{"id":358,"date":"2009-04-22T14:24:31","date_gmt":"2009-04-22T12:24:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=358"},"modified":"2009-04-22T14:24:31","modified_gmt":"2009-04-22T12:24:31","slug":"raus-aus-dem-kafig-der-krankheit-der-westen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/?p=358","title":{"rendered":"&#8222;EIN LEBENSBEJAHENDES, EIN DURCHAUS POLITISCHES BUCH&#8220; (WAZ)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Christoph Schlingensief schrieb sein Krebs-Tagebuch.<\/strong><\/p>\n<p><em>von Julia Emmrich<\/em><\/p>\n<p>Es ist nicht der erste Krebsbericht eines Prominenten, aber vielleicht der ehrlichste: Der Regisseur und Aktionsk\u00fcnstler Christoph Schlingensief hat sein Leben nach der Diagnose \u201eLungenkrebs\u201d per Tonband aufgezeichnet. So ist ein Tagebuch entstanden \u2013 von einem, der sich frei denken will aus dem K\u00e4fig der Krankheit, der mit seinem Glauben ringt, der mal labert, immer liebt und ganz bewusst \u00f6ffentlich leidet.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Ich will mein Sterben aushalten&#8220; <\/strong><\/p>\n[\u2026] Anfang 2008 kam die Diagnose: Lungenkrebs. Schlingensief hat gek\u00e4mpft, hat Medikamente genommen, einen Lungenfl\u00fcgel verloren. Im Herbst scheint der Krebs vorerst zur\u00fcck gedr\u00e4ngt. Der Regisseur arbeitet wieder, Ende September wird sein St\u00fcck \u201eEine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir\u201d bei der Ruhrtriennale in Duisburg uraufgef\u00fchrt. Schon hier arbeitet Schlingensief mit seinen Tonbandaufzeichnungen. Helge Malchow, Verleger bei \u201eKiepenheuer &#038; Witsch\u201d, will daraus ein Buch machen. Titel: \u201eSo sch\u00f6n wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!\u201d. <\/p>\n<p><strong>Kein trauriges Buch<\/strong><\/p>\n<p>Wenige Wochen sp\u00e4ter hat Lektorin Stephanie Kratz die Aufzeichnungen auf dem Tisch. \u201eDie Arbeit mit Christoph war niemals belastend\u201d, sagt sie im R\u00fcckblick, \u201ees ist auch eigentlich kein trauriges Buch geworden.\u201d Sondern ein lebensbejahendes, ein durchaus politisches Buch. Sterbehilfe etwa kommt f\u00fcr die Katholiken Schlingensief nicht in Frage. \u201eIch will mein Sterben aushalten.\u201d <\/p>\n<p>Doch es gibt auch R\u00fcckschl\u00e4ge. Kleine und gro\u00dfe. Mitte November finden die \u00c4rzte erbsengro\u00dfe Metastasen im zweiten Lungenfl\u00fcgel. \u201eDer Krebs ist wieder da\u201d, diktiert Schlingensief am 3. Dezember. \u201eIch wollte noch 35 Mal Weihnachten feiern. Und jetzt sitze ich bei meiner Mutter in Oberhausen und erkl\u00e4re ihr, Mama, stell dir vor, dieses Weihnachten kann tats\u00e4chlich das letzte sein. Als ginge es um Weihnachten.\u201d <\/p>\n<p><strong>&#8222;Kirche der Angst&#8220; <\/strong><\/p>\n<p>Am 1. Mai wird Schlingensiefs Triennale-St\u00fcck \u201eKirche der Angst\u201d das Theatertreffen in Berlin er\u00f6ffnen. [\u2026] \u201eIch gie\u00dfe eine soziale Plastik aus meiner Krankheit\u201d, hat Schlingensief Anfang Dezember diktiert. Auch da ist er nicht der erste: Die 2004 an Krebs verstorbene amerikanische Essayistin Susan Sonntag hatte bereits 1978 mit ihrem Buch \u201eKrankheit als Metapher\u201d \u00fcber das Stigma des Krankseins, die Wahrnehmung Krebskranker in der \u00d6ffentlichkeit und den vermeintlichen Verlust der Selbstbestimmung als Krebspatient geschrieben. Schlingensief geht die Sache weniger akademisch an, sondern spontan, salopp, trotzig: \u201eEigentlich f\u00fchle ich mich wie der kleine Christoph vor einer Klassenarbeit, als ich schon wusste, dass es eigentlich nichts werden kann. Na ja, manchmal ist ja dann auch ein Wunder eingetreten.\u201d<\/p>\n<p><em>WAZ vom 21.04.2009,<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph Schlingensief schrieb sein Krebs-Tagebuch.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/358"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=358"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/358\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=358"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=358"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schlingensief.com\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=358"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}