{"id":366,"date":"2009-04-24T11:29:04","date_gmt":"2009-04-24T09:29:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=366"},"modified":"2009-04-24T11:29:04","modified_gmt":"2009-04-24T09:29:04","slug":"steinmeier-unterstutzt-festspielhaus-afrika-spiegel-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=366","title":{"rendered":"STEINMEIER UNTERST\u00dcTZT FESTSPIELHAUS AFRIKA (SPIEGEL)"},"content":{"rendered":"<p><strong>In seiner Rede anl\u00e4sslich der Konferenz \u201eMenschen bewegen II\u201c am 23.04.2009 hat Au\u00dfenminister Frank-Walter Steinmeier angek\u00fcndigt, Christoph Schlingensiefs Projekt &#8222;Festspielhaus Afrika&#8220; tatkr\u00e4ftig zu unterst\u00fctzen<\/strong><\/p>\n<div style=\"padding-top:26px;padding-bottom:28px;text-align:center;width:450;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schlingensief.com\/mediathek\/flashvideo2.php?type=flv&#038;b=450&#038;h=360&#038;id=20090423_spiegeltv_festspielhaus_steinmeier_62237_680x544_VP6_928\" width=\"450\" height=\"376\" name=\"video_inabox\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/div>\n<p><strong>Die Pr\u00e4sentation von \u201eTagebuch einer Krebserkrankung\u201c diese Woche musste Christoph Schlingensief wegen eines Fieberschubs absagen. Doch der erkrankte K\u00fcnstler blickt nach vorn: Einer seiner gr\u00f6\u00dften W\u00fcnsche ist es, in Afrika ein Festspielhaus zu errichten. F\u00fcr sein Projekt erh\u00e4lt er nun prominente Unterst\u00fctzung. <\/strong><\/p>\n<p>Berlin &#8211;<\/p>\n<p>Der Theater-Regisseur Christoph Schlingensief hat f\u00fcr sein geplantes Festspielhaus in Afrika jetzt auch die offizielle Unterst\u00fctzung der Bundesregierung. Das Ausw\u00e4rtige Amt werde bei dem Projekt \u201emit Rat und Tat zur Seite stehen\u201c, k\u00fcndigte Au\u00dfenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) w\u00e4hrend einer Konferenz zur internationalen Kulturpolitik am Donnerstag in Berlin an. Zuvor hatte bereits das Goethe-Institut Hilfe zugesagt.<\/p>\n<p>\u201eLassen Sie uns gemeinsam schauen, dass dieses Projekt realisiert wird\u201c, sagte Steinmeier zu dem an Krebs erkrankten Regisseur, der bei der Konferenz dabei war. \u201eIch bin mir sicher, das werden wir schaffen.\u201c<\/p>\n<p>Schlingensief (48) will in Afrika ein Festspielhaus er\u00f6ffnen, das sowohl afrikanischen als auch K\u00fcnstlern von anderen Kontinenten zur Verf\u00fcgung steht. Die genaueren Planungen sind noch nicht bekannt.<\/p>\n<p>Schlingensief hat in diesen Tagen sein vielbeachtetes \u201eTagebuch einer Krebserkrankung\u201c ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><em>dpa<\/em><br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"..\/images\/dummie.gif\" width=\"1\" height=\"25\" border=\"0\"\/><\/p>\n<p><strong>Rede des Au\u00dfenministers Frank-Walter Steinmeier anl\u00e4sslich der Konferenz \u201eMenschen bewegen II\u201c am 23.04.2009<\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,<br \/>\nExzellenzen,<br \/>\nmeine Damen und Herren!<\/p>\n<p>Ich hoffe, dass Sie den gestrigen Abend intensiv erlebt, aber schadenfrei \u00fcberlebt haben. \u201eMenschen bewegt\u201c haben wir reichlich! Und Vergn\u00fcgen scheint es den allermeisten auch gemacht zu haben. Das war unsere Absicht!<\/p>\n<p>Meine Damen und Herren, allen, auch denen, dich ich gestern Abend noch nicht begr\u00fc\u00dfen konnte: Ein herzliches Willkommen hier im Weltsaal des Ausw\u00e4rtigen Amtes.<\/p>\n<p>Zweieinhalb Jahren d\u00fcrfte es her sein, dass wir uns zum ersten Mal unter diesem Titel getroffen haben. Damals nicht ohne Ehrgeiz und Anspruch, die Kultur- und Bildungspolitik wieder ins Zentrum unserer Au\u00dfendarstellung zu r\u00fccken. Das war unser Ziel. Und in aller Bescheidenheit: Auf dem Weg dahin sind wir gemeinsam mit einander ein gutes St\u00fcck vorangekommen.<\/p>\n<p>Das war notwendig. Die Zeit d\u00e4ngt. Die Welt ver\u00e4ndert sich in rasender Geschwindigkeit. Und mit ihr die M\u00f6glichkeiten von Politik, insbesondere Au\u00dfenpolitik!<\/p>\n<p>Die zynischen Gewissheiten des kalten Krieges sind weg. Neue Un\u00fcbersichtlichkeiten sind an ihre Stelle, neue Player sind auf die B\u00fchne getreten. Krisen und Konflikte sind in diesem 21. Jahrhundert nicht weniger geworden. Au\u00dfenpolitik war als Krisenmanagement gefragt wie nie zuvor! Und wir k\u00f6nnen uns nicht entziehen, nicht im Nahen Osten, nicht in Afghanistan und anderswo! <\/p>\n<p>Deshalb sage ich ohne Romantik: Krisenpr\u00e4vention, klassische Diplomatie, das ganze Spektrum \u00fcber Instrumente \u2013 all das bleibt unverzichtbar! Die Frage ist, ob sie angesichts neuer Herausforderungen gen\u00fcgen. Ressourcenknappheit, Konflikte um den Zugang zu Wasser und zu Energie, aber auch religi\u00f6se und kulturelle Konflikte spielen leider eine zunehmende Rolle. Dem \u201eclash of civilization\u201c reden wir nicht das Wort. Im Gegenteil.<\/p>\n<p>Aber wir k\u00f6nnen sie auch nicht wegreden oder wegw\u00fcnschen! Abschottung, Ausgrenzung und Isolierung ist auch keine L\u00f6sung, wie wir in den letzten Jahren erlebt haben.<\/p>\n<p>Im Gegenteil: Meine anf\u00e4ngliche Beobachtung, inzwischen Erfahrung, ist eine ganz andere: Die neue un\u00fcbersichtliche, oder in diplomatischer Sprache multipolare Welt, das Wachsen neuer Zentren mit wirtschaftlichem und politischem Einfluss f\u00fchrt auch zu neuem kulturellem Selbstbewusstsein in Ostasien, Afrika und der arabischen Welt.<\/p>\n<p>Weniger denn je k\u00f6nnen wir davon ausgehen, dass europ\u00e4ische Werte und Traditionen selbstverst\u00e4ndlich Ziel und Orientierungspunkt der gesellschaftlichen Entwicklung in anderen Regionen der Erde sind.<\/p>\n<p>Das treibt manche zur Panik. Sie kennen meine Haltung! Ich sage: Wir m\u00fcssen uns selbst mehr abverlangen. Wir haben keine Garantie, dass wir geh\u00f6rt werden. Aber wir m\u00fcssen mehr investieren: kulturell, politisch, finanziell, um uns im besten Sinne des Wortes \u201everst\u00e4ndlich\u201c zu machen, uns zu erkl\u00e4ren, drau\u00dfen in der Welt, unsere Geschichte, Traditionen, Werte und Haltungen, um Gefahr von Missverst\u00e4ndnissen zu reduzieren.<\/p>\n<p>Ich will Kultur nicht instrumentalisieren, nicht politisieren und insbesondere nicht \u00fcberfordern. Aber ich wei\u00df, dass Kultur etwas kann, was Politik nicht kann: Sie kann die abseits der Alltagskonflikte und politischen Interessen die Steine sammeln f\u00fcr die Br\u00fcckenpfeiler, \u00fcber die Verst\u00e4ndigung l\u00e4uft, wenn sie stark genug sind. Das verstehe ich unter kulturellem Dialog: Ein Dialog, der fordert, der aber auch hinh\u00f6rt.<br \/>\n\u201eDie schlimmste aller Weltanschauungen, ist die derjenigen, die die Welt nie angeschaut haben\u201c, sagt Alexander von Humboldt. Deswegen m\u00fcssen wir diesen Dialog f\u00fchren ohne Naivit\u00e4t und Kinderglaube \u201enur an das Gute dieser Welt\u201c! Sondern wachen Auges und wachen Herzens. Darauf kommt es an.<\/p>\n<p>Ich habe es heute bereits in einem Interview gesagt: Kultur und Kulturaustausch ist kein Friedensvertrag. Aber sie gibt Gelegenheit, es gibt anderen die Gelegenheit, die Welt mit unseren Augen zu schauen und nat\u00fcrlich auch uns die Gelegenheit, die Welt mit einem anderen Blick zu sehen. Und daraus eigene Schl\u00fcsse zu ziehen!<\/p>\n<p>Vieles davon findet statt. Ganz unspektakul\u00e4r im Alltag der Ausw\u00e4rtigen Kultur- und Bildungspolitik. Manches ragt heraus. Und auf manches bin ich stolz, wenn es nach Jahren geduldiger und beharrlicher Vorbereitung zustande kommt.<\/p>\n<p>Ein geradezu sensationelles Projekt in China, in dem die drei gro\u00dfen deutschen Universalmuseen, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die Bayerischen Staatsgem\u00e4ldesammlungen in M\u00fcnchen und nat\u00fcrlich die Staatlichen Museen zu Berlin gemeinsam mit der Stiftung Preu\u00dfischer Kulturbesitz zur Zeit zusammenarbeiten.<\/p>\n<p>Sie haben die Chance, im n\u00e4chsten Jahr in China, im dann fertig gestellten Nationalmuseum, direkt am Platz des Himmlischen Friedens, \u00fcber fast ein Jahr eine Ausstellung \u00fcber die Kunst der Aufkl\u00e4rung zu zeigen. Gest\u00fctzt und begleitet wird diese Ausstellung von einem Konferenz- und Bildungsprogramm. Das Goethe-Institut arbeitet da mit, eine gro\u00dfe deutsche Stiftung, die Mercator-Stiftung ist ebenfalls interessiert.<\/p>\n<p>Ich nenne dieses Beispiel stellvertretend f\u00fcr viele andere hier zu Beginn, um zu sagen: Ohne die ermutigenden, ohne die kritisch-konstruktiven Beitr\u00e4ge, ohne den Enthusiasmus und das Engagement von Ihnen allen hier im Saal h\u00e4tten wir das nicht schaffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und so danke ich an erster Stelle allen K\u00fcnstlern und Kulturschaffenden, die mich in den vergangenen Jahren auf Reisen begleitet haben, die hier in Deutschland oder drau\u00dfen in der Welt gemeinsam mit uns nachgedacht und diskutiert haben.<\/p>\n<p>Einige sehe ich auch heute hier. Herzlichen Dank noch einmal, dass Sie die damit verbundenen Anstrengungen, den mangelnden Schlaf, die schwankenden Busfahrten und n\u00e4chtlichen Fl\u00fcge auf sich genommen haben! Und ich verspreche Ihnen: es wird heute weniger anstrengend.<\/p>\n<p>Noch einen besonderen Dank m\u00f6chte ich sagen: an die Teilnehmer aus der Kreativwirtschaft, den Stiftungen und Kulturinstitutionen und besonders an unsere Kulturmittler. Dass sie die Modernisierung und \u00d6ffnung unserer Ausw\u00e4rtigen Kultur- und Bildungspolitik mittragen, mitgestalten und bef\u00f6rdern. Und sich den neuen Herausforderungen anpassen. Ich danke Ihnen f\u00fcr Ihre Tatkraft und den Mut, den die Reformen nun einmal erfordern.<\/p>\n<p>Wir alle haben einen gemeinsamen Dank abzustatten: den Abgeordneten des Deutschen Bundestages, die \u00fcber Ausschuss- und Parteigrenzen hinweg unsere Neuausrichtung unterst\u00fctzt, gef\u00f6rdert und gefordert haben.<\/p>\n<p>Ich sehe Monika Griefahn und Dagmar Freitag hier. Daher mein Dank stellvertretend f\u00fcr alle Abgeordneten des Kulturausschusses, des Unterausschusses Ausw\u00e4rtige Kultur- und Bildungspolitik an Sie! Und nat\u00fcrlich an unsere Haush\u00e4lter im Bundestag. Ohne ihre Hilfe w\u00e4re das alles nicht m\u00f6glich gewesen.<\/p>\n<p>Vor zweieinhalb Jahren, damals ging es in erster Linie um die Goethe-Institute, hatte ich bei meiner Bitte um Unterst\u00fctzung damit geworben, dass es sich um unsere kulturelle Infrastruktur im Ausland handelt. Und dass uns 130 Goethe-Institute doch mindestens so viel wert sein sollten wie 10 oder 15 Kilometer Autobahn.<\/p>\n<p>Nun war das eine andere Zeit. Manchen kam mein Argument unmodern vor. Ihnen schien alles \u00fcber privates Kultursponsoring m\u00f6glich. Ich m\u00f6chte nicht missverstanden werden: Wir brauchen das und wir brauchen das weiterhin, wenn Au\u00dfergew\u00f6hnliches gelingen soll. Und ich appelliere an die hier anwesenden Vertreter der deutschen Wirtschaft, dass sie auch in schwierigen Zeiten nicht nachlassen, sondern dass sie diese Unterst\u00fctzung bewahren und festigen sollten.<\/p>\n<p>Aber eines m\u00f6chte ich auch klar sagen: f\u00fcr mich ist und bleibt die F\u00f6rderung von Kultur eine \u00f6ffentliche Aufgabe!<\/p>\n<p>Dieses Verst\u00e4ndnis gab es, wie gesagt, nicht \u00fcberall. Aber es gab es im deutschen Parlament. Deshalb danke ich den Abgeordneten des Deutschen Bundestages, dass sie unseren Ansatz mitgetragen haben. Sie haben das Budget der Ausw\u00e4rtigen Kulturpolitik in den vergangenen drei Jahren um mehr als 30% erh\u00f6ht. F\u00fcr die die Zukunft unseres Landes und, ich bin sicher, f\u00fcr die Zukunft unserer Menschen in einer ver\u00e4nderten Welt!<\/p>\n<p>Was hei\u00dft das konkret? Drei Baustellen der letzten Jahre will ich nennen. Zum ersten die Reform des Goethe-Institutes. Zwei Aspekte standen und stehen dabei im Vordergrund. Zum einen die innere Reform, die Modernisierung der Abl\u00e4ufe und Prozesse. Das ist nicht mit einem Mal getan. Auch bei uns selbst im Ausw\u00e4rtigen Amt nicht. Ich habe es heute in einem Interview gesagt: wir wollen mehr Eigenverantwortung, und damit dass klappt, m\u00fcssen wir auch die ganz profanen Steuerungsinstrumente verbessern wie eine konsequentere Budgetierung und klarere Zielabsprachen.<\/p>\n<p>Das alles ist aber nur die eine Seite der Reform-Medaille. Die andere ist, dass wir gleichzeitig das bestehende Netzwerk gesichert und vor allem neue Standorte aufgebaut haben. 10 mehr seit 2005. In China und Indien, in Afrika und Russland. Also genau dort, wo es in den n\u00e4chsten Jahren und Jahrzehnten darauf ankommt. Wo wir mehr Verantwortung \u00fcbernehmen wollen, wo wir noch mehr darauf angewiesen sind, dass sich diese Partner in internationale Verantwortung hinein geben, Verantwortung mit uns gemeinsam \u00fcbernehmen f\u00fcr die L\u00f6sung der gro\u00dfen Menschheitsprobleme.<\/p>\n<p>Ein Kontinent liegt mir dabei besonders am Herzen: Afrika. Bei den zahlreichen Projekten und Kooperationen, die wir dort angesto\u00dfen haben oder unterst\u00fctzen ist einiges gelungen: Goethe-Institute wurden neu gegr\u00fcndet oder sind im Prozess der Neugr\u00fcndung. Andere wurden wieder belebt wie in Daressalam oder wieder neu aufgebaut wie in Lom\u00e9. Dor habe ich auf einer meiner Reisen selbst sehen k\u00f6nnen, wie aus dem w\u00e4hrend der Unruhen vor einigen Jahren zerst\u00f6rten Geb\u00e4ude wieder ein neuer lebendiger Ort der Kultur wurde. Das macht Mut.<br \/>\nZwei weitere Beispiele will ich nenne: unsere neuen Stipendien- und Kooperationsprogramme mit afrikanischen Universit\u00e4ten. Die nicht nur das Ziel haben, mehr afrikanischen Studenten ein Studium hier zu erm\u00f6glichen. Sondern mit denen wir vor allem auch vor Ort den Aufbau eines Bildungssystems unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Nicht nur durch universit\u00e4re Ausbildung: So hat die Deutsche Welle ein eigenes Bildungsprogramm \u00fcber das Radio im s\u00fcdlichen Afrika geschaffen. Nach dem Motto: dort, wo die Kinder nicht in die Schule und zur Bildung kommen k\u00f6nnen, muss die Bildung durch das Radio zu den Kindern kommen.<\/p>\n<p><strong>Und noch ein Vorhaben m\u00f6chte ich besonders erw\u00e4hnen: K\u00fcrzlich, ich glaube, das war w\u00e4hrend der Berlinale, und ich m\u00f6chte auch an dieser Stelle Dieter Kosslick noch einmal dazu gratulieren, hat mir Christoph Schlingensief von seinem \u201eFestspielhaus Afrika\u201c erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Sie wollen eine St\u00e4tte f\u00fcr Kunst und Alltag errichten, haben Sie mir damals gesagt. Mit einem Kraftzentrum in Afrika und mit einem internationalen Netzwerk in andere L\u00e4nder und besonders nach Deutschland. Mit dem Ziel einer \u201egesamtgesellschaftlich und interkulturell wirkenden Kunst\u201c, so haben Sie mir das dann sp\u00e4ter geschrieben.<\/p>\n<p>Ich finde, genau dieser Ansatz passt zu uns. Lassen Sie uns gemeinsam schauen, Herr Schlingensief, dass wir das realisiert bekommen. Das Ausw\u00e4rtige Amt und nat\u00fcrlich auch das Goethe-Institut, lieber Herr Lehmann, ich sehe, Sie sind einverstanden, werden Ihnen bei diesem Projekt mit Rat und Tat zur Seite stehen!<\/strong><\/p>\n<p>Eine zweite Baustelle aus den vergangenen Jahren m\u00f6chte ich nennen: unsere Partnerschulinitiative. Deutsche Schulen im Ausland leisten wunderbare Arbeit, sie schaffen \u00fcber Sprache einen ersten Kontakt mit unserem Land, und dort kn\u00fcpfen junge Menschen lebenslange Bindungen unter einander und mit der deutschen Sprache und Kultur.<\/p>\n<p>Viele, sehr viele Absolventen dieser Schulen sind sp\u00e4ter hoch anerkannte und auch f\u00fcr uns wichtige Gespr\u00e4chspartner in Wirtschaft, Kultur, Politik und Gesellschaft. Und nicht selten treffe ich Kolleginnen oder Kollegen, ich denke da zum Beispiel an Mexiko oder Griechenland, die an einer deutschen Schule ausgebildet wurden und ein tiefes Verst\u00e4ndnis von unserer Sprache und Kultur haben, das ich bewundere.<\/p>\n<p>Wir hatten uns deshalb vorgenommen, bis zum Abschluss dieser Legislaturperiode unser Netzwerk der Partnerschulen auf 1000 verdoppeln. Das Ziel haben wir mehr als erreicht. Rund 150.000 junge Menschen in \u00fcber 1200 Schulen kommen heute Tag f\u00fcr Tag in Kontakt mit unserer Sprache und unserer Kultur.<\/p>\n<p>Das ist jetzt kein Grund zu Eigenlob oder Selbstzufriedenheit. Sondern das zeigt doch in aller erster Linie, wie gro\u00df die Nachfrage nach Bildung \u201emade in Germany\u201c ist. Dass sich damit ganz offensichtlich eine konkrete Hoffnung f\u00fcr junge Menschen und deren Eltern verbindet.<\/p>\n<p>Ich finde, dieser Hoffnung sollten wir \u2013 auch im eigenen Interesse &#8211; in den n\u00e4chsten Jahren weiter gerecht werden.<\/p>\n<p>Die dritte Baustelle baut quasi auf diesen Fundamenten in die H\u00f6he: Gemeinsames Lernen und Arbeiten steht auch im Vordergrund der F\u00f6rderung von Wissenschaft im Ausland. Mit dem DAAD und der Alexander von Humboldt-Stiftung haben wir unsere Programme kr\u00e4ftig ausgeweitet. Endlich ist verstanden worden, dass es unser Interesse ist, uns zu pr\u00e4sentieren und andere f\u00fcr uns zu interessieren!<\/p>\n<p>Daraus ist auch die Idee der deutschen Wissenschaftsh\u00e4user entstanden. Forschungs- und Wissenseinrichtungen arbeiten hier mit Wirtschaft und Diplomatie in einem Haus zusammen. Und nach dem Beginn der Arbeiten in Sao Paulo freue ich mich sehr, in den n\u00e4chsten Wochen auch den Startschuss f\u00fcr das Wissenschaftshaus in Moskau geben zu k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>Tokio, Delhi und New York sollen auch in diesem Jahr noch folgen. Neue Universit\u00e4tsprojekte sollen folgen. Am konkretesten die Deutsch-T\u00fcrkische Universit\u00e4t in Istanbul. Vor gut zwei Jahren habe ich dazu die ersten Gespr\u00e4che mit meinem damaligen Kollegen, dem heutigen Staatspr\u00e4sidenten G\u00fcl gef\u00fchrt, im vergangenen Jahr habe ich gemeinsam mit der Kollegin Schavan und Au\u00dfenminister Babacan das Regierungsabkommen unterschrieben. Jetzt stehen wir gerade vor der Zuweisung des Grundst\u00fccks!<\/p>\n<p>Auch ein anderes Projekt in Istanbul macht \u00fcbrigens Fortschritte: Die Errichtung einer K\u00fcnstlerakademie in Tarabya, auf dem Gel\u00e4nde der ehemaligen Sommerresidenz des deutschen Botschafters. Wir haben hier die Anregung aus der Mitte des Deutschen Bundestages aufgegriffen. Und wollen den Ort unter dem Dach des Goethe-Institutes zu einem Zentrum der kulturellen und k\u00fcnstlerischen Kooperation, der Begegnung und des Austausches machen und ich hoffe, dass die letzten Vorarbeiten hierzu bald abgeschlossen sein werden.<\/p>\n<p>Goethe-Institute, Partnerschulen, Au\u00dfenwissenschaftspolitik. Das sind die drei gro\u00dfen Baustellen der letzten Jahre gewesen. Die eines verbindet: sie richten sich in aller erster Linie an die j\u00fcngere Generation. Es sind sozusagen Generationen- und Zukunftsprojekte.<\/p>\n<p>Und die funktionieren am besten, wenn es keine Einbahnstrassen sind. Deswegen will ich noch ein \u201eGenerationenprojekt\u201c herausstellen, auf das wir ganz besonders stolz sind und das mir hier bei uns zu Hause ganz besonders wichtig ist. Weil wir damit nicht nur die Fenster und T\u00fcren unseres Landes \u00f6ffnen, sondern auch das ehrenamtliche Engagement unserer jungen Leute f\u00f6rdern:<\/p>\n<p>Mit \u201ekulturweit\u201c erm\u00f6glichen wir jungen Menschen, einen Freiwilligendienst im Ausland zu leisten. 1500 Bewerbungen liegen daf\u00fcr heute schon vor. Das ist bei weitem mehr, als es bislang Pl\u00e4tze gibt. Und daher m\u00f6chte ich heute an alle hier Anwesenden appellieren: \u201eKulturweit\u201c, das ist der B\u00fcrgersinn unserer Jugend in einer Welt. Erfahrungen wie diese \u00f6ffnen Augen, erweitern Horizonte, ver\u00e4ndern Haltung. Wer einmal die Welt mit den Augen des anderen gesehen hat, wird sich sp\u00e4ter nicht mehr k\u00fcnstlich selbst beschr\u00e4nken wollen. Der wird seine Empfindsamkeit f\u00fcr die N\u00f6te dieser Welt behalten.<\/p>\n<p>Bitte: Wenn Sie k\u00f6nnen, schaffen Sie mehr Pl\u00e4tze, mehr Raum f\u00fcr dieses Engagement!<\/p>\n<p>Nicht nur mit \u201ekulturweit\u201c, sondern mit einer ganzen Reihe von Projekten geht es uns um \u201eErste Schritte\u201c, wie wir das f\u00fcr die heutige Konferenz genannt haben: Um das Ein\u00fcben und den Aufbau von zivilen und zivilgesellschaftlichen Strukturen, von Zivilit\u00e4t, wenn Sie so wollen, durch Kultur und Bildung und nat\u00fcrlich durch den Sport!<\/p>\n<p>Ich habe es auf meinen Reisen immer wieder festgestellt und der ein oder andere hier im Saal wird es best\u00e4tigen: In unseren Fu\u00dfballschulen in Afrika, durch unser Engagement f\u00fcr die afghanische Frauennationalmannschaft, oder die bewundernswerte Arbeit von Frau Bader-Bille im Senegal mit behinderten Menschen \u2013 \u00fcberall dort geht es nicht nur um Sport. Sondern darum, ein faires und ziviles Miteinander auf dem Platz zu trainieren, damit es auch im t\u00e4glichen Leben funktioniert.<\/p>\n<p>Glaubw\u00fcrdig in alldem werden wir in unseren Anstrengungen aber nur dann, wenn wir unsere Werte auch bei uns selbst wieder zusammen bringen. Freiheit und Verantwortung zum Beispiel! Und wir m\u00fcssen die Reduktion des Freiheitsbegriffs auf die wirtschaftliche Freiheit korrigieren.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns dringend verst\u00e4ndigen \u00fcber die kulturellen Ursachen f\u00fcr das Versagen im Finanz- und Wirtschaftssektor.<br \/>\nEs reicht nicht, die Anreize zu justieren, ein wenig am System herum zu schrauben, wie manche \u00d6konomen und leider auch Politiker vorschlagen. Und f\u00fcr ganz falsch halte ich es, wenn manche so tun, als ob nachher wieder alles so werden k\u00f6nnte oder sollte, wie es vorher war.<\/p>\n<p>Ich sage: Wir wollen wieder mehr Vernunft und Verantwortung in unserer Gesellschaft und in unserer Wirtschaft. Darum geht es und Gesine Schwan betont das in diesen Tagen immer wieder und zu recht: die gegenw\u00e4rtige Krise ist auch eine Frage von Bildung und wir brauchen \u2013 wieder &#8211; ein Bildungsverst\u00e4ndnis, das an Moral und Verantwortung gekoppelt ist.<\/p>\n<p>Ein Professor einer amerikanischen Universit\u00e4t hat da vor kurzem die richtige Frage gestellt: \u201eWas ist mit den MBA-Programmen, die so viele gierige Absolventen ohne moralischen Kompass hervorgebracht haben?\u201c<\/p>\n<p>Und wir alle sollten uns fragen: wo und wie bilden wir angesichts immer k\u00fcrzer werdender Studieng\u00e4nge und immer gr\u00f6\u00dferen Leistungsdruckes unsere jungen Leute im Fach \u201eVerantwortung\u201c aus?<\/p>\n<p>Wie bringen wir ihnen bei, dass sie Mitmenschen und den kommenden Generationen verpflichtet sind?<\/p>\n<p>Hier und in der weiten Welt!<\/p>\n<p>Auch hierf\u00fcr ist \u201ekulturweit\u201c, wenn auch zahlenm\u00e4\u00dfig ein fast verschwindend geringer, aber vom Ansatz her richtiger Beitrag. Weil wir so bei vielen jungen Menschen Sensibilit\u00e4t schaffen, da bin ich mir sicher!<\/p>\n<p>Aber Kultur insgesamt wird gebraucht, um uns neu zu vergewissern, was Gesellschaften wie die unsrige zusammenh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Vergewisserung bringt mich zum letzten Stichwort. Ich glaube, es ist wirklich an der Zeit, dass genau dieses Thema der Verantwortung, der Weltoffenheit und der Weltkulturen seinen Platz im kulturellen Zentrum unseres Landes hier in Berlin findet.<\/p>\n<p>Ein Ort, wo sich nationales Kulturerbe, die Kulturen der Welt und G\u00e4ste aus aller Welt treffen.<\/p>\n<p>Wo wir den Weltkulturen einen gleichberechtigten Platz einr\u00e4umen, in einen neuartigen Dialog mit den Kulturen der Welt eintreten wollen und auch f\u00fcr unsere eigene Gesellschaft klar machen k\u00f6nnen: unterschiedliche Herkunft und gemeinsame Zukunft, das sind keine Gegens\u00e4tze.<\/p>\n<p>Lieber Herr Parzinger, und wenn die \u00fcbern\u00e4chste Konferenz dann im Humboldt-Forum stattfindet, dann wird das Ausw\u00e4rtige Amt als Gastgeber gern zur\u00fcckstehen! Denn ein solcher Nachbar wird eine Bereicherung f\u00fcr uns alle sein. Arbeiten wir daran! Bewegen wir die Menschen und die Dinge!<\/p>\n<p>Vielen Dank!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seiner Rede anl\u00e4sslich der Konferenz \u201eMenschen bewegen II\u201c am 23.04.2009 hat Au\u00dfenminister Frank-Walter Steinmeier angek\u00fcndigt, Christoph Schlingensiefs Projekt &#8222;Festspielhaus Afrika&#8220; tatkr\u00e4ftig zu unterst\u00fctzen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3,10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/366"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=366"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/366\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=366"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=366"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=366"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}