{"id":370,"date":"2009-04-27T20:14:07","date_gmt":"2009-04-27T18:14:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=370"},"modified":"2009-04-27T20:14:07","modified_gmt":"2009-04-27T18:14:07","slug":"dem-himmel-zu-nah-deutsche-welle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=370","title":{"rendered":"&#8222;DEM HIMMEL ZU NAH&#8220; (DEUTSCHE WELLE)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der krebskranke Regisseur Christoph Schlingensief macht seine Angst vor dem Sterben \u00f6ffentlich: Mit einer Trilogie auf der B\u00fchne und mit seinem Krebstagebuch &#8222;So sch\u00f6n wie hier kanns im Himmel nicht sein&#8220;. <\/strong><\/p>\n<p>Er traut sich fast alles: Behinderte auf die B\u00fchne zu holen, Theater mit Neonazis zu machen und Obdachlose auf dem Wiener Opernplatz auftreten zu lassen. Weil er schon so viele Tabus im Kulturbetrieb gebrochen hat, gilt Christoph Schlingensief als das &#8222;enfant terrible&#8220; des deutschen Theaterbetriebs. Er ist ein Spa\u00dfmacher, dem es jedoch bitterernst ist, einer satten Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten.<\/p>\n<p>Ein Tabubruch ist auch Schlingensiefs Krebstagebuch. In der Klinik hat er einem Diktierger\u00e4t seine Gedanken \u00fcber das Leben, das Sterben und seine Kunst anvertraut. Die Diagnose Lungenkrebs sei ein Schock gewesen, erz\u00e4hlt Schlingensief. &#8222;Diese Frage, warum es gerade mich trifft, und nicht den mit dem dicken Bauch auf dem Balkon, die treibt einen um&#8220;, gibt der 48-j\u00e4hrige Regisseur offen zu.<\/p>\n<p><strong> Der Kampf mit dem &#8222;Dreckskerl da drinnen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Sein Krebstagebuch spricht aus, was die meisten Betroffenen sich kaum zu denken trauen. Er stellt das eigene Leiden, die eigene Krankheit \u00f6ffentlich aus und beschreibt auch seinen mentalen Kampf gegen den &#8222;Dreckskerl da drinnen&#8220;, den Tumor, den er besiegen will. Weil er das Leben liebt. Denn das ist das Faszinierende an diesem Buch: Es ist eine einzige Liebeserkl\u00e4rung. Christoph Schlingensief bekennt die Liebe zu seiner Freundin und Verlobten, zu seiner Mutter und dar\u00fcber hinaus ganz schlicht: zum Dasein auf dieser Erde.<\/p>\n<p>Die Aufzeichnungen dokumentieren, wie der K\u00fcnstler immer wieder mit seinem l\u00e4ngst vergessen geglaubten Gott aus der Kinderzeit hadert und ihn doch wieder liebt, die katholische Kirche der L\u00fcge bezichtigt, weil sie das Gl\u00fcck im Jenseits verspricht, w\u00e4hrend er f\u00fcr sich erkannt hat: &#8222;Wenn du hier die Augen zumachst, ist diese Welt wirklich weg. Sie ist verschwunden, sie ist nicht mehr da&#8220;, sagt er.<\/p>\n<p><strong>Ungebrochener Wille zur Kreativit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Christoph Schlingensief, der laute, gesellschaftliche Tabus ignorierende Provokateur, er offenbart sich in diesem Tagebuch als verwundbarer Mensch und K\u00fcnstler, der mit der Krankheit ringt und zugleich das Leben feiern m\u00f6chte. Die gro\u00dfe Zustimmung, mit der sein Buch in der \u00d6ffentlichkeit aufgenommen wurde, hat ihn \u00fcberrascht. Er habe sein Tagebuch zun\u00e4chst nur f\u00fcr sich geschrieben, erz\u00e4hlt er. &#8222;Da war keiner im Raum, da waren nur Dunkelheit und D\u00e4monen.&#8220;<\/p>\n<p>Seine existentielle Angst bek\u00e4mpft er vor allem mit dem ungebrochenen Willen zur Kreativit\u00e4t. Seine W\u00fcnsche, wie er sie in dem Buch formuliert, klingen fast kindlich-naiv: Mindestens 35 mal noch Weihnachten feiern, noch mal Wagner in Bayreuth inszenieren, vielleicht nach Parsifal das n\u00e4chste Mal Tristan. Und: ein Festspielhaus in Afrika gr\u00fcnden.<\/p>\n<p><strong>Der Traum vom Theater in Afrika<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Traum k\u00f6nnte jetzt Realit\u00e4t werden: Letzte Woche, am Rande einer Konferenz \u00fcber ausw\u00e4rtige Kulturpolitik, verk\u00fcndete Au\u00dfenminister Frank-Walter Steinmeier, er wolle Schlingensief bei diesem Vorhaben unterst\u00fctzen. Der Regisseur ist gl\u00fccklich &#8211; und steht nun vor neuen Herausforderungen.<\/p>\n<p>&#8222;Wir haben schon Gelder bekommen&#8220;, sagt er. &#8222;Die Reise nach Burkina Farso am 17. Mai ist finanziert.&#8220; Und zuversichtlich f\u00fcgt er hinzu: &#8222;Wir schaffen das, wir sind auf einem sehr guten Weg.&#8220;<\/p>\n<p><em>Autorin: Sigrid Hoff<br \/>\nRedaktion: Sabine Damaschke<br \/>\nDW-WORLD.DE vom 27.04.2009<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der krebskranke Regisseur Christoph Schlingensief macht seine Angst vor dem Sterben \u00f6ffentlich: Mit einer Trilogie auf der B\u00fchne und mit seinem Krebstagebuch &#8222;So sch\u00f6n wie hier kanns im Himmel nicht sein&#8220;. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/370"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=370"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/370\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=370"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=370"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=370"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}