375,"date":"2009-05-03T20:56:13","date_gmt":"2009-05-03T18:56:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=375"},"modified":"2009-05-03T20:56:13","modified_gmt":"2009-05-03T18:56:13","slug":"steinmeier-trifft-schlingensief-focus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=375","title":{"rendered":"STEINMEIER TRIFFT SCHLINGENSIEF (FOCUS)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Merkel-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier nahm an einer Diskussion zum Thema \u201ePolitik und Privatheit\u201c teil und traf dort unter anderem Regisseur Christoph Schlingensief. Die beiden verstanden sich \u00fcberraschend gut.<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr einen Kanzlerkandidaten macht es sich gut, auch als kulturell interessiert zu gelten. So kam Merkel-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier am Samstagabend zu einer Diskussion unter dem Motto \u201ePolitik und Privatheit\u201c im Rahmen des Berliner Theatertreffens. Dort stie\u00df der SPD-Politiker unter anderem auf Regisseur Christoph Schlingensief. Wie gut sich der unangepasste Theaterprovokateur und der diplomatische Au\u00dfenminister verstanden, \u00fcberraschte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/wp-content\/photos\/HB75JXfz_Pxgen_r_700xA.jpg\" width=\"450\" height=\"259\" alt=\"Steinmeier trifft Schlingensief\" class=\"centered\" \/><\/p>\n<p>Der an Lungenkrebs erkrankte Schlingensief galt bislang als jemand, der die verkrusteten Strukturen, die Verlogenheit des politischen Betriebs angriff, wann immer sich die M\u00f6glichkeit dazu bot. Um diesen ad absurdum zu f\u00fchren, gr\u00fcndete er unter anderem vor Jahren die Partei Chance 2000. Nun lobte der 48-J\u00e4hrige den Polit-Profi Steinmeier: \u201eSo wie ich ihn kennengelernt habe, ist er ganz normal geblieben.\u201c Und spielte ihm dann mit der Frage den Ball zu, ob Steinmeier auch schon mal zugegeben habe, nicht mehr weiterzuwissen.<br \/>\nDie Chance, sich als ehrlicher Politiker zu gerieren, lie\u00df sich der Vizekanzler nicht entgehen. Mit breitem L\u00e4cheln antwortete er, beispielsweise bereits im vergangenen Jahr darauf hingewiesen zu haben, nicht zu wissen, wann die Krise \u00fcberwunden sein werde. \u201eIm Moment machen wir Politik ohne Drehbuch.\u201c<\/p>\n<p><strong>Die Bedeutung der Kultur f\u00fcr die Au\u00dfenpolitik<\/strong><\/p>\n<p>Das gute Verh\u00e4ltnis der beiden geht auf ein gemeinsames Projekt zur\u00fcck. Schlingensief hat seit langem den Traum, in Afrika ein Festivalhaus f\u00fcr afrikanische und K\u00fcnstler von anderen Kontinenten zu erbauen. Das kostet viel Geld. Als Steinmeier von dem Festspielhaus h\u00f6rte, war sein Interesse sofort erwacht. Schlie\u00dflich wisse er von der Bedeutung von Kultur in der Au\u00dfenpolitik, meinte er.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nne nicht davon ausgehen, dass europ\u00e4ische Philosophie und Denkhaltungen automatisch als Orientierung auch in der restlichen Welt gelten w\u00fcrden, sagte Steinmeier. Deswegen m\u00fcsse man sich anstrengen, sich in der Welt verst\u00e4ndlicher zu machen. Deswegen unterst\u00fctze er ein Projekt wie das von Schlingensief. Gemeinsam werde man sich angucken, wo die Idee am besten zu verwirklichen sei. Zur Auswahl st\u00fcnden unter anderem Mozambique und Burkina Faso.<\/p>\n<p><strong>Privatheit nicht vollst\u00e4ndig aufgeben<\/strong><\/p>\n<p>Zum eigentlichen Thema \u201ePolitik und Privatheit\u201c wusste Steinmeier aber auch noch etwas zu sagen. Seitdem er Kanzlerkandidat sei, nehme das Interesse an seiner Person stetig zu. Die Leute wollten wissen, woher er komme. \u201eDa muss man schon Antworten geben, ohne die Privatheit vollst\u00e4ndig preiszugeben.\u201c Nat\u00fcrlich sei er pers\u00f6nlich auch von Anschl\u00e4gen wie vor wenigen Tagen w\u00e4hrend seines Besuchs in Afghanistan tief ber\u00fchrt. Aber er m\u00fcsse funktionieren und bereits kurze Zeit sp\u00e4ter wieder auf Maikundgebungen sprechen. Das erwarte die \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>Auch dies ist ein Grund, warum Schlingensief eigentlich nicht viel von Politikern h\u00e4lt. Damals, als er seine Partei gegr\u00fcndet habe, habe er \u00fcber alles reden k\u00f6nnen, obwohl er von vielem \u00fcberhaupt keine Ahnung gehabt habe, sagte der Regisseur. Das habe ihm die Angst vor allem genommen. \u201ePolitiker k\u00f6nnen sich immer rausreden.\u201c Erst bei einem Besuch in Afrika nach der Wahl 2000 habe er wieder gelernt, was Angst bedeute \u2013 er habe beispielsweise Angst vorm \u201eschwarzen Mann\u201c. Auch dies sei ein Grund f\u00fcr den Bau eines Festspielhaus auf diesem Kontinent. Leute sollten dort sechs bis acht Wochen etwas Neues zu erfahren.<\/p>\n<p>Privates k\u00f6nne durchaus politisch sein, meint Schlingensief. Sein Fluxus-Oratorium \u201eEine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir\u201c, das das 46. Theatertreffen am Wochenende er\u00f6ffnete und seine Krebserkrankung thematisiert, sei politisch. Es stelle Fragen ans Gesundheitssystem, wann der Staat tats\u00e4chlich sozial sei, ob er nur organisiere oder auch die M\u00f6glichkeit gebe, \u201edass ich mich als Menschen mag\u201c. Der Akt der Einsamkeit sei das Politischste, \u201ewas in unserer Gesellschaft stattfinden kann\u201c. Der Rest sei Geschw\u00e4tz.<\/p>\n<p><strong>Die Diskussion zeigt der ZDF-Theaterkanal am 7. Mai ab 21:10 Uhr sowie am 9. Mai ab 0:45 Uhr. <\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.theaterkanal.de\/fernsehen\/monat\/200905\/politik-und-privatheitdiskussion-anlaumlsslich-des-46.-theatertreffens-berlin-2009\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.theaterkanal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Merkel-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier nahm an einer Diskussion zum Thema \u201ePolitik und Privatheit\u201c teil und traf dort unter anderem Regisseur Christoph Schlingensief. 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